Jahrgang 
1-26 (1867)
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Sommer mit ſeinen Freuden kam in das Land. In der Armee herrſchte eine große Thätigkeit, man ſchien ſich auf den kommenden Feldzug vorzubereiten. Auch Edwards war ſoweit wieder hergeſtellt, daß er täglich einige Stunden in der friſchen Luft zubringen konnte. Seine Wunde war ziemlich geheilt, allein er litt noch an einer allgemeinen Körperſchwäche. Auch am Fa⸗ milientiſche hatte er jetzt Theil genommen, und würzte die Mahlzeiten durch ſeine muntern Erzählungen. Seine Freunde, welche das gaſtfreie Haus und der ſchöne Park anzogen, verweilten oft ſtundenlang bei dem geliebten Cameraden. Nur wenn dieſelben von dem bald bevorſtehenden Abmarſche der Armee ſprachen, was natürlich auch die Entfernung Edwards' von dieſem Platz zur Folge hatte, verſank er in tiefe Schwermuth, und ſeine Freunde, dies bemerkend, ließen den Gegenſtand der Unterhaltung fallen. Es war ein offenes Geheimniß geworden, daß Edwards die ſchöne Helena Woodſtock liebe, doch aus Zartgefühl für den Verwundeten erwähnten ſie dieſer Angelegen⸗ heit niemals. Nur der General hatte einſt bei einer Gelegenheit einige Andeutungen ſcherzhaft hingeworfen, aber Edwards hatte nicht darauf geantwortet. Es war ein herrlicher Tag. Die helle Sonne wirkte belebend auf die Natur, und ein leiſer Zephyr

Edwards⸗ Zimmer. Doctor Ellis welcher ihn am Morgen beſuchte, hatte ihm größere Spaziergänge im Freien anempfohlen, und der Major zögerte

machen. 9

Er bat Helena ihn zu begleiten, und mit 3. N 4 vpllligte dieſelbe ein. So gingen ſie Arm in Arm e5 3

Geſange der Vögel lauſchen und ſchenkte Ed⸗

H ſchönſten Blumen von den wards bald ein nettes Sträußch ,welches derſelbe

an ſeine Lippen preßte und inbrünſtig küßte. 6

hatte es bemerkt und ihr Geſicht Rberzogein glühen Röthe. Sie näherten ſich einer kleinen Laube vonm wilden blühenden Roſen, und Edwards, ermüdet von dem Spaziergange, ſetzte ſich auf eine der darin be⸗ undlichen Bänke. Auch Helena ließ ſich nieder, und ide beobachteten ein tiefes Schweigen. Edwards ollte ſich⸗Helena erklären, allein er fürchtete ihre

und Antwort. Und doch es mußte ſich bald entſcheiden. nter ne. hegannen von den Schönheiten der Natur zu

a0 Auhyr Helena?s Worte begeiſterten ihn, und alg ſie

ilie enungsſtügde gedachte, war die Gewalt des

nenn uu er konnte ſeine heiße Liebe nicht ng, Furbitte thäͤt fürt rmte heftig das ſchöne Mädchen,

der ihinRee

K

Vierte Folge.

trug den ſchönſten. Blumenduft aus dem Park in

Je=mwhlage nicht hiervon. Gebrauch zud

in den ſchönen Anlagen, mit Vergnügen dem hellen⸗

elena pflückte die

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Helena war aufgeſprungen und ſchaute Edwards mit hellen, leuchtenden Blicken an.

Helena, mein Leben! rief er leidenſchaftlich, ohne Dich bin ich nichts, werde mein! Zieh mit mir nach der Heimath, werde mein Weib, o wir leben glücklich! Er erwartete kaum ihre Antwort, ſchlang ſeine Arme um die geliebte Geſtalt und nur die zwit ſchernden Vögel waren Zeuge von dem erſten Kuſſe der beiden Liebenden.

Wehe, wehe! wenn er mich lieben ſollte! dieſe Worte donnerte eine innere Stimme ihr zu, aber ſie überwand in dieſem Augenblicke die unbeſtimmte Ah⸗ nung eines Unglücks, welches in kurzem über ſie her⸗ einbrechen ſollte..

Arm in Arm waren die Verlobten vor die Mutter

getreten, welche, wie es ſchien, dieſes Ereigniß längſt erwartet hatte. Sie wünſchte ihrer Tochter Glück zu der Wahl, welche ſie getroffen, und bat Edwards den Dienſt zu verlaſſen, um bald in die Heimath zurückkehren zu können. Edwards willigte mit Freuden ein, denn er hatte dieſen Gedanken ſchon längſt ge⸗ ſbegt, und die Mutter ſegnete die Kinder. Ruhig und gefaßt vernahm Emilie die Kunde von der Verlobung, als ihr dieſelbe beim Abendeſſen mitgetheilt wurde. Sie ſtand auf und brachte den (glücklichen Menſchen ihre beſten Wünſche dar. Doch Nach dem Ahendeſſen, als die ſchönen Klänge der Mauſik durch das Zimmer rauſchten, trat ſie an das Fenſteh küͤhlte das glühende Geſicht an den Scheiben und ſtarrte gedankenvoll in die dunkle Nacht hinaus. (Sie beneidete ihre Freundin nicht, allein ſie hatten gehofft- ein, Paradies hier zu finden, und nun war Alfex Alles hin, Dor ihr lag die Zukunft wie die dunkle ſternenloſe Nacht. 8

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*(Schluß folgt.) N DerTüſterer..

Ballade. Aus dem Böhmiſchen des Fr. V. Jerzaͤbet 8

überſetzt von Alfred Waldau. Mann, 1 Rim, o komm' geſchwind,

Der Weg in's Dorf iſt woͤnt;

Horch, draußen geht der Wirbelwind, Schwarz hängt's ob Wald und Haid'!

Im Schenkenhaus der Zecher blieb. Und rief den Wirth hereik:

Still, Weib, Dein Rath iff mir nicht lieb, Ich trink' noch gold'nen Wein!

Man ſchenkte ihm das daſſ voll, Da ſprang's mit jähem Knall

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