170 Novellen
„Zeitung.
Draper iſt Profeſſor der Phyſiologie an der Doch mag die anſcheinende Uebertreibung deſſelben
New⸗Yorker Univerſität und darf in ſeinem Fache für Amerika zu den Capacitäten ſeiner Branche gerechnet werden. Seine poſitiven Kenntniſſe ſind überhaupt vielſeitig und wenn er auch eine ſpecifiſch andere Richtung, als der talentvolle Emerſon einſchlägt, ſo erfreut es doch, in ihm ſowohl wie in Jenem einen von den wenigen Männern zu erblicken, die inmitten des ſpeculativen und materialiſtiſchen Strebens im neuen Amerika das Banner geiſtiger Intereſſen erheben und hochhalten.
Er verfolgt ſeinen Weg, über die Culturgeſchichte Europas zu ſchreiben, in ſeiner eigenen, in gewiſſem Sinne amerikaniſchen Weiſe, denn während wir uns bei einer ſolchen Aufgabe vielleicht zu ſehr von der Theorienwelt der claſſiſchen Bildung durch das philo⸗ ſophiſche und äſthetiſche Medium ablenken und leicht zu idealen Hypotheſen und Gedankenreſultaten führen laſſen, geht er einen mehr ſachlichen Gang, ſucht durch naturaliſtiſche Erklärung der Zuſtände und hiſto⸗ riſchen Großthaten und Unthaten den Nebelſchein des Nimbus hinwegzulöſchen, wägt die Dinge nach ihrer waren Valuta und trifft bei dieſer profanen pietätloſen Behandlung eben ſo oft das Richtige, als er peſſimiſtiſch über daſſelbe hinausgeht. Draper, der bei Erklärung der verſchiedenen Culturreſultate nicht, wie der be⸗ rühmte Buecle, die verſchiedenen Racenbefähigungen zu ſehr überſieht, erſcheint oft als kühner Original⸗ denker und ſeine Ausdrucksweiſe iſt freilich im Engliſchen klarer, als ſich durch dieſe Uebertragung von einem gewiſſen A. Bartels vermuthen läßt, der ungemein oft fehlerhaft, kenntnißlos und in Satzconſtructionen übertragen hat, die nur einem in unſerer Sprache mangel⸗ haft geübten Ausländer verziehen werden könnten.
dazu dienen, dem daraus folgenden phyſiologiſchen Grundſatze Nachdruck zu verleihen, denn nach jenem Grundſatze würde ſich ergeben, daß, wenn das Leben eines Menſchen viele Jahrhunderte verlängert werden könnte und er daſſelbe damit zubrächte, eine Reiſe über die Erde vom Nord- bis zum Südpolarkreiſe zu machen, ſeine Hautfarbe, möchte er auch anfäng⸗ lich vollkommen weiß geweſen ſein, doch der Reihe nach jeglichen Grad von Verdunkelung zurücklegen und er bis dahin, wo er gegen Mitte ſeines Lebens den Aequator erreicht hätte, vollkommen ſchwarz ſein würde. Seine Reiſe fortſetzend, würde ſeine Farbe, je mehr er vorrückte, wieder lichter und nach Erreichung des Südpols abermals ganz hell werden, während alle dieſe Veränderungen ohne den mindeſten Verluſt ſeiner perſönlichen Selbſteigenheit einträten.. Ja auf dieſem ſeinem vorwärtsſchreitenden Gange würde ſich, vor⸗ ausgeſetzt, daß ſeine Lebensweiſe in Bezug auf Nah⸗ rung und Bequemlichkeit der Art geweſen wäre, wie die natürlichen Bedingungen es erforderten, ſelbſt ſein Schädel und damit zugleich ſeine Geiſteskräfte ver⸗ ändern. Die Stirn, bei ſeinem Aufbruche zurückge⸗ bogen, würde, indem er ſich langſam milderen Himmols⸗ ſtrichen näherte, eine Geradebiegung erle Geſichtswinkel ſich verbreitern und ſeinen
zur Zeit ſeines Aufenthaltes in der gemäßigten Zone erreichen, dagegen wieder abnehmen und das Antlitz unedler werden, indem er ſich dem Aequator näherte, wo dann das zurückweichende Anſehen zum zweiten Male einträte. Noch weiter gen Süden ſteuernd, würde der Geſichtswinkel abermals breiter, der Schädel aber⸗ mals gerade werden, die Geiſteskräfte zunehme— dieſer Zuſtand ſeine höchſte Vollendung in der
Im Fall der Genannte ein Deutſcher iſt, ſteht ihm der ſüdlichen gemäßigten Zone erreichen, wora
noch das Vergnügen vieler bevor.
ernſter Sprachſtudien mochmaliges Zurückſinken erfolgen würde, indem er beim Südpolarkreiſe anlangte und doxrt die zurück⸗
In Hinſicht auf die Beziehung, welche das Klima gebogene Stirn zum dritten Mäle einträte. Aber
auf Racenentwickelung und Abänderung hat, und in ſelbſt das i loch nicht Alles, denn weuſ thm 4 Bezug auf die Geſetze, welche die Bevölkerungen ſteigen ſetner Laufbahn Kinder geboren würden, würden 5 und fallen laſſen, möchte ich hier aus dem zweiten dieſelben jegliche Farbenſchattirung und jegliche Schidel⸗ der genannten Werke ein Raiſonnement mittheilen: form aufweiſen, denn dergleichen einmal vorhandene Draper meint:. nnatürliche Eigenthümlichkeiten ſind erblicher Verpflan⸗ Wer die Lehre von der Einheit des R zung fähig. Ich habe geſagt, daß dieſes Bild für 4* inhet 4 enſchen— übertrieben gelten könnte, philoſophiſch aber, dem geſchlechts— d. h. vom Urſprunge deſſelben von Lehrſatze, worauf es ſich bezieht, gemäß iſt es das einem einzigen Urpaare— annimmt, muß Angeſichts nicht, denn was anders als ein ſolches in der Vor⸗ der zahlreichen verſchiedenen Menſchenformen, die jetzt 3. 1 3 über den ganzen Erdball zerſtreut ſind, dem Klima ſtellung verlängertes Einzelleben iſt das Leben einer 1 7 83. 7 4 89 und der Lebensweiſe einen faſt Alles beherrſchenden Race? und was iſt dem unſerer Vorſtellung vor— Einfluß zuſchreiben; der Schluß aber, zu dem er ge— ſchwebenden Reiſenden mehr begegnet, als was der zwungen wird, würde, wenn unumwunden aufgeſtellt, menſchlichen Familie thatſächlich zugeſtoßen iſt? ohne Zweifel nur ſehr widerwillig aufgenommen werden. Wenn dies die Wirkungen ſind, welche ſich für
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