Jahrgang 
1-26 (1867)
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Novellen⸗Zeitung.

genug, dem danach Auferbauten einen oft charakteriſti⸗ Und der Maler conterfeit ihn hell im ritterlichen Glanze. ſchen Grundton zu verleihen. Zuweilen iſt es auch Der Infantin drauf die Bilder reicht er ihrer Candidaten. der hiſtoriſche oder volksthümliche Gang der Handlung,

welcher das Intereſſe des Leſers erweckt. Das des Königs von Neapel wirft hinweg ſie mit Verachtung:

1 1 1König unter ſolchen Buhlen wird mir nimmermehr ge allen! Ich will hier mit einer Romanze ſchließen, welche 8 9. r gef

Die drei Werber heißt: Aber Mailands Herzog, tiefer iſt geſunken deine Wagge, Theilen will ich deine Liebe mit der Liebe nicht zum Bacchus! Iſabella's Hand begehret Don Guercho von Neapel,

Und der Großherzog von Mailand und von Arragon Fernando. Der Prinzeſſin Augen endlich ſind auf Arragon gefallen,

Und alsbald hat ſie gerufen:Dieſen will ich zum Gemahle! Die Infantin ſpricht zu ihrem Maler: Geh, in welcher Lage 5

Du die drei Bewerber findeſt, alſo magſt Du ſie mir malen. Allerdings darf nicht unerwähnt bleiben, daß der

4 ü. 3: 6. Und zuerſt iſt da der Maler nach Neapels Hof gegangen, Verfaſſer hin nd wieder wohl geihan haben würde, Hat den König angetroffen in der Tänzerinnen Schwarme. ſich ſeine Aufgabe in ſprachlicher Beziehung weniger 4 leicht zu machen. Natürliche, ſchöngebaute und klare Mit den ſchönen Dirnen ſcherzend, mit den Poſſenreißern Satzconſtructionen, die nicht dieſer oder jener geübte lachend Autor mit wenig Mühe beſſer machen kann, werden Alſo, wie er ihn gefunden, hat den König er gemalet. in der gebundenen Rede wie in der Proſa ſtets eine Aber dann geht er nach Mailand und den Herzog von der Tafel V nothwendige Aufgabe für jeden Schriftheller bleiben, Sieht er trunken niederſinken, noch die Hand an ſeinem Glaſe. der bei ſeinen Arbeiten mehr auf dauernden Werth als auf Zeiterſparniß ausgeht. Dem guten Geſchmack Mit dem Bilde dieſes Herzogs lihtede Maler drauf nach und der Nachynelt iſt billig ne elldnne und Kraft⸗ Aulett, anſtrengung, welche wir auf die Feile bei unſerer Und in Fraha angetroſſen hat er Arragons Infanten. Spriche verwandt haben, völlig gleichgültig; es wird

Dieſer aber ſtand gerüſtet, Don Fernando ſtand in Waffen nur auf das Reſultat geſehen, der Kaufpreis kümmert In dem Kreiſe ſeiner Granden, und es brachen alle Lanzen. V die Literatururtheile niemals.

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Ein patriarchaliſcher deutſcher Sthriftſteller.(fielen weg. Sie ſollte nur für ihn leben, wie er für ſie;

Leider iſt es keiner von den Lebenden, ſondern einer das Haus war ihr ausſchließliches Neich, aber hier ſollte ſie von den Todten, der uns dieſe Benennung abnöthigt; es iſt I auch als unumſchränkte Königin herrſchen. Wenn nach voll⸗ ein leider jetzt gar zu ſehr und mit Undank in Vergeſſenheit brachtem Tagewerke der Feierabend kam, war es für Beide gekommener Autor und Romanſchriftſteller, der wackere Mag- die ſchönſte Erholung, daß er ſie Arm in Arm zu Spazier⸗ deburger Heinrich Zſchokte, der freilich in ſeinem Vaterlande gängen am Flußufer führte oder zur Winterzeit mit ihr im nicht die Berückſichtigung fand, die ihm hätte zu Theil werden warmen Stübchen plauderte. Hier las er ihr aus ſeinen ſollen, deſſen Erzählungen aber, mit den heutigen verglichen, gerade in Ausführung begriffenen ſchriftſtelleriſchen Werken bedeutſame Vorzüge haben. Dem von Emil ſchokke verfaßten V oder auch aus Briefen an Freunde vor. Es war ihm von Lebensumriß dieſes charaktergewichtigen Mannes entnehmen Anfang an Herzensbedürfniß und Herzensgenuß, ſie namen wir hier einzige Zige aus ſeinem ſpäteren Familienleben lich zur Bundesgenoſſin ſeiner religiöſen Ueberzeugungen, in ſeiner zweiten dankbareren Heimath, der Schweiz. machen. So reifte ſie in ſeinem geiſtigen Umgange, undd

Zſchokke hatte ſich im Jahre 1805 mit einer Schweizerin ſie eine hochbegabte Frau war, galt ihm nachmals ihr Urthe vermählt. Sie war eine Pfarrerstochter, Nanny Nüſperli. mehr, als alle Kritik der Gelehrten. Dieſer innige Wechſel⸗ Alser ſie heirathete, war ſie noch ein einfaches Naturkind; voller verkehr dauerte, ohne eine Trübung zu erleiden, durch ihre Talente, aber noch eine unbeſchriebene Tafel. Der Alters⸗ ganze, 43 Jahre dauernde Verbindung. Was Zſchokke in unterſchied zwiſchen beiden Gatten betrug 14 Jahre und der ſeinenStunden der Andacht ſo ſchön von dem höchſten Abſtand der Bildung war nicht minder groß. Er mußte ſie Erdenglücke einer reimen Ehe ſagt, das entnahm er nicht in eigentlich erſt noch erziehen, was um ſo leichter gelang, als der Luft ſchwebenden Idealen, ſondern der um ihn blühenden ſie ſich mit der ganzen Aufopferungsfähigkeit ihrer erſten Wirklichkeit. Liebe, aber auch mit beinahe kindlicher Ehrfurcht an ihn an⸗ Dieſe Verbindung wurde im Verlaufe der Jahre mit ſchloß. Vom Hochzeitstage an begann er ſie in ſeine Ideen zahlreichen Kindern geſegnet. Sein Weib gebar ihm 12 einzuweihen. Alle Theegeſellſchaften und alle Viſitenmacherei, Söhne, in deren Kreis er ſich gern mit dem Stammvater mit dem bodenloſen Geſchwätz von Kleidern und Moden Jacob verglich, und als nun noch als dreizehntes Kind ein

Zeuilleton. 1

2.

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