190 Rovellen⸗Seitung.
das Zelt, es iſt der Bräutigam. Das Schreien und Schießen aber dauert die ganze Nacht fort.
Fortan theilt der Spahi ſein Leben zwiſchen der Sorge um ſein Pferd, ſein Weib und den Dienſt. r.
Liebe der franzöſiſchen Soldaten für Thiere.
Derſelbe Abbé Domenech, der ſich und die gelehrte fran⸗ zöſiſche Welt ſo ſehr blamirte, indem er das Notizbuch eines ſchwäbiſchen Bauernjungen für Hieroglyphen der Indianer hielt, die er in einem in der kaiſerlichen Druckerei gedruckten Werke zu löſen ſuchte, das von der gelehrten Welt Frankreichs damals bewundert wurde, hat ein paar Jahre lang eine amt⸗ liche Stellung in Mexico bekleidet und über ſeine dort ſelbſt gemachten Erfahrungen eine Schrift veröffentlicht, worin er über die Leidenſchaft der franzöſiſchen Soldaten für Thiere Folgendes erzählt:
In Mexico habe ich nie eine Colonne, ſo klein ſie auch ſein mochte, ohne eine Zahl gezähmter Thiere geſehen. Die⸗ jenigen, welche aus Mazatlan, Oaxaca, mit einem Worte aus der Terra caliente, zurückkamen, hatten Papageien von allen Sorten, die franzöſiſch und mexicaniſch plauderten, bei ſich. Perſonen aus Aguas calientes erzählten mir, als die erſte Ab⸗ theilung unſrer Truppen in dieſer Stadt ankam, habe es Zuaven gegeben, welche auf ihrem Bajonnete bis zwei Papa⸗ geienzgetragen hätten; die Menge dieſer ſchreienden, pfeifenden und plaudernden Vögel bei den Tönen der Trommeln und Trompeten habe auf die Einwohner einen teufliſchen Ein⸗ druck gemacht. Sie konnten es mir nicht erzählen, ohne noch darüber zu lachen.
Die Hunde in Mexico werden in der Regel ſchlecht er⸗ nährt, aber viel geſchlagen; unſre Truppen nährten und lieb⸗ koſten ſie. Diefes Verfahren wurde bald unter den Hunden im ganzen Lande bekannt. In weniger als einem Jahre ſahen unſre kleinſten Colonnen eine ganze Heerde Hunde vor ſich voranſchreiten oder ihnen folgen, welche die Mexicaner biſſen; das Intereſſe läßt ſo viele Dinge geſchehen! Viele Hunde adoptirten ſich franzöſiſche Soldaten oder Officiere und ſie verließen ihre wirklichen Herren, um denen ihrer Wahl zu folgen. Im Augenblick, wo ich Mexico verließ, um mich nach Durango zu begeben, bewies mir ein ſehr ſchöner ſtarker, gut genährter und gut logirter Windhund ſeine Dank⸗ barkeit für einige ihm erwieſene Liebkoſungen, indem er mir auf meinen langen Reiſen folgte. In Durango aber lang⸗ weilte er ſich, als er ſah, daß ich den ganzen Tag Karten zeich⸗ nete und mich mit der Aufſtellung ſtatiſtiſcher Tabellen be⸗ ſchäftigte, und er verließ mich, um mit zwei Compagnieen des 7. Linienregiments nach Chihuahua zu gehen.
Dieſe Freiwilligen von einer neuen Art waren uns oft nützlich, um unſer Gepäck zu bewachen. Sie zeigten eine rührende Achtung für die Hunde des Regiments, welche aus Frankreich oder Algerien mit nach Mexico gekommen waren. Von den letztern habe ich zwei gekannt, deren Namen erwähnt zu werden verdienen. Dem einen, der Puebla hieß, war vor dieſer Stadt bei der Belagerung eine Pfote zerbrochen wor⸗ den. Er gehörte dem 7. Linienregimente und trug auf ſeinem Rücken eine große gemalte 7. Auf dem Marſche war er immer bei der Avantgarde bei den Sappeurs. Im Nachtquartier ſchlief er im Zimmer, wo die Fahne war, oder vor der Thür deſſelben. Der andere, Namens Malakoff, war in der Krim
und in Italien verwundet worden; die Zuaven machten ihm auf den Vorderpfoten mit Hülfe des Raſirmeſſers und der
In einem etwas warmen Gefechte in Michoacon war Malakoff der Höhe ſeiner Vergangenheit nicht eingedenk; um ihn zu beſtrafen, ſchor man ihm die Pfoten, er verlor ſeine Treſſen und außerdem bekam er noch auf dem Marſche die Steigbügel. Dadurch wurde ihm der Dienſt verleidet; er verließ das Regiment und reiſte nach eignem Belieben. Er adoptirte die Officiere der Feldcaſſe, fand an ihrer Tafel nichts auszuſetzen und ſchlief des Abends bei der Caſſe. Er hatte eine Feindſchaft gegen die Ruſſen beibehalten. Als man eines Abends in Mexico die Koſaken aufführte, war Malakoff im Theater; er knirſchte die ganze Zeit des Stückes gegen die als Ruſſen gekleideten Schauſpieler mit den Zähnen und man mußte ihn vor die Thüre ſetzen. Als ich ihn das letzte Mal ſah, magerte er ſichtbar ab; ſeit ſeinem unglück⸗ lichen Abenteuer in Michoacan hatte die Intervention in Mexico jeden Reiz für ihn verloren. C.
Die Diamanten der Familie Eſterhazy. Ueber dieſen Gegenſtand theilt die Times Folgendes mit: 2 Endlich ſind dieſe berühmten Juwelen, welche ſeit länger als 75 Jahren, wenn ſie von den Fürſten des großen Hauſes Eſterhazy getragen wurden, die Bewunderung der erſten Höfe Europas erregt haben, unter den Hammer des Auctionators gekommen. Die Geſc'ichte dieſer Leidenſchaft für Edelſteine, welche ſich bei einem Zweige der Familie Eſterhazy beinahe zu einer Manie entwickelte, läßt ſich ganz
wohnte der Fürſt Nicolaus von Eſterhazy der Krönung Franz II. zum König von Ungarn bei. Bei dieſer Gelegen⸗
an der Spitze einer Truppe von 24 Fürſten und Edelleuten, die an Rang und Reichthum nur ihm nachſtanden,—
ſeiner mit Juwelen beſetzten Uniforment aendn Schaugepränge gefertigt. Jeder Theil deln geht dahin,
wurde aus Brillanten von dem ſchönſten Waſſer hergeſtellt, und der Effect, wie man ſich leicht denken kann, war bei einer Ceremonie, bei welcher von allen Seiten der größte Glanz zur Schau getragen wurde, ſo blendend, daß der verſchwende⸗ riſche Fürſt fortfuhr, ſeine koſtſpielige Prahlerei in derſelben Art zu vergrößern, bis, wie wir bereits erwähnt haben, die mit Juwelen beſetzten Anzüge der Eſterhazy's das Geſpräch der europäiſchen Höfe wurden. Als der Grundbeſitzer beinahe des dritten Theils Ungarns, Eigenthümer von 33 Meiereien und Suzerän von 17 Herrſchaften, ſtieß er auf wenig Schwie⸗ rigkeiten bei der Befriedigung ſeiner Vorliebe für Edelſteine, und in der That war der Familienſchmuck allein hinreichend, um eine Kaiſerin damit zu ſchmücken.—
Dieſe in die außerordentlichſten Zierathen gefaßten und über die Uniform geſäeten Edelſteine, welche dieſelbe buchſtäblich ſteif und durch ihr Gewicht läſtig machten, wurden von dem Fürſten Nicolaus und von dem Fürſten Paul von Eſterhazy bei der Krönung von Franz II., Georg IV., Wilhelm IV. und der Königin Victoria und ebenſo der beiden letzten Kaiſer von Oeſterreich und Rußland getragen. Der letzte Fürſt Paul ſtarb im Anfange des vorigen Jahres tief verſchuldet. Seine Güter und Grundbeſitz waren natürlich Fideicommiß, aber ſein Privateigenthum und mit demſelben ſeine Juwelen ging in die Hände ſeiner Gläubiger, und von dieſen oder deren Bevollmächtigten wurden dieſe Edelſteine an Herrn
Malerei Corporaltreſſen.
kurz mittheilen. Gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts.
heit war er Capitän der kaiſerlichen Nobelgarde, d. h. er ſtand 8½
Officiersuniform, der von Metall gemacht werden ſollte,.
Boore am Strand(in London) verkauft, wo ſie jetzt, ehe dieſ..


