Jahrgang 
1-26 (1867)
Einzelbild herunterladen

fen

3*

Vierte Folge.. 179

Maſt bog ſich es folgte ein eigenthümlicher Ton lende ſtrich über die Dünen, und ſo weit das und mit lautem Gekrach ſtürzte er nebſt Segel menſchliche Auge reichte, fand es nichts als Sand, und Takelage über die linke Bordſeite in's Waſſer, Waſſer und Himmel.

daß er, von den Pardunen gehalten, darin nachſchleppte. Haſt Du jemals den pfeifenden Ton auf den Wären die beiden Männer nicht ſchnell auf die rechte Dünen gehört, geliebter Leſer? In weiter Ferne klingt Seite geſprungen, hätten ſie ihren Tod in den Fluthen er wie eine Aeolsharfe, deren langgezogene Accorde in gefunden. ein wehmuthsvolles Rauſchen und leiſes Geflüſter über

Drehe die Jacht in den Wind und laß den Anker gehen. fallen! ſchrie der Capitän. Das iſt der Wind, welcher durch die Sandhafer⸗

Es geſchah. 3 halme ſtreicht, womit Menſchenhände die Friſche Nehrung

Das Fahrzeug ſtand ſtile e, allein es lag ſchief, bepflanzt, damit ſie nicht von den Fluthen weggeſpült daß es faſt vom Waſſer überſtrömt wurde. werde.

Schnell, ſchnell! brüllte der Capitän mit lauter Sonſt iſt kein Baum, kein Strauch bemerkbar, Stimme,kappe den Maſt, den eine dünne Holzver⸗ aber die See rollt und donnert an die Dünen, das bindung hält, mit ſeiner Takelage und ſtürze Alles Haff rauſcht an den Strand denn von beiden Ge⸗ ins Waſſer, damit uns die Wogen nicht in den wäſſern iſt die Landzunge umſchloſſen.

Grund ſpülen. Kaum ſondert eine helle Nebellinie im Horizont

David ergriff ein Beil, und nach wenigen Augen⸗ das Waſſer vom Himmel, ebenſo verſchwimmt jenſeit blicken war die Arbeit vollendet, denn nach tunzer des Haffes das Feſtland mit ſeinen Waldſtreifen und Zeit ſtürzte der Maſt nebſt Segel und Zubehör in's Höhenzügen in der Luft und dem Himmelsgewölbe.

Waſſer. In der Schenke zu Neukrug einem Fiſcherdorfe Nachdem dieſes geſchehen, ließen Vater und Sohn auf der Friſchen Nehrung ſchlug die große alte die Vorderſegel herunter. Wanduhr Zwölf. Ihre Schnörkel und Arabesken

Litt die Jacht ſonſt noch Schaden? fragte der hatten oft die Jugend in Erſtaunen geſetzt und noch Capitän. 4 mehr ein Engel auf dem Zifferblatte, welcher bei dem

Glaub's nicht, erwiderte David. Auſchlagen der Stundenglocke einem knieenden Chri⸗

Der brüllende Sturm peitſchte den Giſcht der ſtus den Becher reicht. 6 weißſchaumigen Wogen hoch empor der Himmel Ein Caminfeuer von Kieferreiſig erleuchtete die öffnete ſeine Schleuſen hernieder ſtürzte ein brauſen⸗ hohe, geräumige, einfach mit Tiſchen und Bänken der Regen, der ſich mit dem Dampf der Waſſer und meublirte Balkenſtube und die ſechs am Wandgetäfel dem Nebel der dunſtförmigen Atmoſphäre vereinigte hängenden Bilder vom verlornen Sohn. und, im wild bacchantiſchen Tanze von der Windsbraut Am Camine ſitzt ein achtzehnjähriges Mädchen und getrieben, wie ein rieſiges Geſpenſt über den Haffſpiegel ſpinnt. Zu ihren Füßen ſchnurrt ein großer ſchwarzer floh. Jeden Augenblick kreuzte ein hell aufleuchten⸗ Kater.

der Blitz über den bleifarbenen Himmel, hinterher Mitunter dreht ſich das Rad langſamer und der

folgte ein laut tönender Donnerſchlag. Faden ſchlängelt ſich zoͤgernd um die Spule dann Was beginnen wir jetzt? fragte David. ſchläft das Mädchen ein wenig ihr Lockenköpfchen Bleiben vor Anker liegen, bis ſich der Sturm ſinkt auf die Bruſt es nickt es aeine ſich. Nun

ein wenig auskühlt, dann laſſen wir uns nach der kniſtert das Sen im Camin ſie fährt auf

Nehrung oder irgend wohin treiben, damit wir einen raſcher dreht ſich das Rädchen.

Nothmaſt erhalten, ſagte der alte Ton lakoniſch undIch bin müde, flüſtert ſie leiſe vor ſich hin,

ſchob ſich ein großes Stück Kantabak in den Mund. dann ſteht ſie auf.

Schade um die Segel und die Takelage! Es war Margareth, des Krügers jüngſte Tochter,

welche ſich an den Herd ſtellte, um neues Reiſig in's Es war eine furchthare Nacht. Der Wind fegte Feuer zu werfen, damit das im Kochgeſchirr befind⸗ die Wolken vom Himmelsgewölbe, welche wie ein liche Abendbrod für den Vater warm bleibe.

düſterer aufgethürmter Wall im. Nordweſt lagerten. Ihr herrlicher Kopf verdient in einen Rahmen

Hier und da blinkte ein einſamer Stern auf, gefaßt zu werden; er würde keiner Rafael'ſchen Ma⸗ ebenſo ſchaute mitunter die Mondſichel hervor, welche donna Schande machen und viele Porträts unſerer die ganze Gegend auf kurze Zeit erleuchtete. modernen Schönheiten weit hinter ſich laſſen.

War's Sommer oder Winter? Wer vermochte Warum ſollte auch im Dünenſande kein duftiges das zu erkennen, denn eine eiſige Kälte, eine heu⸗ Veilchen blühen?