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Officiere in voller Uniform um einen langen Tiſch, an deſſen unterſtem Ende ein kleines. Pult angebracht war, bedeckt mit einer Menge Schriften und Papieren. Innerhalb der großen Thüre ſtanden zwei Poſten mit gekreuzten Bajonneten, eine feierliche Stille ruhte über der ganzen Verſammlung, nur der Officier an dem kleinen Pult ſchrieb emſig und das Knarren ſeiner Feder war das einzige Geräuſch im Zimmer.— Es war dies das Kriegsgericht, welches der General zur Vernehmung des Major Edwards zuſammen gerufen hatte.
Endlich hatte der Officier beendigt, legte die Feder bei Seite und berichtete dem präſidirenden Officier des Gerichts.
„Man führe den Angeklagten vor!“ rief dieſer laut der Ordonnanz zu, welche ſofort hinauseilte.—
Es war ein feierlicher Augenblick, als Edwards in den Saal trat und die Verſammlung ehrfurchts⸗ voll begrüßte. Sein bleiches Geſicht und die zuſammen⸗ gepreßten Lippen verriethen den Seelenſchmerz, welcher in ſeinem Innern tobte, doch ſeine hohe ſchöne Stirne ſchaute voll Adel, ſich keiner Schuld bewußt, auf ſeine Richter herab. Er hatte Helena aufrichtig geliebt, und ſie hatte ihn verrathen, allein er war deshalb kein Verräther geworden. Mit Ruhe und Ueber⸗ legung beantwortete er ſämmtliche ihm vorgelegte Fragen, ſelbſt als ihm Helena entgegengeſtellt wurde,
um ihr Bekenntniß abzulegen, verließ ihn die Ruhe
nicht, und er blickte ſie nur ſtolz an. Sie wich ſeinen Blicken aus und beantwortete keine Frage, ſo wie auch ihre Mutter.— Die Verhandlungen wurden geſchloſſen, alles zeugte wider Edwards. Und als ihn am Ende der inquirirende Officier aufforderte, etwas zu ſeiner Vertheidigung zu ſagen, riß er ſeine Uniform auf, zeigte der Verſammlung die nackte Bruſt, und auf die vernarbte Wunde deutend, rief er mit edler feſter Stimme:„Bin ich noch ein Verräther?“ Die Mit⸗ glieder des Kriegsgerichts waren tief ergriffen, allein er hatte keinen Zeugen ſeiner Unſchuld, als die eigne Perſon, alles ſprach dafür, daß er um die Verſchwö⸗ rung gewußt habe, man mußte der Gerechtigkeit ihren Lauf laſſen. Das Kriegsgericht wurde aufgehoben, um am nächſten Tage das Urtheil zu ſprechen. Verworrene Gerüchte liefen während des ganzen Tages unter dem Officiercorps und den Einwohnern der Stadt. Man ſprach offen das Urtheil über den unglücklichen Edwards aus, das Gericht ſollte ſich geeinigt haben, er war verloren.„Der arme Edwards!“ ſagten ſeine Freunde,„hier ſieht man, wohin die Liebe den Menſchen führen kann!“„Das hätten wir nicht
Novellen⸗ zeiing.
Es konnte Helena die allgemeine Stimmung nicht entgehen. Sie fragte ihren Kerkermeiſter, einen alten Soldaten, nach dem Major, nach dem Urtheile!— Dieſer ſchwieg, und zuckte nur die Achſeln.—„So wird er ſterben müſſen!“ rief ſie in höchſter Aufregung, „doch nein, er ſoll nicht ſterben!“ Und laut weinend verbarg ſie ihr Geſicht.
Am folgenden Tage, um dieſelbe Stunde waren die Richter wieder verſammelt. Schweigend nahmen die Officiere ihre Plätze ein; ein jeder fühlte den Ernſt der Stunde. Eine große Menge Officiere und Sol⸗ daten waren im Vorſaale verſammelt, und die dort auf⸗ geſtellten Wachen hatten Mühe, die Soldaten, welche zu lauſchen verſuchten, von der Thüre abzuhalten.—
Edwards wurde wieder hereingeführt. Sein Geſicht war noch bleicher als geſtern, und ſeine Lippen zuckten häufig ſchmerzhaft zuſammen. Aber mit dem⸗ ſelben Stolze, welchen er geſtern ſchon bewieſen hatte, trat er auch heute vor die Richter, vielleicht noch gefaßter. Er war ſich ſeiner Unſchuld bewußt. Seine Augen glitten ruhig über die ganze Verſammlung, und mit Würde muſterte er die einzelnen Mitglieder des Gerichts. Der Protokollführer las ihm noch einmal mit lauter Stimme die Anklage vor, welche auf„Hochverrath“ lautete. Sämmtliche Zeugenaus⸗
ſagen, ſeine Bekanntſchaft mit der Famitte, Be⸗
ſorgung der Schuhe und die abgegebenen Briefe be⸗ treffend, wurden wiederholt, in jeder neuen erkannte Edwards ſein Urtheil. Nur eins konnte ihn retten, aber er verwarf dieſen Gedauken, denn Helena hatte ja nicht geantwortet.—
Der Officier war zu Ende. Noch einmal erhob ſich der Präſident und wünſchte ſeine Vertheidigung“ zu hören. Doch Edwards konnte nur ſagen:„Ich bin unſchuldig, begehet keinen Mord!“ Dann wurde er wieder abgeführt.
Nach Verlauf einer Stunde trat der Angeklagte wieder ein. Das ganze Kriegsgericht hatte ſich er⸗ hoben und die ernſten Mienen ſeiner Richter zeigten ihm, daß ſein Urtheil gefällt war. Er wollte es ruhig und gefaßt vernehmen. 4
„Major Albert Edwards,“ begann der Präͤſident des Gerichts mit feierlicher Stimme,„Ihr ſeid an⸗ geklagt, Hochverrath an der Perſon des Präſident Lincoln und an den vereinigten Staaten von Amerika begangen zu haben. Das Kriegsgericht, eingeſetzt durch einen ordnungsmäßigen Befehl des comman⸗ direnden Generals, hat Euch nach genauer Prüfung aller Zeugenausſagen dieſes Verbrechens ſchuldig be⸗ funden, und daſſelbe verurtheilt Euch daher, nachdem
geglaubt,“ ſagten die Soldaten, denn der Major war alle Mitglieder des hohen Gerichts ſich geeiniget
überall als pflichtgetreuer Officier bekannt.
haben, zum To—“.
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