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hängen laſſen, er ſollte als Zeuge bei dem demnächſt ſtattzufindenden Kriegsgerichte auftreten.„Ich werde der Sache ſchon auf den Grund kommen,“ rief er dem Adjutanten zu, als dieſer mit einem Detachement Soldaten abmarſchirte, um denſelben als Piquets in der Nähe der Woodſtockſchen Plantage zu vertheilen.
Die Zeit von Edwards' Urlaub war abgelaufen und man erwartete ihn ſtündlich im Hauptquartier. Viele verdächtige Perſonen waren inzwiſchen verhaf⸗ tet worden, jedoch hatte Niemand außer dem General und ſein Adjutant hiervon Kunde. Die Piquets waren vollſtändig iſolirt und wurden, um nichts ver⸗ rathen zu können, während dieſer Zeit nicht abgelöſt und der General hatte Todesſtrafe auf das Verlaſſen eines Poſtens geſetzt.
Endlich traf Edwards wieder ein und zwar mit der Eile, welche nur ein Verlobter haben kann, um ſeine ihn erwartende Braut wiederzuſehen. Munter im Galopp ſprengte er vor das Hauptquartier, und meldete dem General ſeine Rückkunft. Es konnte dem lebensluſtigen Officier, deſſen Gedanken nur bei der Geliebten waren, nicht auffallen, daß der General ihn ſtets ſcharf fixirte.
„Nun, lieber Major, wie hat Ihnen die kurze Erholungsreiſe gefallen?“ fragte der General freundlich, indem er ihm die Hand reichte.
„Sehr gut, mein General,“ erwiderte Edwards luſtig,„allein hätte nicht Doctor Ellis mich zurück⸗ gehalten, ich wäre ſchon ſeit einigen Tagen zurück.“
„Glaub' es wohl, Ihre Braut wird ſich unendlich freuen, Sie wiederzuſehen. Ich hätte den Damen in Ihrer Abweſenheit einen Beſuch gemacht, wenn mich nicht Geſchäfte verhindert hätten, Sie müſſen mich bei den Damen in Schutz nehmen.“
„Gewiß, Herr General! Sie werden doch auch auf meiner Hochzeit uns mit Ihrer Gegenwart beehren?“
Der General zuckte mit den Achſeln.„Wenn nichts dazwiſchen kommt, gewiß,“ ſagte er mit ſcharfer Betonung.„Aber um auf Ihre Reiſe zurückzukommen, Sie haben natürlich Ihrer Braut ein ſchönes Geſchenk mitgebracht, ich kenne das, ſo ein Verliebter giebt, wenn es ſein muß, ſein Leben her.“
„Gut, mein General, daß Sie mich an etwas erinnern!“ rief Edwards lachend.„Denken Sie ſich die Laune meiner Braut; alle meine Anerbietungen, welche ich ihr beim Antritt meiner Reiſe machte, weiſt ſie entſchieden zurück und verlangt als Geſchenk nur — mein General, es iſt zum Lachen— ſie verlangt ein Paar alte Schuhe von ihrer Tante!“
Ein ſchreckhaftes Zittern überflog ſchnell das An⸗ geſicht des Generals bei dieſen Worten.„Unglück⸗ licher, ſo iſt es doch wahr!“ murmelte er leiſe. Doch
Novellen⸗
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Jeitung.
ſchnell hatte er ſich gefaßt.„Wirklich ein eigenthüm⸗ liches Geſchenk,“ ſagte er, indem er ſich erhob,„eine Laune Ihrer Braut, ſagen Sie!— Doch vielleicht wollte ſie den zukünftigen Gemahl auf die Prvbe ſtellen, denn gerade bei ſolchen Kleinigkeiten prüft man gern die wahre Liebe. Allein, Herr Major, ich ſehe, Sie haben keine Ruhe mehr, Ihr Herz verlangt nach der ſchönen Helena, eilen Sie denn, am Abend werden Sie noch einmal von mir hören!“
Auch dieſe letzten Worte hatte der General kalt und ſarkaſtiſch geſprochen. Dem Major war das eigenthümliche Benehmen ſeines Vorgeſetzten nicht ent⸗ gangen, allein er konnte und wollte auch den Sinn der⸗ ſelben nicht verſtehen. Er verabſchiedete ſich ſchnell, und beſtieg ſein Pferd.
„Und wann werde ich meinen Dienſt bei Ihnen wieder antreten dürfen?“ fragte er noch zögernd den General, abging.
„Ich weiß es nicht, lieber Major,“ antwortete derſelbe,„vielleicht finde ich eine andere Verwendung für Sie im Stabe, doch wir werden ſehen!“
Edwards ſprengte grüßend davon. Die Unter⸗ haltung mit dem General hatte ihn etwas verſtimmt, es war ihm Vieles als ſonderbar in derſelben auf⸗ gefallen, allein er dachte nicht ferner darand Schon erblickte er das Haus ſeiner Geliebten, ſie ſtand ſchon in der Thüre und eilte ihm freudig entgegen. Das ſchaumbedeckte Pferd fühlte die Sporen ſeines Rei⸗ ters, mit freudigem Ruf ſprengte er in den Hof,
wenige Secunden und er lag in den Armen ſeiner ge⸗,
liebten Braut.
Mit freudigem Entzücken nahm ſie das Packet, welches die Schuhe enthielt. und zeigte Edwards die reich mit Gold durchwirkten Schuhe. Sie dankte dem Geliebten, daß er ihren höchſten Wunſch erfüllt hatte.„Unſer Loos iſt jetzt entſchieden, ich folge Dir ewig!“
Auch Helena's Mutter theilte die Freude des Wiederſehens. Sie nahm die Schuhe, betrachtete die⸗ ſelben ſorgfältig und verbarg ſie dann in einem Schrank, deſſen Schlüſſel ſie abzog.
Am Abend ſaßen die Wiedervekeinten um den traulichen Familientiſch, welcher zur Feier von Ed⸗ wards' Rückkehr heute mit den herrlichſten Weinen und Leckerbiſſen bedeckt war. Mit Vergnügen lauſchte Helena den Erzählungen des Zurückgekehrten, und nachdem das Souper abgetragen war, öffnete ſie das Piano und ſang mit ihrer hellen Stimme das„Hail Columbia!“ Edwards begleitete den Geſang mit ſeiner tiefen männlichen Stimme, und ſelbſt die Mutter hatte ihr Buch bei Seite gelegt und verfolgte die herrlichen
welcher im Garten nachdenkend auf⸗- und
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Sie öffnete daſſelbe,—
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