Jahrgang 
1-26 (1867)
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und ſuchen, ihn lebendig oder todt in unſere Hände zu bekom⸗ men.

Zu dieſem Zwecke wurde ein Sergeant mit zwölf Grena⸗ dieren commandirt, mit dem Bajonnete am Gewehr die Thür ſeines Zimmers einzuſtoßen und den Capitän zu nöthigen, ſich zu ergeben.

Der Sergeant, an der Spitze ſeiner Abtheilung, hatte die Thür bald eingeſtoßen, aber der Capitän, welcher ihn mit der Piſtole in der Hand erwartete, zerſchmetterte ihm den Kopf und ſtreckte ihn todt und ſteif zu Boden.

Die zwölf Grenadiere, welche dies ſahen und daſſelbe Loos befürchteten, flohen davon, und es war den Officieren nicht möglich, irgend einen anderen Soldaten zu bewegen, wieder dahin vorzudringen; denn ſie ſagten, daß der Capitän ſie, da ſie nur einer nach dem andern in das Zimmer ein⸗ dringen könnten, alle nach einander tödten würde.

Man mußte daher, um ihn in unſere Gewalt zu bekom⸗ men, noch einmal den Weg der Güte verſuchen. Der Capi⸗ tän, welcher eshalb ſolange Widerſtand geleiſtet, um die Galeeren aufzuhalten und ſeiner Flolte Gelegenheit zu geben in die Themſe einzulaufen, bemerkte jetzt an den Laternen, welche die Schiffe trugen, daß ſie ganz in die Themſe einge⸗ laufen war, und ließ ſich endlich zur Uebergabe geneigt finden.

Doch um einigen maroden Schiffen der Flotte reichlich Zeit zu geben und ſie unter dem Schutze der einbrechenden Nacht gänzlich der Verfolgung der Franzoſen zu entziehen, ſchützte er noch einen Verzug vor, indem er ſagte, daß er ſeinen Degen nur in die Hände des Commandanten der Galeeren übergeben werde, welcher an ſeinen Bord kommen ſolle, um ihn zu übernehmen.

Man machte einen Waffenſtillſtand, um dem Comman⸗ danten darüber Bericht zu erſtatten, welcher feinen Stellver⸗ treter zu dem Capitän ſchickte, um ihm vorzuſtellen, daß es ſich für einen Commandanten nicht ſchicke, ſeinen Poſten zu verlaſſen.

Hierauf übergab der Capitän, welcher für die Sicher⸗ heit ſeiner Flotte nicht mehr beſorgt war, ſeinen Degen, und man führte ihn auf die Galeere hinab zu dem Commandanten, welcher erſtaunt war, einen kleinen, ganz entſtellten Mann vor ſich zu ſehen, der hinten und vorn bucklig war.

Unſer Commandant empfing ihn höflich, indem er ſagte, es wäre das das Kriegsglück und daß er ſich über den Ver⸗

luſt ſeines Schiffes mit der guten Behandlung tröſten könne, welche er ihm gewähren würde.Ich bin, ant wortete er,um den Verluſt meiner Fregatte nicht be⸗ kümmert, da ich meine Abſicht erreicht habe, welche darauf ging, die Flotte zu retten, welche mir anvertraut war, und da ich übrigens, ſobald ich Euch erblickte, den Entſchluß ge⸗ faßt hatte, mein Schiff und meine eigene Perſon aufzuopfern zur Erhaltung des Gutes, welches unter meinem Schutze ſtand.Sie werden noch, fügte er hinzu, indem er ſich zum Comandanten wandte,etwas Blei und Pulver finden, welches ich nicht Zeit und Gelegenheit hatte, Ihnen zu geben; das iſt Alles, was Sie Koſtbares auf der Fregatte finden werden. Wenn Sie mich übrigens als Ehrenmann behandeln, ſo werde ich oder ein Anderer meiner Nation eines Tages Gelegenheit finden, es Ihnen zu vergelten.

Wir verſahen unſere Priſe mit neuen Bootsleuten. Das Schiff hieß die Nachtigall; der Name des tapferen Capitäns iſt mir entfallen. 6.

Novellen⸗ Zeitung.

Die letzte Tochter Heinrich's IV. ſen Nach dem Franzöſiſchen von Friedrich Coßmann. da Ein großer Maler verſicherte, im Augenblick, wenn er ihr ein Porträt zu entwerfen gehabt habe, immer von einer, ge⸗ Pa wiſſen Beſorgniß befallen geweſen zu ſein, welche ſtets ſeinen Pinſel in ſeinen Händen habe zögern laſſen. 1 im Die Analyſe eines Mannes, ſagte er,iſt ein Kampf mit gleichen Kräften zwiſchen dem Künſtler und ſeinem Gegen⸗ pr ſtande. Wie hoch auch der Zufall, die Einſicht und die Ereig⸗ G niſſe das Modell geſtellt haben mögen, ſo verſchwindet doch je jedes Preſtige in dem Augenblick, wo ſich daſſelbe vor den ſch Maler ſtellt; es iſt nicht einmal dem Künſtler ganz gleich, we der es mit ſeinem Blick ſtudirt, wie der Arzt den Pulsſchlag dua des Kranken aushorcht. Was dagegen eine Frau betrifft, ſo ög niedrig auch ihre Stellung in der Welt ſein mag, ſo iſt das ganz anders. Sie wird unter dem Blick des Malers immer drei Frau ſein, der als Künſtler vor Allem weiß, daß ſie ſich nie ſich überraſchen läßt; höchſtens kann man ſie errathen. über Der mächtigſte Pinſel hat daher immer vor der Frau, und wäre ſie die gleichgültigſte, Bedenken; daher zittert, aus ſich einem viel ſtärkern Grunde, die Feder in dem Augenblick im di meinen Händen, wo ich das Bild einer Dame, auf die jetzt ſch die Blicke Aller gerichtet ſind, der Kaiſerin Charlotte von köni Mexico, entwerfen will. ind Die ganz ausnahmsweiſe Exiſtenz dieſer Dame, die ade immer nahe daran war etwas zu ſein und deren Autorität 1 Kön niemals ganz. geſichert war, iſt von ihrem erſten Seufzer an 1 wen bemerkenswerth.. 4 wen Dieſe Prinzeſſin, welche ganz Franzöſin iſt, wie Jules 1; Janin es geſagt hat, erblickte im Jahre 1840 das Licht der unt Welt, nicht in Frankreich, ſondern in einem kleinen benach⸗ Not barten Lande, das ſeine Unabhängigkeit Frankreich verdankte, wie

dem zu gleichen es ſeit langer Zeit geſucht hat und das kaum jetzt faſt dreißig Jahr ſpäter dahin gelangt iſt. Enkelin Heinrich's IV., des großen franzöſiſchen Königs, des geiſtreichen Bearners, des berühmten Anbeters der Damen, des Gatten der Königin Margot, deren geheime Memoiren man kennt, wurde ſie als Belgierin von einer franzöſiſchen Prinzeſſin geboren, welche nur ihr Gebetbuch las, und hatte zum Vater einen Deutſchen, welcher ruſſiſcher General und

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Wittwer einer engliſchen für den Königsthron beſtimmten 41 dnr Prinzeſſin war, ehe er einen Platz als König von Belgien ge⸗ por funden hatte, der ihm erlaubte, die Tochter eines Königs, eines ihre Parvenu und ſelbſt Sohn eines Mitglieds des Convents, No zu ſeiner Gemahlin zu wählen.'

Sie wurde daher höchſtens funfzehn Stunden von der weit franzöſiſchen Grenze in Brüſſel geboren, und was auch der er wähnte ausgezeichnete Kritiker davon denken mag, ſo h auf allen ihren Reiſen nicht mehr als ſechs Monate in 2 reich verlebt. Wenn ſie trotzdem eine Franzöſin iſt n 8

ſie es doch nur beinah ſein. Ihre Kindheit war traurig, wie das Leben aller Kinder des Königs Leopold, dieſes glücklichen Egoiſten, welcher de Seinigen das Zuckerzeug hoch hielt, während er z chritte von da, wo ſeine Familie vegetirte, Andere damit über⸗ ſchüttete. Man begegnete oft dem kleinen Märchen und ihren beiden älteren Brüdern, die von einem Lehrer und einer Gouvernant t waren; man ſah ſie in den, Stunden 4 Wi pazieren gehen; das

ark in Brüſſel ſ 3 einfach gekleidet;