Jahrgang 
1-26 (1867)
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168 Novellen

ſein Begleiter, Doctor Ellis, hatte ſich ſehr verändert, denn die Freundſchaft der beiden Männer war zu groß, als daß der Doctor den Schmerz ſeines Freundes nicht mit getragen hätte. Nur die dritte Perſon, welche Edwards vorher angeredet hatte, iſt uns noch unbekannt. Es war ein großer ſtarker Mann, doch ſein Alter mußte bereits weit vorgeſchritten ſein, denn tiefe Furchen bedeckten ſein gebräuntes Geſicht, welches von einem vollen ſchwarzen Backen⸗ und Knebelbarte umſchattet war. Er trug eine leichte graue Mütze mit einem breiten goldenen Streifen; der linke Arm, welcher ſchlaff, ohne Bewegung herabhing, mußte ein künſtlicher ſein, denn wenn er denſelben gebrauchen wollte, mußte der andere ihn aufheben helfen. Seine Beinkleider waren ebenfalls hellgrau, mit goldener Borde, der alte Herr mußte eine hohe Stellung in der conföderirten Armee bekleidet haben.

Sie waren am Hauſe angelangt, und Doctor Ellis ſprang ſchnell aus dem Wagen. Auch Edwards und der Invalide, welcher nur vermittelſt eines dicken Stockes ſich fortbewegen konnte, verließen den Wagen, und Edwards band die Pferde an den Zaun. Sie traten ins Haus. Da öffnete ſich eine Thüre, und eine ſchwarzgekleidete junge Dame mit blonden Locken und blauen, aber verweinten Augen trat aus einem Zimmer. Sie blickte einen Moment regungslos auf die drei Männer.

General Woodſtock und Sie, Major Edwards, Sie hier? mit dieſem Rufe ſtürzte das bleiche Mädchen in die Arme des alten Herrn.O mein theurer Freund, mein Vater, welch' ein Wiederſehen! wie hat uns das Schickſal geprüft! Ihr Haus iſt ver⸗ ödet, und ach, auch das meinige... und das Mäd⸗ chen weinte heftig.

Ja, Gottes Fügungen ſind wunderbar! ſagte Edwards ſchmerzbewegt.Fräulein Emilie, wer hätte das vorhergeſagt?

Kommt, Kinder, laßt uns eintreten, ſagte der alte General, der Vater Helena's.Wir haben ja alle ſo ſchwer gelitten; lieber Albert, Du biſt mein einziger Troſt!

Sie traten in das Zimmer. Emilie Harper, das einſt ſo blühende friſche Mädchen, konnte nur weinend der Leiden gedenken, welche ihr widerfahren waren. Beide Brüder waren Opfer des Krieges geworden, beide ruhten auf dem Schlachtfelde. Der Vater konnte dieſe Schickſalsſchläge nicht ertragen, und wenige Wochen ſpäter ſtand Emilie an ſeinem Sarge. Jetzt war ſie allein in dem großen öden Hauſe, ſie hatte keinen Freund, welchem ſie ihren Schmerz klagen, keine Seele, welcher ſie vertrauen konnte, ſie ſtand ſo ganz allein in der weiten Welt. Ach, welch ein Zuſamentreffen,

Zeitung. g

auch das Haus des Generals Woodſtock war verödet! Als die ſüdliche Armee die Waffen geſtreckt hatte, kehrte der jetzt zum General avancirte Obriſt in ſeine Heimath zurück. Den linken Arm hatte er in, einer Schlacht verloren, mehrere Wunden bedeckten ſeinen Körper; er kehrte zurück und fand in ſeinem Hauſe Niemand. Die Gattin war im Gefängniß geſtorben, die blühende Tochter hatte ſich vergiftet, der Sohn lag längſt todt in fremder Erde und auch er, der alte verkrüppelte Mann, ſollte keinen Troſt finden! Da zog es ihn fort zu dem Geliebten ſeiner unglücklichen Tochter, hatte doch auch er dieſes edle Herz geliebt. Der General fand ihn, und fühlte ſich glücklich ihn Sohn nennen zu dürfen.

So hatten denn beide dieſe Reiſe zu Emilie unternommen, nicht ahnend, daß ſie auch in dieſem Hauſe nur Unglück finden würden. Doctor Ellis hatte ſich ihnen angeſchloſſen. Ihr Aufenthalt verlängerte ſich von Tage zu Tage, ſie hatten ſich vorgenommen, am nächſten Tage wieder abzureiſen, allein Edwards feſſelte etwas an die Schwelle dieſes Hauſes. Waren auch die Wunden, welche Helena ſeinem Herzen ge⸗ ſchlagen hatte, noch nicht völlig geheilt, ſo hatten die Jahre ſeinen Schmerz doch etwas gelindert, er konnte ſein Unglück gefaßt ertragen. Jetzt ſah er Emilie, und Erinnerungen aus vergangenen Tagen tauchten wieder auf. zurückzugeben, vereint ja doch ſo oft ein gegenſeitiger tiefer Schmerz zwei Herzen. Und er fand ſeine Ruhe in Emiliens Gegenwart wieder, denn auch ſie hatte ihre Liebe nie verleugnen können. Still, aber mit innerer Zufriedenheit traten ſie eines Tages als Ver⸗ lobte vor den alten General, welcher den heiligen Bund ſegnete.

Noch einmal folge uns der freundliche Leſer zu der Plantage des General Woodſtock. Emilie und die drei Männer ſind ſoeben angelangt. Der alte Herr ergriff die Hand Edwards' und zog ihn mit ſich fort.Wir kommen ſogleich wieder zu euch! ſagte er den Zurückbleibenden. Bei einer kleinen Laube von wilden Roſen blieben ſie ſtehen. Nachdem der alte General ſich eine Thräne aus den Augen geyiſcht hatte, traten ſie ein. Ein reich mit Blumen ver⸗ zierter Grabhügel wurde ſichtbar, und auf einem kleinen einfachen Kreuze ſtanden die Worte:Hier ruht Helena Woodſtock, ſie ſtarb für ihr Vaterland, ſie ſtarb für ihre Liebe!.

Edwards ſchluchzte laut und betete für die Seele des ihm einſt ſo theuren Weſens. Es war dieſes dieſelbe Laube, wo er einſt Helena das Geſtändniß ſeiner Liebe ablegte.

Die beiden Männer kehrten ſchweigend zurück.

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Vielleicht vermochte ſie, ihm die Ruhe des Lebens

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Edr und me

zei ta ar da eil lic

= S= G====

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