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172— Novelle am Erſcheinen von Menſchen wie für Vernichtung derſel⸗ ben, nachdem ſie erſchienen ſind, verantwortlich machen.“
In Betreff auf das zweite Werk über die zu⸗ künftige Politik Amerikas zeigt ſich zwar bei Draper daſſelbe aus großer Volkskraft und politiſch⸗ſocialer Macht hervorgehende Selbſtbewußtſein nnd ſtarke Nationalgefühl, wie es auch Emerſon hat; aber wir
n⸗Jeitung.
fühlen auch, daß Draper die Amerika drohenden Ge⸗ fahren eines zu großen Materialismus recht wohl empfindet und die Bildungselemente, welche durch Europa und weſentlich Deutſchland über den Ocean getragen wurden, nicht mit jener Banalität gering⸗ ſchätzt, welche zum politiſchen Tageston der amerika⸗ niſchen Herrſchaftsmänner gehört.
Zeuilleton.
Der ſeltſamſte Tauſchhandel.
Bei der Menge von Reiſeſchilderungen, die jetzt aus allen Ländern erſcheinen und auch den Orient behandeln, jedoch leider im Ganzen mehr Breite, ja oft Gründlichkeit als Friſche und Poeſie haben, dürfte es geeignet ſein, von Zeit zu Zeit auf Beſſeres als Muſter hinzuweiſen. Es bietet dazu Bodenſtedt's Aufenthalt im Morgenlande Gelegenheit. Hier ſind Spannung und Ethnologie ungekünſtelt verbunden, und wir machen auf die neue Gewandung jenes Werkes auf⸗ merkſam, von dem ſchon die frühere ſo anziehend war. Der Verfaſſer erzählt:
Die Zeiten ſind vorüber, wo Kolchis alljährlich ſeinen Tribut von ſchönen Jungfrauen in das Harem des Padiſchah der Gläubigen ſchickte, und ſo lange der Ruſſenkaiſer die Krone von Georgien unter ven hundert Kronen ſeines Reiches wahrt, werden jene Zeiten auch nicht wiederkehren, ſo ſehr die Sunniten auch jammern mögen, daß ihrem Sultan das ſchönſte altherkömmliche Liebesopfer des Beiram, die Dur Gjirdshistanen(die Perle von Georgien) fehlt.
Aber heimlich werden aus den öſtlichen Küſtenländern, und vorzugsweiſe aus Guria, noch immer eine Menge hüb⸗ ſcher Mädchen nach Anatolien hinübergeſchafft, wo ſie auf
ein entſchieden mäunlicher Ausdruck. In Weibern dieſer Art ſpielt die Liebe immer nur eine untergeordnete Rolle. Thamar, die jüngere Schweſter, hatte nicht ſo beſtimmt ſchöne Formen wie Nino; ſie war kleiner und voller von Geſtalt und weniger regelmäßig in ihren⸗Zügen, aber unend⸗ lich weiblicher und liebreizender in ihrem ganzen Weſen. Für den etwas großen Mund entſchädigten die roſigen Lippen und die kerngeſunden, ſchneeweißen Zähne mit ihrem weichen Schmelz. Nackens war von durchſichtiger Reinheit. Sie hatte, w man ſo ſelten vereint findet, himmelblaue Augen mit langen dunkelſeidenen Wimpern und ein glänzendes ſchwarzes Haar. Ich befand mich dieſen beiden ſchönen Weſen gegen⸗
theilers. Mein Herz war anderweitig in Beſchlag genom⸗ men und mein ſterbliches Theil dermaßen vom Gallenfieber geplagt, daß ich für nichts weniger Sinn hatte, als für ver⸗ liebte Abenteuer.
Dazu kam noch, daß es mit meiner Baarſchaft zu Ende ging und ich vor Allem daran denken mußte, baldmöglichſt
Wechſel in Gold zu verwandeln; denn die ganzen Wälder
dem Markt von Trapezunt entweder gleich Liebhaber und on Kolchis entlang hätte mir kein Menſch für einen Wechſel
Käufer, oder doch ſichere Gelegenheit zum Weiterkommen nach! Stambul finden, dem höchſten und letzten Ziel ihrer Wünſche. Von Poti oder St. Nikolaus(den nächſtgelegenen Küſten⸗ plätzen) bis Trapezunt iſt nur ein kleiner Sprung für ruder⸗ kundige Schiffer; eine einzige Nacht genügt, um auf den leichten, ſchnabelförmig zugeſpitzten Kayiks der griechiſchen Küſtenfahrer oder ſelbſt auf kleinen Koſakenbarkaſſen die kurze Meeresſtrecke zu durchſchneiden. Und an ſchmucken Mädchen, welche ſich bereit finden zu der abenteuerlichen Fahrt, fehlt es nie.—
Mein Gaſtfreund in Oſurgethi hatte zwei Töchter, wo⸗ von die ältere Nino, und die zweite, wenn ich nicht irre, Thamar hieß. Beide waren, obwohl in Gehalt und Geſtalt weſentlich verſchieden, ein paar ſo anmuthig gebaute Weſen, daß ſie an Schönheit wetteifern konnten mit den herrlichſten Töchtern der Adighe.
Nino, eine hochgewachſene, ſchlanke Cypreſſengeſtalt, fein von Händen und Füßen, klein von Mund und Ohren, und mit einem dunklen Haarwuchs geſchmückt, üppig und lang ge⸗ nug, um ein⸗Dutzend unerfahrener Männer auf einmal darin zu verſtricken,— es war ein Weib, geboren zum Herrſchen. In den großen, ſchwarzen Augen, den feinen, enganliegenden
von zweihundert Dukaten auch nur zweihundert Kopeken ge⸗ geben. Und eine Geldverlegenheit in unciviliſirten Ländern eines fremden Welttheils gehört nicht zu den geringſten Ver⸗ legenheiten des Lebens.
Gaſtfreundes, denn hübſche Mädchen, wie ein reiner Himmel und duftige Blumen, üben allewege auf Leidende wie Ge⸗ ſunde einen heilſamen Zauber aus.
Und hier möge eine Bemerkung eingeſchaltet werden, die ſich mir oft aufgedrängt hat in den Ländern des Südens, daß man dort ſelbſt bei den Töchtern der ärmſten und nied⸗ rigſten Volßselaſſen niemals jene unbeholfene und eckige Steifheit der Bewegungen findet, wie bei uns. Setzt der geringſten Töchter dieſer Länder eine auf einen Königsthron, und ſie wird in Haltung und Geberde die Königin nicht ver⸗ leugnen. 8
Ich hatte Giorgi, mein dienendes Factotum, beauftragt, einen Käufer für mein Reitpferd zu ſuchen, ein prächtiges Thier, welches mir Fürſt Andronikow geſchenkt hatte. Es kam mir ſchwer an, von dem treuen Thiere zu ſcheiden, das ich lieber als Andenken mit nach Europa genommen hätte, wenn der Transport nicht mit unüberwindlichen Schwierig⸗
Lippen und der leiſe gebogenen, kühn gezeichneten Naſe lag
keiten verknüpft geweſen wäre.
Die Farbe des Geſichts, des vollen Halſes ung a
über gerade in der richtigen Lage eines unparteiiſchen Beur⸗—
nach Odeſſa zu gelangen, um bei Herrn Conſul Bellino einen
Trotzdem hatte ich große Freude an den Töchtern meines
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