Jahrgang 
1-26 (1867)
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abzuſchließen, amüſirt mich und ich ſehe keinen Grund, Ihnen abzuſchlagen, was Sie ſo dringend zu wünſchen ſcheinen. Sie ſollen das Bildchen für die tauſend Francs haben und ich will auch Ihre Bedingungen erfüllen. Hier iſt Ihr Pferd, finden Sie es nach Ihrem Geſchmack? Soll ich Ihnen als Zugabe noch jenes andere dort in dem Winkel zeichnen, welches eben aus einer Pfütze trinkt?

Nein, nein, lieber Herr, bemühen Sie ſich nicht weiter, das würde Sie nur aufhalten..

Nun, wie Sie wollen! Aber Sie werden mir doch wenigſtens erlauben, mir vor der Abreiſe aus Tarbes noch etwas in unſerem Wirthshaus zu trinken zu beſtellen?

Jawohl, aber ich muß mit dabei ſein.

Der Künſtler dachte lachend:Das iſt entſchieden ein

fanatiſcher Liebhaber, ein wahres Original. Er hat Angſt, ich könnte noch für irgend wen eine Skizze machen, und wird mir nun folgen wie mein Schatten. Uebrigens treffe ich wohl in Bayonne oder Pau auch das franco⸗arabiſche Pferd, welches ich ſuche, und gleich tauſend Franes für ein paar Blei⸗ ſtiftſtriche iſt auch kein übler Morgenverdienſt.

Beide kehrten in das Wirthshaus zumſchwarzen Kopf zurück und Alfred von Dreup leerte mit ſeinem vermeintlichen Kunſtfreunde eine Flaſche Champagner. Als es zum Aufbruch ging, wollte der Roßhändler dieſe durchaus bezahlen und ſagte zu dem Maler: 5

Lieber Herr, laſſen Sie mir doch dies Vergnügen, ich begleite Sie dann noch ein Stückchen und verlaſſe Sie nicht eher, als bis Sie auf der Straße zu den Basses-Pyrénées dahin rollen. So geſchah es denn auch.

Als der Wagen außer Geſichtsweite war, kehrte der

Rovellen⸗SJeilung.-

142 Wenn Sie mir das Blättchen da für ein Tauſendfrank⸗ er ſich über ſeinen klugen Streich ſchmunzelnd die Hände und billet überlaſſen wollen, ſo iſt unſer Geſchäft gemacht. rief: 7 .Tauſend Francs für eine Skizze! denkt der Künſtler,Wenigſtens bin ich nun ſicher, daß der Menſch mir 9 das iſt großartig, ganz à la Medicis. Aber, ſagte er laut, keine Concurrenz machen wird! weshalb wollen Sie denn eigentlich durchaus dies Stückchen Dieſe Geſchichte wurde vor einigen Jahren bei dem Papier kaufen? 1 LTcode des Malers bekannt. Der Roßhändler erzählte ſie Ja, geben Sie Acht, erwiderte der Roßhändler,ich ſelbſt und fügte hinzu: ſtelle auch noch eine Bedingung dabei.Sehen Sie, da iſt das Pferd, welches ich in Tarbes Was für eine denn? für tauſend Francs gekauft habe; ich gebe es gern für fünf⸗ Erſtens, daß Sie hier nicht einen einzigen Bleiſtiſtſtrich hundert wieder her. weiter thun dürfen, und dann, daß Sie ſofort abreiſen und Heute iſt dieſe Skizze das Dreifache werth und prangt dem Pferdemarkt weiter gar nicht beiwohnen. in einer großen Kunſtſammlung. r. Wie, ich ſoll alſo gar keine anderen Thiere weiter zu 1 hen hekommen? ſehen 1 iſt es. V Ein Halligenbild. li Sie fürchten, daß ich noch andere Roſſe derſelben Art Der Verfaſſer des Halligenbuches, in welchem er demI finden und abnehmen könnte 2 kleinen frieſiſchen Volksſtamme auf der untergehenden 1 5 Jawohl! Ich will der Einzige ſein, mit dem Sie hier dürftigen Inſelwelt der deutſchen Nordmarken ein Er⸗ he Geſchäfte machen.. innerungsblatt zu ſtiften ſucht, hat dies am beſten durch ein⸗ b Alfred von Dreux hatte gleich allen berühmten Künſtlern zelne Genrebilder erreicht, welche die Leiden und Freuden 5 ſchon häufig Kunſtliebhaber getroffen, welche derartige Eigen⸗ V rieſes duldſamen, thatkräftigen Wölkchens abſpiegeln. Wir i heiten an ſich hatten. Er hielt ſeinen Tiſchnachbar für einen erblicken im Nachfolgenden eine ſolche Schiffersfrau, in 1 jener Kunſt⸗Egoiſten, welcher die Caprice hätte, der einzige Gefahr vor wilden Naturgewalten, in Rettung und Andachts⸗ 3 Beſitzer ſeiner dort angefertigten Bilder ſein zu wollen. Die gefühl. 4 d 2 9 Eigenliebe ſtieg ihm einigermaßen zu Kopf und er fand es Güda war ſeit fünf Jahren Wittwe. Ihr braver Mann 1 9 originell, ſich der Phantaſie dieſes braven Mannes zu fügen. war in fernem Lande ein Raub des gelben Fiebers geworden, ihr *Nuͤn gut, lieber Herr, ſprach er, indem er ſeine Unter⸗ und hatte ihr nichts hinterlaſſen als eine Hütte am Rande dr ſchrift auf das Papier ſetzte,Ihre Art und Weiſe, ein Geſchäft Werfte und drei Kinder, zwei Knaben und ein Mägdlein, dis er von dem Vater wenig zu ſagen wußten, weiler immer nur erd. a

Hauſe geweſen, dan aber wieder hinausgefahren war auf die wilde See. Güda betrauerte ihren Mann, nicht etwa ein Jahr, nein, ſie trauert ihre ganze Lebeuszeit, wie alle Halligfrauen thun, deren Mann geſtorben iſt; ſie ſchmückt ſich niemals mehr mit bunten

paar Wochen während der Winterzeit zu

Tüchern und farbigen Bändern. Sie erzieht ihre Kinder in der Furcht und Ermahnung des Perrn, ſie arbeitet unad die Kinder arbeiten und ſie werden jedele w aik, ſind müde

am Abend und ſtehen des Morgens geſtärkt 8 ihrem alten ¹ und doch neuen Tagewerke wieder auf. Eine kleine Schaf⸗ heerde ernährt ſie. Die Söhne gehen zur Schule und holen 1 Abends die Heerde heim; Mutter und Tochter verarbeiten 6* die Wolle der Heerde, und der Krämer vom Feſtlande helt ve von Zeit zu Zeit die Jacken und Strümpfe ab, welche die V fleißigen Hände ſtrickten, und bezahlt ſie baar. Die Wittwe Co kann ſich Brodkorn kaufen, kann noch ein Weniges erübrigen un und dem Pfarrer zu Weihnachten einen harten Thaler als M do

Opfer auf den Altar legen, als ein Zeichen ihrer Erkenntlich⸗ keit, weil er ihre Söhne und ihre Tochter im Chriſtenthume unterweiſt, daß ſie in den Himmel kommen, und die Sohne rechnen und ſchreiben lehrt, daß ſie durch die Welt kommen. Da kommt nach vielen guten Jahren ein ſchlimmes Jahr. Das Wetter war während des ganzen Vorſommers ſo ra ſchelich und kaum iſt das erſte Heu aufgeſchobert und dast. letzte gemäht, da kommt die Fluth und überſchwemmt die Hallig. Die Kinder ſind in der Schule. Güda iſt auf ihrer Wieſe. Eilig trägt ſie das geſchoberte Heu hinauf auf jen 3 alte Werfte und ſchiebt das grüne Schwadenheu mit dem Rechen zuſammen und bringt es bis an den Rand der alten Wer Die kleine Schafheerde weidet an der Wehle und ſieht

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ſpeculative Roßhändler höchſt vergnügt nach Tarbes zurück und widmete ſich mit dem größten Eifer denen er leicht das dem Künſtler geopferte Geld doppelt und dreifach wieder zu gewinnen wußte. Von Zeit zu Zeit rieb

ſeinen Geſchäften, bei

Gefahr nicht, in der ſie ſchwebt. Güda muß die eigenſinnige Thiere hinauftreiben auf die Werftenſtelle. Die Fluth immer näher heran. Die geſchorenen Schafe ſtehen mit ge⸗ krümmtem Rücken da am zerbröckelken Rande der Werfte und