Jahrgang 
1-26 (1867)
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Viierte Folge.

Ein lauter Schrei unterbrach hier den Redenden. Zur Thüre herein ſtürzte, ſich wüthend Fegen die Wachen vertheidigend, die ſchöne Helem, mit aufge⸗ löſten Haaren und bleichen entſtellten Zügen.

Haltet ein! rief ſie,haltet ein! Er iſt un⸗ ſchuldig!

Sie ergriff die Hand des ernſten Officiers.Be⸗ gehet keinen Mord, er iſt unſchuldig ich bin die Schuldige. Ich liebte ihn ſo heiß, doch auch mein Vaterland, ich benutzte ſeine Liebe, um meinem Vater⸗ lande zu helfen; Major Edwards hat nichts von der Verſchwörung gewußt, er kannte den verborgenen In⸗ halt des einen Schuhes nicht, ich gebrauchte ihn zum Werkzeug unſerer Pläne. Albert, verzeihe mir, ich liebe Dich noch, aber kann keine Gegenliebe erwarten! O Albert, verzeihe mir! rief ſie leidenſchaftlich,ich war grauſam, mit Deinen heiligſten Gefühlen zu ſpielen,

doch Gott hat mich geſtraft, durch meine Liebe zu

Dir, verzeihe mir! Sie ſank, ermattet von dieſer Aufregung, zu Boden, aber Edwards hatte ſie ſchon in ſeine Arme aufgefangen, und ließ Helena ſanft auf einen Stuhl nieder.Ich verzeihe Dir, Helena, ich hatte es bereits gethan! dieſes waren ſeine einzigen Worte, welche er ihr ſagte.

Die Gerichtsverhandlungen, durch dieſen uner⸗ warteten Zwiſchenfall unterbrochen, wurden jetzt wieder aufgenommen, und in Anbetracht dieſer Ausſage He⸗ lena's wurde Edwards ſofort einſtimmig freigeſprochen. Im Triumph wurde er, von ſeinen Cameraden be gleitet, zum General geführt, welcher ihn gerührt in ſeine Arme ſchloß. Doch ſein Lebensmuth war ge⸗ brochen; daß Helena, welche er ſo heiß geliebt hatte, ihn verrathen konnte, ſeine Liebe heuchelnd erwiderte,

Keß ihn faſt verzweifeln. Schon am folgenden Tage

hielt er um ſeinen Abſchied an, welcher ihm ſofort bewilligt wurde. Niedergeſchlagen, mit wundem Herzen kehrte er in ſeine Heimath zurück. Doch die rauſchen⸗ den Freuden, welche ihn im Vaterhauſe empfingen, regten nur von Neuem ſeinen Schmerz auf; er verließ daſſelbe und bewohnte, allein, zurückgezogen von allen Menſchen, eine einſame Farm im Staate Maſſachuſetts.

Und Helena? Nach dem Geſtändniſſe, welches den Major vom Tode rettete, wurde ſie in ihren Kerker zurückgeführt. Der General ſchickte die Proceß⸗ acten und Documente nach Wafhington, um die Klage gegen Helena und ihre Mutter bei den höchſten Ge⸗ richten einzuleiten. Aber Helena ging getröſtet in den Kerker; kein Wort, keine Klage kam über ihre Lippen, nur zuweilen, wenn ſie gedankenvoll den Kopf geſtützt zur Erde ſtarrte, murmelten ihre Lippen: Er hat mir verziehen, er lebt. Und eines Tages, als der Gefangenwärter ihre Zelle betrat, lag ſie ent⸗

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ſeelt im Bette, ſie hatte Gift genommen, welches ſie immer bei ſich führte, und die letzten Worte, welche ſie einem Stückchen Papier anvertraut hatte, lauteten: Er hat mir verziehen, mir iſt das Leben eine Qual, denn ich liebe ihn noch!

Ihre Mutter wurde nach ſtattgefundener Unter⸗ ſuchung zu lebenslänglicher Haft in Fort Lafayette ver⸗ urtheilt, allein ſie ſtarb ſchon im zweiten Jahre ihrer Gefangenſchaft.

Drei Jahre waren vergangen. Der Friede war wiederhergeſtellt, und der von der Kriegsfurie ſo hart bedrängte Süden konnte wieder frei aufathmen. Der Staat Virginien glich von Nord bis Süd einem großen Kirchhofe im wahren Sinne des Wortes, die größten Schlachten waren hier geſchlagen, und hier mußte es den ſecedirten Staaten zur Gewißheit werden, daß die alte Union noch nicht getheilt war. Die meiſten Plantagen waren zerſtört, größtentheils nieder⸗ gebrannt, die Umgebung Waſhingtons glich einer un⸗ abſehbaren Wüſte, hohes Gras und Unkraut wucherten an Stelle der frühern bebauten Felder und Gärten, und nur wenige der in der Nähe befindlichen Farmen hatte der Krieg verſchont. Unter den letztern, glück⸗ lich der Zerſtörung entgangenen Häuſern erblickte man links von der Chauſſee, welche nach der Hauptſtadt führt, ein anſehnliches Gebäude, von einem hohen Zaun umgeben. Auch hier waren die Felder unbebaut, Ueberreſte von halbverkohltem Holze, Stangen und gefällten Bäumen bewieſen, daß Soldaten dieſe Felder als Lagerplätze benutzt hatten, Gräben und tiefe Rinnen durchzogen das ganze Land, und nur an der vorderen Seite des übrigens geſchmackvoll gebauten Hauſes waren einige Anlagen von Blumenbeeten ſichtbar. Einige Neger hüteten Kühe und Pferde auf den Fel⸗ dern, ein Beweis, daß der Beſitzer der Plantage noch nicht Alles verloren hatte, und daß das Haus bewohnt war, erkannte man an den die Fenſter ſchmückenden Gardinen.

Es war an einem hellen Maitage des Jahres 1865, als ein leichtes Wägelchen im Trabe von der Hauptſtadt abfuhr und einen Richtweg nach der bezeich⸗ neten Plantage einſchlug. Die drei Perſonen, welche in dem Wagen ſaßen, ſprachen faſt kein Wort, als ſie die blutgetränkten Felder paſſirten; nur als ſie die Farm, welche das Ziel ihrer Fahrt zu ſein ſchien, er⸗ blickten, richtete ſich der eine empor und ſagte:Bald ſind wir angelangt; Muth, mein junger Freund!

Der Angeredete iſt uns wohl bekannt. Wenn auch Unglück und Trübſal ſeine Züge um viele Jahre veraltet haben, ſo konnte man doch die edle Geſtalt des frühern Major Edwards wiedererkennen. Auch