Jahrgang 
1-26 (1867)
Einzelbild herunterladen

Nun?

Wir bitten Dich um einen Nothmaſt.

Kann nicht dienen.

Nicht?

Nein.

Nun, Junge, rief Donner, indem er ſich zu David wendete,ſo muß ich nach Hauſe, um per Achſe einen neuen Maſt zu holen.

Döllert und ein Steuermann hatten ſich von ihrem improviſirten Sitze erhoben und ſchickten ſich an, in's Dorf zu gehen. Als dieſes Wolfert bemerkte,

rief er lachend: 4

Wir kommen Alle mit, aber Apropos hier er deutete auf DonnerJachtcapitän Donner, dann auf DöllertBriggeapitän Döllert.

So, ſo, erwiderte Donner,ein Süß⸗ und ein Salzwaſſercapitän!

Die Sonne ging zur Rüſte und vergoldete den Himmel im Abend mit ihrer Feuergluth. Die ſpiegel⸗ glatte Waſſerfläche des Haffes nahm den ganzen Schein in ſich auf, um nach allen Richtungen das roſige Licht zu verbreiten, das weithin bis zum Feſt⸗ lande verſchwamm und immer dunkler wurde, je tiefer der Feuerball ſank.

Schaaren von Vögeln flatterten in den weitab⸗ gelegenen Kiefernwald, nachdem ſie ſich im hellen Son⸗ nenſcheine auf dem Dünenſande aufgehalten hatten. Die Möven flohen kreiſchend die am Ufer ſtehenden Binſen und der Abend ſenkte ſich nach und nach auf die Dünenlandſchaft. Ueber die Dünen ſchlängelte ſich ein ſteiler Weg durch Thäler und Hügel hier luſtwandelten zwei Männer.

Das iſt hier ein merkwürdiges Land, Steuer⸗ mann, ſagte der Aelteſte,Alles iſt hier ſcheu, Alles, vom Vogel bis zum Menſchen. Sehen Sie, wie die wilden Enten emporflattern und landabwärts ihr Ge⸗ fieder in die Fluthen tauchen?

Ja, Capitän.

Auch das allerliebſte Mädel im Kruge iſt ſcheu wie eine Möve.

Kennt nicht die Welt.

Mam ſollte ſie die Dünenkönigin nennen.

Haha!

Eine Zeitlang könnte ſie mich feſſeln.

Heirathen Sie ſie.

Nein nein.

Warum nicht?

Dazu iſt ſie nicht intereſſant genug und Steuermann ich mag mich nicht einem Weibe an⸗ hängen.

Novellen⸗

Zeitung.

Re ſrach wn aangeei

Ich ließ mich aus Langeweile von meiner erſten Frau ſcheiden mir würde es nach einiger Zeit hier nicht beſſer gehen. 4

Curios!

Indeſſen hatten die Spaziergänger einen hohen, faſt iſolirt liegenden Dünenkopf erreicht, der ſich durch ſeine Lage und Form auszeichnete.

Was iſt hier? fragte Döllert.

Die alte Burg Naito.

Wie?

Schon heute früh führte mich ein Fiſcher aus Neukrug hierher der Berg heiſt jetzt Naitenberg.

Der Dünenkopf bildete auf ſeiner Höhe eine Plateau, das ſich wie ein Krater eines ausgebrannten Vulcans abplattete. Ein Wallüberreſt umſchloß ſeinen jähen Rand, welcher ſich nach innen zu einem Keſſel aushöhlte. Darin befanden ſich große Steine und Geröll, die ſonſt auf der Nehrung nirgend artzutreffen ſind. Niedere Zwergtannen und Haſelgebüſch ſproßten hier und dort hervor und erſchienen in einiger Entfer⸗ nung faſt geſpenſterhaft, da bereits der Abend ſeine langen Schatten zog.

Das iſt hier ein geheimnißvoller Ort, begann Capitän Döllert, nachdem er ſich nach allen Seiten umgeſchaut. 3

Gewiß, deshalb fürchten ihn die Dünenbewohner hier ſoll die Heidenburg Naito mit ihrer Königin verſunken ſein, erzählte mir der Fiſcher.

Im Sande wär's möglich, wenn man die alten Märchen glauben könnte.

Gewiß! 3

Wer weiß, welcher alltäglichen Erſcheinung die Sage ihren Urſprung verdankt. Soviel bleibt aber ſicher, daß kein Plätzchen der Welt ſich beſſer zum heimlichen Stelldichein eignet, als dieſes.

Kann ſein.

Nein es iſt es iſt ſo! Hier im Strahle der untergehenden Sonne Arm in Arm mit Mar⸗ gareth!

Das iſt zum Lachen!

In acht Tagen muß ſie mir gehören mit Leib und Seele.

Dir gehören Dir gehören! kreiſchte eine laute ſchrille Frauenſtimme und eine lange, dunkle Geſtalt erhob ſich hinter einem der Haſelgebüſche.

Die Männer ſtutzten.

Alſo darum rettete ich Dich, damit Du Schande über meine Familie bringſt! Hinaus mit Dir Ehren⸗ räuber! fuhr ſie fort, indem ſie drohend ihre Rechte erhob.

Iſt das die verſunkene Prinzeſſin? fragte Döl⸗

Liebt ſie alle!

lert ironiſch.

--