Jahrgang 
1-26 (1867)
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Sie war ſiebenzehn Jahr alt und einige Wochen ſpäter zeigte ſie ſich an einem Auguſttage als Braut gekleidet, am Arme eines jungen blonden Mannes, welcher Admirals⸗ Uniform trug, vor der zuſammengedrängten Menſchenmaſſe auf dem Balcon des königlichen Palaſtes in Brüſſel.

Es war der öſterreichiſche Gouverneur von Italien, der Erzherzog Maximilian, der Bruder des Kaiſers von Oeſter⸗ reich, der künftige Kaiſer von Mexico.

Drei Tage ſpäter verließ die junge Erzherzogin ihr Ge⸗ burtsland auf immer.

Denkt ſie wohl mit Bedauern an daſſelbe?

Vielleicht wird man in dieſem erſten Theile des Lebens der Kaiſerin Charlotte nur die Geſchichte jedes jungen Mäd⸗ chens ſehen, das ohne Mutter, ohne Freundin erzogen undin der Langeweile erwachſen iſt, was gar nicht ſelten iſt. In dieſen Fällen iſt es auch immer die Verheirathung, welche ſie be⸗

he ulle junge Mädchen ohne Ausnahme lieben; ig löſcht die ganze traurige Vergangenheit un für die zuerſt Gekommene wahr ſein, für

aus. Das kaß die Tochter des Königs von Belgien war es anders. Bei ihr wät neben dem jungen Mädchen die Prinzeſſin

groß geworden und die Prinzeſſin war größer geworden als das Kind. Neben dem Lächeln einer Mutter würde das ganz anders geweſen ſein und die große Einfachheit, welche jene charakteriſirte, welche der Prinzeſſin Charlotte zu früh ent⸗ riſſen wurde würde auch die ſchönſte Erbſchaft dieſes könig⸗ lichen Kindes geweſen ſein.

Hätte ſie ſich öfter von einem geliebten Mundemeine Tochter, als von gleichgültigen StimmenPrinzeſſin rufen hören, ſo hätte ſie vielleicht dieſen Titel vergeſſen, der ſtets nur der einzige war, auf den ſie antwortete. Sie wäre dann vielleicht wie Andere geweſen, welche vor Allem in die Ehe den Wunſch mitbringen, endlich eine Familie zu haben. Ueberdies war ihre Vermählung das geweſen, was die Ver⸗ mählungen in den ſouverainen Familien ſtets ſind: die Ver⸗ einigung zweier Perſonen, die ſich kaum kennen. Und ſo vermählte ſich der Erzherzog Maximilian mit einer Prinzeſſin, welche, ehe ſie ſich nach einer Familie ſehnte, einen Thron wünſchte.

Und dennoch hätte ſie noch glücklich ſein köͤnnen! Hätte die Vorſehung ihr ein Kind bewilligt, ihr, welche die Fami⸗ lienfreuden nie gekannt hatte, würde ſie dann für dieſes kleine Weſen nicht Alles aufgeopfert haben? Würde ſie ſich dann nicht in der Ferne verborgen und ihren Gatten fern von dieſem Leben ſieberhafter und ſich unaufhörlich er⸗ neuender Aufregungen mit ſich fortgezogen haben? Würde ſie dann nicht das Schloß Miramar weit mehr geliebt haben, das ſie immer verabſcheute, weil es immer nur Zeuge ihrer Langenweile war; würde ſie es nicht vielmehr geliebt haben, wenn ſie in dem beſchränkten Parke, der ihr immer noch viel zu groß erſchien, weil ſie bei jedem Schritte nur Verdruß da⸗ rin fand, zwei oder drei roſige Kinder hätte ſpielen und ſich herumtummeln ſehen?

Aber dieſes Glück war ihr nicht beſtimmt. Es giebt Naturen, deren Geſchick im voraus beſtimmt iſt; ſie ſollte bis zum Ende zeigen, was das Exil der Familie über eine Frau vermag, welche der Zufall der Geburt mit Wohlthaten über⸗ häuft hat.

Sie kam alſo in Mailand an. Ihr ganzes Leben war verändert. Sie ſahnſich als Gemahlin eines einſichtsvollen,

braven Mannes von einer künſtleriſchen Natur; Alles a ihm war für ſie neu und dann war ſie ihre eigene Herr

Novellen⸗Jeitung.

denn ihr Gemahl war für ſie ſo gut und zuvorkommend, daß er ſeine ganze Kraft anſtrengte, um die Kette, die ihn an ſeine Lebensgefährtin feſſelte, allein zu tragen, welche die Laſt der⸗ ſelben nie fühlte.

Die Prinzeſſin konnte ſich für eine abſolute Souveränin halten und ſie hielt ſich dafür, bis der Kaiſer 1859 ſeinen Bruder ſeiner Stelle entſetzte, der ſich nach Miramar zurück⸗ zog.

Dort wohnte ſie dem großen italieniſchen Drama bei. Dort empfing ſie jeden Tag Nachrichten von der Königin von Neapel, welche widerſtand, wie zu widerſtehen ſie gewünſcht haben würde, und welche die Kugeln um ſich herfliegen ſah, während die Erzherzogin nichts weiter erblickte als die un⸗ endliche Leere, die ſich über das adriatiſche Meer ausdehnte.

Sie würde Widerſtand geleiſtet haben, aber ſie ver⸗ mochte es nicht; ihr Gemahl war nicht Gebieter. Er ſtand nur im zweiten Range, wie es mit ihr in Belgien immer der Fall geweſen war..

Eines Tages endlich ſtrahlte ihr Geſicht vor Glück: die mexicaniſche kaiſerliche Flagge wehte hoch. Sie war Kaiſerin! Sie hatte den Ruf mit Freude angenommen und reiſte eben ſo ab....

A

Jetzt giebt es in demſelben Schloſſe Miramar, an deſſen Fuße ſich die blauen Wogen brechen und das die Klagen der Winterſtürme hört, eine arme Kranke, welche Hunger leidet und doch jede Nahrung zurückweiſt..

Es iſt die letzte Enkeltochter Heinrich's IV. Ehemals gab es eine andere, deren Gemahl auch im Auslande war und die in einem Schloſſe, im Louvre Hunger litt; es war Henriette von England, die Tochter Ludwig's XIII., die erſte Enkelin Heinrich's IV;, wie die Kaiſerin Charlotte die letzte iſt. Seltſames Zuſammentreffen!

Vielleicht wird ſie in einigen Tagen todt ſein, ſie, für welche die Natur ſich ſo verſchwendriſch gezeigt hatte. Sie war ſchön, einſichtsvoll und eine Königstochter; ſte wurmoe liebt; ſie war reich...

Was fehlte ihr denn? 3

Zwei Dinge, welche, indem ſie ihr ganzes Herz in An⸗ 2

ſpruch nahmen, ihrem irregeleiteten Geiſte Stillſtand geboten hätten, zwei Dinge, welche aus ihr eine glückliche Frau und nichts weiter gemacht hätten: eine Mutter, als ſie ein Kind; ein Kind, als ſie eine Gattin war..

Die Serwohnungen und der Gebrauch des Leders bei ihren Bewohnern.

Keller's Lake Dwellings theilen darüber Folgendes mit

Die folgenden Thatſachen in Betreff des Urſp und der Dauer der Seewohnungen ergeben ſich aus her geführten Nachforſchungen. Die älteſten Nied dieſer Art, beſongers jene in den Seen der öſtlich hatten ihren Urſprung in jener dunkeln Zeit, wo nigſtsn in dieſer Gegend der Gebrauch der Metalle noch unbekannt war. Von dieſen Niederlaſſungen wurde ein Theil entweder vor oder im Verlauf der Erzperiode zerſtört, während ein anderer Theil, wie ſich das in den zahlreichen Seewohnunges in den weſtlichen Seen zeigt, gerade in perſelben Periode in ihrer blühendſten Lage war. Die Niederlaſſung dagerte am längſten in den Seen von Neu⸗

chatel und Biel, denn viele der dortigen Seewohnungen lieben während der Eiſenperiodenfortwährend bewohnt und e wurden wahrſcheinlich nicht vonſtem Beginn unſerer Aera

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