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Töchterchen erſchien, ſprach er fröhlich:„Jetzt fangen bei uns die Mädchen an!“ Er war das Muſter eines zärtlichen Vaters. Die Knaben wurden mit der freundlichſten Güte erzogen, wenn ſie ihre Pflicht thaten, mit der unerbitterlichſten Strenge gegen Unarten und eingewurzelte Fehler. Körper⸗ liche Abhärtung erzwang er durch Wanderungen und kleine Reiſen, die er ſie ſchon vom frühen Jugendalter an machen ließ. Dabei ſollten ſie ſich an Entbehrung des Entbehrlichen gewöhnen, um unabhängigen Charakters zu werden. Dienſt⸗ verrichtungen und Arbeiten im Hauſe wurden ihnen vielfach aufgetragen, damit ſie ſich praktiſches Geſchick aneigneten und zugleich Demuth lernten. Einige ſeiner Söhne ließ er ſogar in Handwerken unterrichten. Aber die größte Sorgfalt ver⸗ wendete er auf ihre geiſtige Ausbildung; er ſelbſt ward ihr Schulmeiſter. Es iſt faſt unglaublich, wie dieſer ſonſt ſo
überbeſchäftigte Mann noch die Zeit dazu fand; allein kein Tag
verging, ohne daß er ſeinen Knaben einige Stunden Unter⸗ richt in den alten und neueren Sprachen, in Geſchichte und Geographie und anderen Wiſſenſchaften gab Dabei fehlte es nicht, daß er ihren Sinn früh ſchon zur Anſchauung und Kenntniß der Natur wendete; Jeder der Kleineren mußte Pflanzen⸗ oder Mineralien⸗ und Inſecten⸗Sammlungen an⸗ legen und Rechenſchaft von jedem Exemplare geben können. Auch nachdem dieſe Söhne Männer geworden waren und in eigener dae inhf. und in eigenen Familienkreiſen ſtanden, waltete er noch als greiſer Patriarch in immer gleicher Treue unter den Seinen und trug noch die Enkel ebenſo fröhlich auf den Armen umher, wie er es bei ſeinen Kindern gethan hatte. Die Blumenhalde, der Stammſitz ſeines Ge⸗ ſchlechts im Schweizerlande, blieb der Vereinigungspunct Aller. Fehlte mit der Zeit auch ſchon manches Haupt— denn 5 Söhne ſah Zſchokke vor ſich zu Grabe gehen— ſo war ſein Stamm doch immer noch ſo zahlreich, daß man bei Geburtstagen oder Verlobungen kaum Platz fandan dem großen tannenen Familientiſche. Aller Augen und Herzen waren bei ſolchen Anläſſen in Pietät dem Oberhaupte zugewendet, dem Vaker, der, obwohl mit gebleichten Haaren, noch immer ju⸗ gendlich rüſtig in der Mitte ſaß, unter den Fröhlichen immer der Fröhlichſte. Und wie denn Freud und Leid in einem Hausweſen oft raſch miteinander wechſeln, ſo geſchah es auch hier. Aber auch in ſchweren Prüfungen ſtand Zſchokke ſtets als ein Fels aufgerichtet, ohne Wanken, voll unerſchütter⸗ lichen Gottvertrauens, ſo daß Jeder ſtets Zuflucht bei ihm finden konnte. Die Blumenhalde war eine gefriedete Veſte. Mochten auch die politiſchen Stürme noch ſo laut ringsum
toben, ſo blieb doch der Friedenshimmel, der ſich auf dieſem
Hauſe wölbte, ſtets rein und klar. Und mochten die Gluth⸗ pfeile aus den Lagern der Gegner noch ſo drohend herüber⸗ fliegen, ſo prallten ſie doch ſtets an dem heitern Gleichmuthe
— dieſes Mannes ab.
Zſchokke erfreute ſich von ſeiner Jugend bis in ſein höheres Alter einer blühenden Geſundheit. Wer ihn je ge⸗ ſehen, dem bleibt dieſe kräftig-⸗ſchöne, breitſchulterige Mannes⸗ geſtalt, mit feſter Bruſt und ungebeugtem Nacken, ſtets unver⸗ geßlich. Schon beim erſten Anblick imponirte ſein Auftreten und ſein freundliches Auge; ſein wohlwollendes Wort feſſelte ſchnell die Herzen. Erſt die letzten Lebensjahre begannen ſeine Körperkräfte zu lähmen. Auf einer Sommerreiſe nach Holland im Jahre 1843 hatte er ſich wahrſcheinlich durch Er⸗ kältung eine Diarrhoe geholt, die ihn nun nimmermehr ver⸗ ließ. Vergeblich waren jahrelange Heilverſuche der Aerzte und öftere Bädercuren. Aber auch, als er zuletzt viele Monate lang, auf den Tod matt, das Bett nicht mehr ver⸗
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laſſen konnte, bewahrte ſein Geiſt, noch immer friſch, die Obergewalt über ſein Leiden. Er beſchäftigte ſich noch in den letzten Tagen auf das Lebhafteſte mit Problemen ſeiner heiligen Forſchungen und hoffte ſtets noch einmal ſeine letzten Gedanken niederſchreiben zu können. Allein eine höhere Ge⸗ walt, der ſich auch der ſtärkſte Geiſt beugen muß, ſprach: Bis hierher! An einem ſchönen Sommermorgen, den 27. Juni 1848, kam der Engel des beſſeren Lebens, um ſein irdiſches Auge zuzudrücken. Zſchokke wurde 77 Jahre alt. Ein Freund, Heinrich von Orelli, war noch von Zürich ber⸗ beigeeilt. Er trat unter die weinende Familie, die das Bett des ſoeben Entſchlummerten umringte; er betrachtete ihn lange mit naſſem Blicke und ſprach dann:„Lebe wohl, lieber Zſchokke! Nun ſind Dir die Räthſel alle enthüllt, über die Du hienieden ſo viel nachgedacht haſt. Auf Wiederſehen!“
Merkwürdig iſt es, daß eine ſo urkräftige geſunde, dem krankhaft Phantaſtiſchen abgeneigte Natur, wie die des ſtarken Zſchokke, doch mit einer innormalen Geiſteseigenſchaft behaftet ſein konnte. Wir fügen in Bezug darauf dem Abriß Emil Zſchokke's einen directen Bericht Heinrich Zſchokke's über deſſen Sehergabe bei, die er, der ſtreng Wahrheitsliebende, in ſeiner Selbſtſchau erzählt, und zwar ohne damit Ver⸗ wunderung erregen zu wollen:
Wenn nirr auch, ſagt der Dichter, der Beſuch vieler Fremder, die mich gern kennen lernen mochten, zuweilen läſtig wurde, ſo bezahlte er ſich doch gelegentlich öfters entweder durch die Bekanntſchaft mit merkwürdigen Perſönlichkeiten oder durch das Hervortreten einer merkwürdigen wunderbaren Art von Sehergabe, welche ich mein„innerſtes Geſicht“ nannte, und die mir ſtets ein Räthſel geblieben iſt. Ich fühle beinahe Scheu, über dieſen Gegenſtand ein Wort zu ſagen, nicht etwa aus Furcht, daß man mir Aberglauben vorwerfen könnte, ſondern aus Beſorgniß, daß ich eine ſolche Dispoſi⸗ tion in Anderen ermuthigen könnte, und doch giebt er einen
vielleicht nicht unwichtigen Beitrag zur Pſychologie. So will
ich denn alſo beichten.
Es iſt allgemein anerkannt, daß das Urtheil, welches wir über Fremde beim erſten Zuſammentreffen mit ihnen fällen, häufig richtiger iſt, als das, welches wir uns nach einer längeren Bekanntſchaft mit ihnen über ſie bilden. Der erſte Eindruck, welcher uns in Folge eines eigenthümlichen Seeleninſtinets zu Jemanden hinzieht oder uns von einem Anderen zurückſtößt, wird nach einiger Zeit undeutlich und ſchwächer, und zwar entweder, weil er anders erſcheint als zu⸗ erſt, oder indem wir uns an ihn gewöhnen. In derartigen Fällen ſprechen Manche von unfreiwilligen Zuneigungen und Abneigungen und ſchreiben ſolchen Regungen bei Kindern, denen jede durch Erfahrung erworbene Menſchenkenntniß mangelt, eine beſondere Sicherheit und Zuverläſſigkeit zu. Andere hingegen ſind ungläubig und ſchreiben Alles phyſiog⸗ nomiſcher Gewandtheit zu.— Nun aber von mir ſelbſt.
Bei der erſten Begegnung mit einem mir völlig Fremden iſt es mir, wenn ich ſeiner Unterhaltung ſchweigend lauſchte, öfters widerfahren, daß ein Bild ſeines vergangenen Lebens bis zum gegenwärtigen Augenblicke, mit vielen einzelnen, der einen oder der andern beſonderen Begebenheit deſſelben an⸗ gehörenden Umſtänden, einem Traume gleich, aber deutlich, zuſammenhängend und ungeſucht, einige Minuten dauernd, an mir vorüberzog. Während dieſer Zeit bin ich in die Darſtellung von des Fremden Leben gewöhnlich ſo verſunken, daß ich zuletzt ſowohl ſein Geſicht nicht mehr deutlich wahr⸗ nehme, obgleich ich es, wenn auch vergeblich, anblicke, als auch ſeine Stimme nicht mehr deutlich vernehme, die ich doch


