Jahrgang 
1-26 (1867)
Einzelbild herunterladen

Dierie

. Mädchen ſchwiegen, es hatte ſich im Augenblick Aller

ſ eine drückende Stimmung bemächtigt. Nur das An⸗ 6 geſicht Helena's überflog ein dunkler Schatten, doch d nur eine Secunde.

1Wie ich bereits vernommen, haben auch Sie b einen Bruder in unſerer Armee, nahm Edwards jetzt A das Wort, indem er ſich zu Emilie wandte, welche, 1 wie in Gedanken verſunken, plötzlich bei ſeinen Worten 3 aufſchreckte.

1Ach, es iſt ein furchtbares Verhältniß! ſagte 4 ſie traurig;die Brüder ſtehen einander feindlich gegen⸗ 1 über! Herr Major, der Krieg iſt ſchrecklich!

Das iſt er in der That; doch kann ich ſagen, mir brachte er Glück. Denn im andern Fallaſwürde ich jetzt die aee Fnbe Dgmenbekanntſchaften ver⸗ miſſen, welche ich in Ihnen⸗, meine Damen, zu ge⸗

⁵3

nießen das Glück habe Waffen bald ruhen!

Edwards, noch ſehr erſchöpft und aufgeregt, bat

um Erlaubniß ſich entfernen zu dürfen. Emilie be dauerte dieſes, allein Helena, die Natur des Verwun⸗ Deten kennend, gab ihm das Geleit bis an die Thüre, wards verbeugte ſich noch einmal gegen Emilie, wünſchte HelenaGute Nacht und begab ſich in

ber Gott gebe, daß die

9

ſeſin Zimmer

. wa.Nun, wie hat Dir der Officier gefallen? fragte Morgen beſit. Freundin, welche, gedankenvoll den Kopf im Freien an nfhelena's Nähertreten bemerkt hatte. A e Nachni ebenswürdiger Menſch ach Helena,

ich dachte ſoeben an meine Brüder, wären ſie nur

vereint! Tröſte Dich, theures Mädchen, beruhigte He

Der Krieg iſt hoffentlich bald beendigt, ſie nen zurück und genießen die Freuden der Heimath. Emilie ſtarrte wieder vor ſich hin. Helena hatte . auf die andere Seite des Sopha geſetzt und be⸗ trachtete ihre Freundin mit mitleidigen Blicken. Es war ſchon ſpät und die Mädchen begaben ſich bald zur Ruhe.

Edwards empfing faſt täglich den Beſuch ſeiner Freunde. Auch der General hatte ihn öfters mit ſeiner Anweſenheit erfreut und mit Beruhigung die Fortſchritte ſeiner Geneſung wahrgenommen. Doch auffallend war es, daß Helena, welche ſtets die lie⸗ »enswürdigſte Geſellſchafterin im Kreiſe ſeiner Freunde war, ſich bei der Ankunft des Generals ſtets entfernte. Auch dem letzteren war dies natürlich nicht entgangen und er äußerte dem Major ſein Befremden.

Sie wird die Scene im Hauptquartier wohl nicht vergeſſen können, ſagte Edwards lachend.Sie haben Helena im Zorn und in der tiefſten Demüthi⸗

lena.

Folge. 149

gung geſehen, und vielleicht weicht ſie deshalb be⸗ ſchämt Ihren Blicken aus.

Den General ſchien dieſe Antwort zu befriedigen.

Einige Tage ſpäter beſuchte Doctor Ellis den Freund und erlaubte ihm, da das Wetter ſehr ſchön war, ein Stündchen zu promeniren. Edwards war freudig überraſcht, und nach dem Mittagseſſen begab er ſich in den Park. Emilie war gerade auch dort

idbegoß einige Blumen auf den Beeten, als Ed⸗ ards auf ſie zutrat und ſie freundlich grüßte.

Aber Herr Major, das iſt ja prächtig, daß Sie ſich auch einmal der ſchönen Natur erfreuen! rief das Mädchen lebhafg,doch wie ich ſehe, ſind Sie noch ſehr ſchwach, erlauben Sie, daß ich Ihnen eine barmherzige Schweſter bin und Sie geleite. Mit dieſen Worten ergriff ſie ſchnell den Arm des Ver⸗ wundeten und führte ihn mit ſich fort.

Edwards küßte die Hand des Mädchens ehr⸗ furchtsvoll.Ja, ein armer Invalide bedarf des Schutzes, doch mein theures Fräulein, laſſen Sie an Stelle der Barmherzigkeit Freundſchaft treten, denn barmherzig kann auch ein Feind ſein.

Ah! Sie wollen nicht, daß ich Ihre Feindin ſein ſoll, lachte Emilie,das iſt brav, Herr Major, ſo wollen wir Freunde ſein. Sehen Sie, ich ſtehe ſo inmitten von zwei Leidenſchaften, ich neige mich theils zu Ihrer Seite, theils zur Seite Ihrer Feinde; doch werden Sie nicht böſe, lieber Freund, ich nehme einen eigenthümlichen Standpunct ein, denn die Ver⸗ hältniſſe meiner Familie aber ſiehe da, Helena, rief ſie plötzlich zur Seite ſchauend,Du anch hier?

Nun ja, rief Helena mit erregter Stimme, ich erfahre ſoeben, daß der Herr Major einen Spa⸗ ziergang unternommen hat, und ich durfte natürlich nicht ſäumen, dem Kranken meinen Glückwunſch zu dieſem frohen Ereigniſſe darzubringen.

Ich bin Ihnen für dieſe Aufmerkſamkeit dankbar, ſagte Edwards;ja, die freie ſchöne Natur, welche ich ſo lange entbehrt habe, iſt ein Labſal für meinen Zuſtand, man vergißt ſo leicht die Leiden und Schmerzen des Lebens, wenn man ſich ihr ganz hingiebt.

Es iſt etwas kühl, Herr Major, ſagte Helena, die rauhe Luft könnte Ihnen ſchaden, dürfte ich Sie nach Hauſe geleiten?

Ihr Rath iſt gut, Helena! erwiderte Edwards, indem er den Rückweg antrat,es iſt mein Aufenthalt im Freien zum erſten Male gerade genügend,

Helena führte Ebwards am andern Arm und ſie erreichten ſchnell das Haus. Die Mäadchen ſprachen faſt kein Wort, und als der Major auf ſeinem Zim⸗