Jahrgang 
1-26 (1867)
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Steh' aufrecht nur in deinem Nachen, Den Blick empor, die Hand am Steuer Das And're wird dein Gott ſchon machen. Ob du umflammt von Wetterfeuer,

Ob über dir die Donner krachen,

Ob um dich Sturm und Welle toſ't Getroſt! getroſt!

Durch Nacht und Grau'n

Führt friſcher Muth und Gottvertrau'n Trotz Wogendrang und Sturmgebraus Dich ſicher hin in's Vaterhaus.

Freundesworte.

(An Herrn M., der im Schlachtfelde ſeinen Sohn verlor.)

Weine nicht!'s iſt bald geſprochen Faſſe dich!'s iſt bald geſagt;

Doch ein Herz, das halb gebrochen,

Dem ein Weh im Marke nagt,

Ach, es hört das Wort mit Beben,

Sinnet nach und faßt es nicht;

Muß der Stein doch Funken geben,

Eh' vom Schlage er zerbricht.

Literariſche Arſeſe 4 von Otto Banck.

Die Cavalier⸗Jacobitenlieder Schott⸗ lands, überſetzt von Götſchenberger. Würzburg, Verlag von Stahel. Ein ſpaniſcher Roman⸗ zenſtrauß von Forſtenrath. Cöln, Verlag von Mayer(Lengfeld'ſche Buchhandlung).

Das erſte Büchelchen führt Ihnen einen Theil der politiſchen Poeſie des alten Schottlands vor, eines ſangbegabten Landes, welches uns ſpäter auch Burns und Walter Scott gegeben hat und dieſen viele frühere Charakterſtücke als anregende Muſter noch neben dem Fond inhaltvoller⸗Sagen verlieh.

Es bieten dieſe Lieder neben manchen poetiſchen Schönheiten deshalb viel Anziehendes, weil ſie uns ein Zeitcolorit darbringen, das ſich in ſpäterer Epoche durch die Kunſtpoeſie nicht mehr reproduciren läßt.

Gar manche hiſtoriſch intereſſante Perſönlichkeiten waren unter dieſen Sängern, mit denen ſich jeder Gebildete gern ein Stündchen beſchäftigen wird. So lebte am Hofe Jacob's IV., wie der Autor mittheilt, ein Dichter erſter Größe: William Dunbar. Es war der neueſten Zeit vorbehalten, auf die hohen Schön⸗ heiten ſeiner Schöpfungen die Augen zu lenken.

Novellen⸗

Zeilung.

Dunbar war Meiſter jeder Dichtungsart: der erha⸗ benen, wie der burlesken, der beſchreibenden und ſa⸗ tyriſchen. Seine bedeutendſte allegoriſche Dichtung iſt Die Neſſel und. Roſe, ein Braut- und Triumph⸗ geſang zur Verherrlichung der Verbindung Jacob's mit der engliſchen Königstochter Margarethe.

An ihn reiht ſich als gleichfalls allegoriſcher Dichter jener Zeit Gavin Douglas, den die Ver⸗ folgungen des Berzogs von Albany nach England trieben.

Sir David Lyndſay war das Factotum des jungen Königs Jacob V. Seine meiſt derben, aber phantaſie⸗ reichen Gedichte ſind gegen die Verderbtheit des Hofes, der Geiſtlichkeit, ja gegen die Fehltritte ſeines Für⸗ ſten ſelbſt gerichtet, dieſes talentvollen Jünglings, den ſeine Umgebung abſichtlich zu verderben bemüht war, deſſen gutes Naturell aber doch Sieger blieb und die Liebe ſeines Volkes errang, in deſſen Mitte er ſich am wohlſten fühlte. Er war der König der Armen, der gern verkleidet durch ſein Reich zog und die ſonderbarſten Abenteuer erlebte, die er ſelbſt in Balladen beſang.

Sein Enkel Jacob VI., der Sohn Maria Stuart's, der auch den Thron Englands beſtieg, hatte gleich⸗ falls Geſchmack an der Literatur und iſt auch unter den Dichtern zu nennen.

Die Reformation hatte jedoch, weit mehr als in England, alle geſellſchaftlichen Verhältniſſe von Grund aufgewühlt und war von Aufruhr und den erbittertſten Kämpfen begleitet geweſen, die den Volksgeiſt ſo in Anſpruch nahmen, daß an die Pflege der Dichtkunſt nicht gedacht werden konnte. Der Calvinismus, der den Sieg behielt, ächtete Muſik, das Drama, die Heidengötter und der ſonſt ſo heitere Sinn der Schot⸗ ten war düſter. Nur Paraphraſen der Pſalmen, Streit⸗ ſchriften, Kirchengeſchichten gebar jene Zeit. Nur Agitatoren wie John Knox, Theologen wie David Calderwood, Biſchof John Lesley, Erzbiſchof John Spotiswood führten die Feder, Manche ſchrieben ſelbſt wieder in lateiniſcher Sprache, wie Buchanan

und Dr. Arthur Johnſton. Das geiſtliche Lied be⸗X,

baute Alexander Hume, die moraliſche und allegoriſche Dichtungsart Maitland und Alexander Montgomery. Als Jacob VI. auch den Thron Englands beſtiegen und ſelbſt als Gelehrter und Dichter zu glänzen ver⸗ ſuchte, wurden die engliſchen Meiſterwerke bekannter und der Adel Schottlands bahnte eine geiſtige Ver⸗ ſchmelzung an, wie der Graf von Ancrum, von Stirling,

William Drummond von en Hawthornden und Sir Robert Alyton.

Nun rückte aber die Zeit heran, wo die dunken in Gewitterwolken über das Geſchlecht der Sruartsfe-

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