Jahrgang 
1-26 (1867)
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Dierle den als Schlafzimmer, Küche und Vorrathskammer dient und wo der ſich noch außerdem die Kinder und ein halbes Dutzend Wind⸗ ein; ſpiele herumtreiben... adih Der unverheirathete Spahi hat keinen eigentlichen Von Wohnſitz; bald ſchläft er in dem mauriſche rfé des Forts, er den bald unter freiem Himmel, wobei ihm der Sack mit ſeinen Habſeligkeiten als Kopfkiſſen dient. Oft ſtreift er nächtlicher uit Weile in der Gegend herum, um in den befreundeten Duar's 1. zu betteln oder in den feindlich geſinnten zu rauben. Jagd de und Fiſchfang bieten ihm reiche Abwechſelung; auch liebt er d. ſehr das dolce farniente und liegt am Ufer eines Baches Lode, 3 oder im Schatten eines Orangenbaumes oder Oleanderbuſches, ebens um von ſeiner Geliebten zu träumen. In der Regel ver⸗ 6. heirathet er ſich bald, denn die Araberfamilien geben ſehr gern ihre Töchter einemManne der Macht mit rothem Burnuß. Ein Abgeſandter ſchlägt ihm die Tochter eines Mannes vor, der ſich unter den Schutz der rothen Burnuſſe drei begeben will. Der Spahi willigt ein, ſie zu ſehen, er reitet t der an den Brunnen des fernen Duars, wo mehrere Mädchen ſelbſt verſammelt ſind, und erkennt die ihm Beſtimmte an einem ndant Orangenzweig, den ſie im Gürtel trägt. Die Mädchen rufen olches kichernd:Sba-dja!(der Löwe kommt.) Er aber ſteigt Orte nicht ab, ſpricht kein Wort, ſondern reitet ſchweigend um die gegen lachende Gruppe herum, giebt ſeinem Pferde die Sporen und lativ reitet wieder zu ſeinem Bordji zurück, wo der Unterhändler latzes ſeiner wartet. Beide begeben ſich nun nach vielem Hin⸗ und Ba⸗ Herreden zum Vater, der ſich die Tochter nach dem allgemeinen ander Brauch ziemlich wohlfeil abkaufen läßt. Acht Tage daraufſpricht Schaf⸗ das Pulver, wie ſich der Araber ausdrückt, das heißt, die Hoch⸗ lagern zeit wird durch Schießen verkündigt. Am anderen Morgen wird der Heerbann des Stammes aufgeboten und Speiſevor⸗ der 2 räthe in dem Zelte des Schwiegervaters aufgehäuft. Ver⸗ ang⸗ wandte und Nachbarn ſchichten kleine Berge von Reis und Kadi neismehl an, die ſie zum Geſchenk darbringen. Die Einen nden aus dun Made effertes Lammfleiſch mit kräftiger Knoblauch⸗ gahin, und das ließ iſt d ein Ragout her, Katitha genannt, mit un Pfefteieie⸗ Thymtan und Lorbeerblättern. Die Ge⸗ Pillen ſchickteſten aber übernehmen das Backwerk, eine Art Blätter⸗ gbrü⸗ kuchen, der von Baumöl oder Butter triefen muß, und Ma b der karud, einen ſehr harten, mit Honig beſtrichenen Zwieback. Der Nun erſcheinen die Gäſte und jeder feuert als Ehren⸗ jiel⸗ bbezeigung ſein Gewehr vor dem Zelte der Braut ab, bindet Be⸗ ſein Pferd an und lagert ſich zum Vater der Braut, um ihn l wo wegen der Ehre des rothen Burnuſſes zu beglückwünſchen; eim dabei werden eine Menge kleiner Täßchen mit wenig Kaffee Jt und ſehr viel Bodenſatz behaglich deſchlürſt und dazu eine Puor Pfeife gedampft. Endlich gegen Abend geht es zum Mittag⸗ hie eſſen; die Spahies ſind dabei natürlich reichlich vertreten, oft . i ſſt auch ein franzöſiſcher Officier da, nur der Bräutigam darf licht anweſend ſein. r. Das Eſſen dauert bis tief in die Nacht hinein und der dent Luater ſorgt für gute Bedienung, indem er zwiſchen den auf une der Erde gelagerten Gäſten herumgeht. Tiefes Schweigen ichen herrſcht und die Kinnbacken bewegen ſich nur zum Eſſen, da⸗ eine gegen ſind die um die Braut verſammelten Frauen um ſo Roffer redſeliger. Nach beendigter Mahlzeit führt man die Braut, lund in dichte Schleier gehüllt, in Proceſſion aus dem Zelt auf nebſt den freien Platz bei dem Zelt der Männer; Letztere treten auf die eine Seite, die Frauen auf die andere. In der Mitte elchs ſteht die Muſik, beſtehend aus einer Schilfrohrflöte, einer tt iſt ſchreienden Clarinette und einer Sackpfeife. Ein großer täthe, Schlingel mit einem Bambusrohr ſpielt den Polizeidiener n del(ſchauſch) und Ceremonienmeiſter und ordnet wichtigthuend

gleic

Lolge. 189 den Ball an. Die Muſiker probiren ihre Inſtrumente, während der Tſchauſch ſehr höflich und galant drei der Frauen zum Tanz auffordert, die ſich erſt lange ſträuben und ſich bitten laſſen, obgleich die ganze Sache längſt zum Voraus abgekartet war.

Der Tanz weicht von der europäiſchen Weiſe vollſtändig ab; er beſteht mehr in einem langſamen Wenden und Drehen des Körpers, wobei die Hände einen Shawl halten und die Arme ſich in graziöſen Bewegungen zeigen, die mit dem Kopf paſſend begleitet werden. Voran ſchreitet der würdevolle Tſchauſch und entfernt mit ſeinem Stock die allzu nahen Be⸗ wunderer; denn es iſt Gebrauch, daß man beim Vorüber⸗ tanzen der Frau eines Freundes ſich erhebt und eine mit Honig beſtrichene Geldmünze auf ihre Stirn drückt.

Plötzlich fällt ein Schuß, und zwar gegen die Beine einer Tänzerin; dies geſchieht von einem Verehrer und wird auch als Ehre aufgenommen. Die Tochter der Wüſte er⸗ ſchrickt nicht, ſondern ſetzt lächelnd ihre verführeriſchen Win⸗ dungen unter dem jetzt erfolgenden Knallen aller Gewehre, was für Applaudiren gelten ſoll, weiter fort.

Beim Erſcheinen der Morgenröthe zerſtreut ſich die Ge⸗ ſellſchaft, um ſich bald darauf von Neuem zuſammenzufinden, denn heute iſtNehar el Heudda, der große Tag der Auf⸗ führung. Schon wiehern die reichgeſattelten und gezäumten Pferde um das Zelt der Braut; die Reiter laden ihre langen Flinten und Piſtolen. Ein roth und gelber Palankin nach indiſcher Art,Atuch genannt, iſt auf dem Rücken eines Kameels angebracht und die Braut wird hinaufgehoben, von ſämmtlichen Reitern umgeben, die ihren Gefühlen durch un⸗ bändiges Geſchrei und Gewehrfeuer Luft machen. So ſetzt ſich nun der Zug in Bewegung. Welcher Chrgeiz erfüllt hier Denjenigen, der ein gutes, ſchön aufgeputztes Pferd hat, und welch gelbe Scham(denn roth werden kann ein Araber nicht) Denjenigen, deſſen Pferd dieſe Eigenſchaften nicht beſitzt oder ſich heute ſchlecht anläßt!

Plötzlich wird am Horizont eine Gruppe Reiter mit fliegenden rothen Burnuſſen ſichtbar, man ſieht ſie die Waffen ſchwingen und zum Angriff heranſtürmen.

Was ſind das für Wegelagerer? fragt der Braut⸗ vater anſcheinend befremdet.

Feinde, welche Dir das Licht Deiner Augen rauben wollen, antwortet ihm Einer.

Nun, ſo laßt das Pulver ſprechen!

Lel Barud! Lel Barud!(das Pulver, das Pulver!) ertönt es unter den Reitern und die wild dahin ſauſende Fan⸗ taſia beginnt. Man hört das Steigbügelgeklingel, durch den Sporn wie an einer Glocke hervorgebracht, was die Pferde zum heftigſten Rennen anfeuert. Die Reiter richten ſich nach einander in den Bügeln auf, feuern ihre Gewehre ab, werfen ſie über den Rücken, ſchwingen den Säbel und ſchießen mit der linken Hand die Piſtole ab; plötzlich jagt das ganze Ge⸗ folge des Palankin zurück und treibt das erſchreckte Kameel vor ſich her, um die Braut vor denRothmänteln zu retten. Aber die Flucht geht ſonderbarer Weiſe nicht nach dem Duar, ſondern nach dem Bordji der rothen Burnuſſe. Und jetzt fängt die Fantaſia noch viel wilder an; das Pulver ſpricht wieder bedeutend mit.

Und die Spahi's, welche die Angreifer waren, beginnen jetzt ihre Künſte, ſtellen ſich aufrecht in den Sattel, machen Jongleurſtückchen mit dem Gewehre u. ſ. w. In der Nacht wird das Tanzen vor dem Zelte des Bräutigams wiederholt, die Frauen bringen die Braut in das Zelt und laſſen ſie da allein einige Augenblicke darauf huſcht ein Schatten in