— ſtechenden Augen, eine tiefe
Vierte Solge. 163
Und die Braut ſchlich auf ihre Kammer, verbarg das glühende Geſicht in die Kiſſen und weinte heftig. Einige Tage nach dieſem Ereigniſſe herrſchte im Hauptquartier des commandirenden Generals eine
„Nun, Adjutant! Was denken Sie davon?— Nicht wahr, ein Plan, ſchwarz wie die Nacht?— Alſo die bewußten Schuhe verlangen die Schufte von den Woodſtocks!— Man wundert ſich ſehr, ſchon
ungeheure Aufregung.— Adjntanten und Aide- de- ſeit Monaten keine Berichte mehr erhalten zu haben! Camp liefen aus und ein, ſtarke Detachements ſam— Ha, ha, meine Soldaten haben das wohl verhindert melten ſich vor dem Hauſe und berittene Ordonnanzen ich will den Verräthern das Handwerk legen!— So
ſprengten nach allen Richtungen davon. Soeben war eine Abtheilung Cavallerie, welche als Patrouille in der Vorpoſtenkette gedient hatte, angelangt und der den Trupp commandirende Officier übergab dem Ad⸗
jutanten einen wild ausſehenden Menſchen mit auf dem Rücken zuſammengebundenen Händen. Er trug die graue Uniform der conföderirten Armee, ein grauer Mantel mit hellblauem Fntter umgab dieſelbe, und konnte auf beiden Seiten getragen werden, je nach⸗ dem die Nothwendigkeit es erheiſchte. Aus den Piſtolenhalftern, welche auf beiden Seiten ſeines Pferdes ſich befanden, ſchauten ein paar lange ſechs⸗
läufige Armeerevolver, eine lange Doppelflinte war
ihm bereits bei ſeiner Arretirung abgenommen, und auch der ſcharfe Dolch, welchen der Officier an ſich genommen hatte, bewies, daß der Gefangene ein wilder gefährlicher Burſche ſei. Das lange ſtruppige Haar, welches wild herabhing, bedeckte faſt die kleinen
Wange, noch friſch und kaum verbunden, war unver⸗ kennbar ein Beweis von der hartnäckigen Gegenwehr, und die ihn begleiteten Cavalleriſten konnten nicht genug die Kühnheit und Bravour ihres Gegners be⸗ loben. Der Burſche wurde der Wache übergeben, und der Adjutant begab ſich mit dem Officier in das Zimmer des Generals, wo letzterer die Meldung deſ⸗ ſelben entgegennahm.
8 Der Spion hatte verſucht, ſich durch die Unions⸗ linien zu ſchleichen, wurde aber bei dieſem Unter⸗ nehmen bemerkt und nach einer verzweifelten Gegen⸗ wehr von der Patrouille gefangen genommen. Er habe ſeinen Namen als William Bunting angegeben und verſucht, eine Brieftaſche von ſich zu werfen, die⸗ ſelbe ſei jedoch von ſeinen Leuten entdeckt. Der Officier übergab hierauf dem General eine große lederne Brieftaſche, welche dieſer mit einiger Haſt öffnete.
Ein Ausruf des höchſten Erſtaunens entfuhr dem General, nachdem er kaum angefangen hatte, ſämmt⸗ liche in der Brieftaſche verborgenen Papiere gehörig zu muſtern.„Verdammt!“ rief er, und ſchleuderte
die Papiere wild auf den Tiſch.„Leſen Sie, Adjutant! Es iſt gut, Herr Lieutenant, halten Sie den Kerl feſt!“
Der Officier entfernte ſich, und der General ver⸗ ſchloß darauf ſelbſt die Thüre ſeines Zimmers.
Schmarre über der rechten
leſen Sie doch, Adjutant!— Die Schufte gehen mit dem hölliſchen Plane um, Präſident Lincoln zu ermor⸗ den, Waſhington einzuäſchern, und die Verſchwörung iſt wahrhaftig weit genug gediehen, in Waſhington ſelbſt und hier unter meinen Augen. Und dieſe Familie Woodſtock, dieſe-loyalen⸗ Rebellen ſpielen hier die erſten Rollen!— Bravo, Fräulein Helena, gut ge⸗ ſpielt! Armer Major, wie wirſt Du Dich wundern, wenn Dich die ſchöne Braut, anſtatt im Hochzeits⸗ ſchmucke, im Kerker empfängt!“
„Sollte vielleicht die Reiſe des Herrn Major nach Waſhington mit dieſem Plane in Verbindung Sſtehen?“ fragte zögernd der Adjutant, indem er be⸗ deutungsvoll die Stirne in Falten legte.
„Nein, das glaube ich nicht! Nein, das kann nicht ſein!“ ſagte der General ſchnell,„Major Ed⸗ wards?— indeſſen— wer weiß, wir wollen bis zu der Rückkunft des Majors nichts Beſonderes unter⸗ nehmen. Laſſen Sie vorläufig das Haus der Wood⸗ ſtocks ſcharf bewachen, alles Verdächtige aufgreifen, jedoch ſehr vorſichtig, damit die ſchönen Damen vor der Zeit nichts wittern— elende Menſchen!“
Der Adjutant entfernte ſich eilends und der Ge⸗ neral war allein im Zimmer.
„Edwards, Unglücklicher, was haſt Du gethan! Du ein Verräther! doch nein, ich kann es nicht glauben, es iſt unmöglich!— Aber ich will Licht haben— Or⸗ donnanz!“ rief der General laut, indem er die Thüre öffnete,„führt mir den Kerl herein!“
Der Spion trat ein, gefolgt von einer ſtarken Wache. Ein unheimliches Feuer blitzte aus ſeinen kleinen Augen.
„Wer gab Dir dieſes Schreiben?“ fragte ihn der General.
Keine Antwort erfolgte.
„Kerl, weißt Du, daß Du in einer Stunde am Galgen hängſt, wenn ich befehle?“
„Ich weiß es.“
„So antworte! Wer ſchickte Dich?“
„Ich antworte nicht, General!“ entgegnete der Spion mit feſter Stimme,„denn ich muß doch ſterben.“
Der General ging wüthend im Zimmer auf und ab, ſeine Fauſt ballte ſich, allein der Spion antwor⸗ tete auf keine weitern Fragen. Der General befahl⸗ denſelben wieder abzuführen, er wollte ihn noch nicht


