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mer war, verließ auch Helena die Freundin und begab ſich auf das ihrige, welches ſie ſofort verſchloß.
Sie hatte ſich erſchöpft auf einen Stuhl nieder⸗ gelaſſen.
„Ha, ſollte es möglich ſein? Sollte er Emilie lieben, ſollte ſie ſeine Liebe erwiedern?— Er liebt ſie, daran zweifle ich nicht. Dieſe Unterredung—
glücklicherweiſe war ich Zeuge!— Edwards, iſt 4 bedeckt und weinte heftig.
die Vergeltung für meine treuen Dienſte, für die lie volle Pflege in meinem Hauſe? das ſolb der Lohn ſein, daß Du eine Andre liebſt? Doch ich will mich rächen, und bald, die Welt ſoll wiſſen, daß Albert mein wird; armes Mädchen, gegen mich kämpfen zu wollen! Du wollteſt mir hinderlich ſein?“ 4
Sie ſprach dieſe Worte mit ironiſcher Bittzrkeit/ ſie wäre in dieſem Momente fähig geweſen, ihre bis⸗ herige geliebte Freundin zu vernichten, alleind bald trat eine ruhige kalte Ueberlegung ein und mit den Worten:„Es muß bald geſchehen!“ verließ ſie das Zimmer.
Doch auch Edwards befand ſich heute in einem Zuſtande der höchſten Aufregung. Seit dem erſten Tage ſeines Verweilens in dieſem Hauſe hatte er ſich des Bewußtſeins nicht erehren können, daß er Helena liebe. Aber konnte er ihre Liebe erwarten?— Helena, im Süden erzogen, die Tochter eines hohen conföderirten Officiers, nur erzogen in den Principien, für welche der Süden ſo begeiſtert das Schwert ge⸗ zogen hatte, konnte ſie einen Officier der Unionsarmee lieben? Der Anblick eines ſolchen flößte ja ſchon faſt überall den ſüdlichen Damen den tiefſten Haß ein; einen„Yankee“ zu vernichten, konnte nur ein Labſal für dieſelben ſein. Und Helena, die ſtolze ſchöne Vir⸗ ginierin, ſollte ihn lieben?— Dieſe Gedanken hatten ihn täglich beſchäftigt und ſein Hirn wie ein wüſter Traum durchzogen, doch die Gegenwart, die Nähe
hatten ſtets dieſe trübe Stimmung verbannt.
„Sie muß mich lieben,“ ſagte er ſich bei jedem neuen Beweiſe ihrer Aufmerkſamkeit,„ſie muß mich lieben, denn ſie könnte mich nicht ſo pflegen. Er hatte nicht länger gezweifelt.
Und jetzt ſchwebte mit einem Male das an⸗ muthige Bild der ſanften Emilie zwiſchen ihn und Helena, er blickte ſtets in den blauen Himmel ihrer Augen, er vermeinte die Engelsgeſtalt zu faſſen, da blitzten Helena's ſchwarze Augen, verſchwunden war das Bild, doch nicht aus ſeinem Herzen.
Und Edwards mußte ſich ſelbſt geſtehen, es war unrecht, das Bild des ſanften Mädchens feſtzuhalten. Wie viel war er Helena ſchuldig, ſein Leben, ſeine Geſundheit! und dieſes Weſen, welches er ſo hoch ver⸗ ehrte, welches er anbetete, liebte ihn und verlangte
Novellen⸗
Zeitung.
auch ſeine Liebe; und verſtoßen ſollte er ſie?— Nein, er durfte es nicht— und doch— ſtets erblickte er das ſchöne blonde Mädchen.
„Gott gebe mir Kraft, daß ich das Rechte wähle! Helena liebt mich und auch Emilie, und ich— ich Unglücklicher liebe beide!“ 44
Edwards hatte ſein Geſicht mit beiden Händen Er hatte nicht bemerkt, daß Helena eingetreten war und neben ihm ſtand. „Um Gotteswillen, Major Edwards, was iſt Ihnen? ſind Sie krackk? ach, die kalte Luft hat Ihnen geſchadet!“ rief das junge Mädchen, indem ſie Edwards das wüſt herabhängende Haar aus der Stirne ſtrich,„ſoll ich den Dockor holen ioſen⸗
„Ich Art Joned liebe d meine Leiden 1 heilt kein Arzt, nur d Zeit un Wie Natur heilen Wunden, welche uns im nneru⸗ geſchlagen werden.“ 6
Helena erkannte den Sinn dieſer Worte. Sie— wußte, daß der Geliebte noch ſchwanke, daß ſein Herz noch getheilt war, er war noch nicht für ſie verloren. „Herr Major,“ ſagte ſie mit weicher Stimme,„ver⸗ trauen Sie mir, es iſt viel leichter einen Schmerz au ertragen, wenn er getheilt iſt.“.
Doch Edwards winkte verneinend mit der Hand 3 „Sie ſind ſo gut, doch ich hoffe, der Schlaf, der Tröſter aller Menſchen, wird auch meine de de dern, ich bedarf nur der Ruhe!“
Helena reichee ihm die Hand, welche nelle dem an ſeine Lippen pießte, und verließ.⸗en war übere:. mer. Sie winkte einer Dienerin, welce mk einem 1 leichten Shawl zurüffkehrte; Helena warf denſelben um die Schulter, und begab ſich in den Park, um ihr ſtürmiſch ſchlagendes Herz in dem Frieden des ſtillen Abends zu beruhigen. Auch Emilie geſellte ſich zu ihr, allein die Freundinnen wechſelten nur womge Worte.
Emilie war eines jener reſignirenden Weſen, welche ſich gern zuruckziehen, wenn ſie gewahr werden, 4 daß ſie ihren Nebenmenſchen im Wsge ſtehen. Emilie. G liebte den Major, allein ſie erkannte auch Helena's Liebe zu ihm.„Sie hat das größere Anrecht an ihn,“ ſagte ſie ſich vorwurfsvoll,„ich ſtehe zurück.“— Doch ſeit beide Freundinnen gegenſeitig die Liebe zu Edwards entdeckt hatten, waren ſie nicht mehr ſo ver⸗ trauensvoll, als früher; ſie wichen einander aus und ſprachen ſich ſeltener, nur im Parke trafen ſie mitunter zuſammen. Es war Emiliens feſter Entſchluß, bald wieder abzureiſen.— Auch Edwards erblickte Emilie ſelten, denn ſie vermied es, wo nur möglich, ſeinen Blicken zu begegnen, ſie liebte ihn ſtill, ohne Hoffnung, denn ſie wollte das Glück ihrer Freundin nicht ſtören.
So waren einige Wochen vergangen, und der 76


