Jahrgang 
1-26 (1867)
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Vierle Jolge.

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Die Königin trat bald ein, ein wenig verlegen wegen ihrer Leichtgläubigkeit, aber leicht getröſtet, indem ſie daran dachte, daß ſie einen ſo geſchickten Mann zum Schwiegerſohn ſein, und da treffe ich auch gleich hier bei Tiſche mit einem habe. Concurrenten zuſammen, der mir die Sache ſehr hitzig zu

Und das wundervolle Geh

heimniß, ſagte ſie ganz leiſe nehmen ſcheint. Er mag gewiß ein ganz braver Mann und zum Prinzen von Holar,Sie ſind es mir ſchuldig. angenehmer Geſellſchafter ſein, aber das n

Ich komme eben von Saint-⸗Jean⸗de-Luz, um der Erſte bei dem heute beginnenden Pferdemarkt)/ in Tarb

es zu

ützt mir gar nichts, Das Geheimniß immer ſchön zu ſein, ſagte der Prinz, denn ich ſehe wohl, daß er mir hier großen Schaden bringen iſt immer geliebt zu werden. wird. Und das Mittel immer geliebt zu werden? fragte die

Königin.

Iſt immer gut und einfach zu ſein und den Willen Moment aus den Augen zu laſſen. ſeines Gatten zu thun. Etwa eine Stunde darauf ſteckte der Roßhändler Geld Und er wagt zu ſagen, daß er ein Zauberer iſt? rief und Banknoten zu ſich und begab ſich auf den zum Pferde⸗ die Königin voller Unwillen, indem ſie die Arme gen Himmel markt hergerichteten Platz, indem er brummte: erhob.Ich bin überzeugt, daß mein Concurrent ſchon mit dem Laßt uns dieſe Geheimniſſe endigen, ſagte der König, Beſichtigen der erſten angelangten Pferde beſchäftigt iſt. welcher ſchon Furcht faßte.Prinz von Holar, wenn Sie Wirklich war auch der erſte Menſch, den er auf dem unſer Schwiegerſohn ſind, werden Sie Zeit genug haben, um Marktplatz bemerkte, kein anderer als unſer Künſtler. Alfred mit Ihrer Schwiegermutter zu ſprechen. Das Abendeſſen von Dreux amüſirte ſich damit, auf ein Stückchen Papier das wird kalt. Zur Tafel! Wir wollen den ganzen Abend dem Portrait eines wunderſchönen Hengſtes hinzuwerfen, den ein Vergnügen widmen; vergnügen Sie ſich heute, mein Schwie⸗ junger Bauer am Zügel hielt. gerſohn. Morgen werden Sie ſich vermählen.Er macht ſich ſchon ſeine Notizen, dachte der Roßhänd⸗ Bei dieſem Worte, das er geiſtreich fand, ſah er die ler ganz niedergeſchlagen; dann trat er hinter den Maler und Königin an; aber ſie machte eine ſolche Miene, daß er ſich ſagte überraſcht: in demſelben Augenblick das Kinn rieb und die Fliegen be⸗Nein, er zeichnet ſich gar das Pferd ab, das er kauf wunderte, welche an der Decke des Zimmers herumflogen. will. Hier endigen die Abenteuer des Prinzen von Holar;

Ganz voll von dieſem Gedanken nahm er ſich vor, die

ſen Nebenbuhler, der ihm aus Paris zu kommen ſ

chien, keinen

en

Aber er wußte ſeine Angſt und Aufregung trefflich zu ſie glücklichen Tage haben keine Geſchichte. Wir wiſſen in⸗ v

Herbergezum ſchwarzen Kopf ab, einem ne e

verbergen, ging eine ganze Weile hin und her, pfiff und näherte eſſen, daß er ſeinem Schwiegervater auf dem Throne folgte ſich dann wieder dem Maler, indem er d Bild betrachtete und daß er ein großer König war. Ein wenig Lügner, ein und dazu ſagte: 4 wenig Dieb, kühn und liſtig, beſaß er die Tugenden einesEi, lieber Herr, zeichnen Sie das Thier da blos zu Eroberers. Er nahm ſeinen Nachbarn mehrere tauſend Ihrem Vergnügen? Morgen Schnee ab, die er dreimal wieder verlor und drei⸗Nun, entgegnete Alfred von Dreux nachläſſig,es ge⸗ mal wieder eroberte, indem er ſechs Armeen aufopferte. ſchieht ſowohl zu meinem Ver

gnügen als zu meinem Nutzen. Auch figurirt ſein Name ahmvoll in den berühmten AnnalenIch hatte es ja gewußt, dachte der Roßhändler; dann von Skalholt und Halt, auf welche berühmten Documente ſprach er laut:

wir unſre Leſ eiſen.

Nicht wahr, Sie treiben Pferdehandel, lieber Herr? Jawohl, das iſt mein Gewerbe, entgegnete der Künſtler

ſehr ernſthaft.

Ein Kunſtliebhaber. Nach dieſer Antwort, welche alle Zweifel des Anderen

vollends niedergeſchlagen und ihn genügend überzeugt hat,

Es war etwa vor fünf bis ſechs Jahren, als der be⸗ daß er mit einem gefährlichen Concurrenten zu thun habe, rühmte Pferdemaler Alfred von Dreux das ſüdliche Frank⸗ faßte er den ſchlauen Entfchluß, den Gegner durch Höflichkeit reich bereiſte; er beabſichtigte am Fuße der Pyrenäen Studien zu beſiegen. Deshalb begann er mit dem einſchmeichelnden zu ſammeln, beſonders über das flinke, kleine franco⸗arabiſche Tone eines Vogelſtellers, der eben die Lockſpeiſe an dem Pferd, welches man dort ſo häufig antrifft. Sprenkel befeſtigt:

In der Stadt Tarbes angelangt, ſtieg er zufällig in derWiſſen Sie, lieber Herr,

daß Sie ein ganz hübſches

1 un tten kleinen Talent haben für einen Mann, der die Märkte bereiſt? Eigent⸗ Wirthshauf in einer der Vorſtädte von Tarbes.

Bekannter mehr und mehr bei der Abhandlung über die ver⸗ ſchiedenen Racen und das reine Blut bei der Abſtammung

erhitzte, wurde er plötzlich von einer

und hielt folgendes ſtille Selbſtgeſpräch:

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ganzen trefflichen Appetit eines reiſenden Künſtlers rüſtet, ſetzte ſich unſer Maler fröhlich zum Eſſen

wein plauderten die beiden Nachbarn ſchon wie ein paar alte

die Pferde, ein für Beide beſonders intereſſantes Capitel. zu liefern habe? Der Menſch iſt im Stande, mir meine Man fand, daß man ſich gegenſeitig ganz trefflich darauf ver⸗

Mit dem lich bin ich kein Gemäldeliebhaber, weil ich die Bilder als

ausge⸗ unnützes Zeug betrachte, aber auf Ehre, Ihre Zeichnung ge⸗

an die fällt mir ſo gut, daß ich ſie gern kaufen würde.

irthstafel und bekam dort einen Pferdehändler aus Bordeaux Der Künſtler erwiderte lächelnd:Das Pferd, was

m Nachbar. Sie hier ſehen, iſt ſchon zum Voraus verſprochen. Ich be⸗

Nach der erſten Schüſſel und dem erſten Glaſe Jurangon⸗ ſtimme es für einen der reichſten Banquiers von Paris.

Er hatalſo mit einem reichen Banquier zu thun? dachte

ekannte zuſammen und beim Deſſert kam das Geſpräch auf der Pferdehändler.Am Ende gar mit demſelben, für den ich

Kundſchaft wegzuſchnappen, ich muß ihn durch Schmeicheleien

mürbe zu machen ſuchen.

Zum zweiten Male brach er in Lobeserhebungen über das

Kunſtwerk aus und da er glaubte, hier könne ihm ein kleines

heftigen Unruhe befallen Opfer ganz nützlich ſein, begann er wieder von dem Ankauf der Zeichnung zu ſprechen.

e, aber als der Pferdehändler ſah, wie ſich ſein neuer