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Vierte Solge.
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Jeuilleton.
Islündiſche Mürchen. (Schluß.) Das graue Kännchen.
In der früheren Zeit(ich meine vor 300 oder 400 Jahren) gab es in Skalholt in Island einen alten Bauer, der an Geiſt nicht reicher war, als an irdiſchen Gütern. Als der gute Alte eines Tages in der Kirche war, hörte er eine ſchöne Predigt über die Mildthätigkeit.„Gebt, meine Brüder, gebt,“ rief der Prieſter,„der Herr wird es Euch hundertfach wieder erſtatten.“ Dieſe oft wiederholten Worte drangen in den Kopf des Bauers und verwirrten darin das wenige Ge⸗ hirn, das er beſaß. Kaum in ſeine Hütte zurückgekehrt, fing er an ſeine Bäume in ſeinem Garten umzuhauen, den Boden auszuhöhlen, Steine und Holz herbeizufahren, als ob er im Begriffe ſtehe, einen Palaſt herzuſtellen.
„Was machſt Du da, mein armer Mann?“ fragte ihn ſeine Frau.
„Nenne mich nicht mehr mein armer Mann,“ ſagte der Mann in einem feierlichen Tone; wir ſind reich, liebes Weib, oder werden es wenigſtens bald ſein. In vierzehn
Tagen gebe ich meine Kuh....“*
„Unſere einzige Zuflucht!“ ſagte die Frau;„wir werden vor Hunger ſterben!“
„Schweige, Unwiſſende,“ erwiderte der Bauer;„man ſieht wohl, daß Du nichts von dem Latein unſeres Herrn Geiſtlichen verſtehſt. Indem wir unſere Kuh geben, werden wir zur Belohnung dafür hundert erhalten. Unſer Herr Pfarrer hat es geſagt, es iſt das Wort des Evangeliums. Funfzig Stück Kühe werde ich in den Stall ſtellen, den ich eerbaue, und von dem Preiſe für die funfzig andern werde ich Wieſen genug kaufen, um unſere Heerde im Winter wie im Sommer ernähren zu können. Wir werden reicher ſein als der König.“
Und ohne ſich weder an die Bitten noch an die Dro⸗ hungen ſeiner Frau zu kehren, fing der alte Narr an, zum großen Erſtaunen ſeiner Nachbarn den Stall zu erbauen.
Als der Bau hergeſtellt war, ſchlang der gute Alte der
Kuh einen Strick um den Hals und führte ſie geradenwegs nach dem Pfarrhaus. Er fand den Prieſter eben im Ge⸗ ſpräch mit zwei Fremden, die er aber kaum anſah, ſo
eilig war er, ſein Geſchenk zu machen und die Belohnung Dafür zu erhalten. Wer über dieſe Mildthätigkeit einer ganz
neuen Art am meiſten erſtaunt war, das war der Herr Pfarrer. Er richtete an dieſes dumme Schaf eine lange Rede, um ihm beweiſen, daß unſer Heiland nur von geiſtigen Belohnungen geredet habe; ſeine Mühe war vergeblich, der Bauer wiederholte immer:„Sie haben es geſagt, Herr Pfarrer, Sie haben es geſagt.“ Endlich müde, länger mit einem ſolchen Dummkopf zu ſprechen, gerieth der Geiſtliche in einen heiligen Zorn und ſchloß dem Bauer die Thür vor der Naſe zu, der ganz verwundert in der Straße ſtehen blieb und immer wiederholte:—„Sie haben es geſagt, Herr Pfarrer, Sie haben es geſagt.“
Er mußte den Weg nach ſeinem Hauſe wieder ein⸗ ſchlagen, was keine leichte Sache war. Das Frühjahr näherte ſich, das Eis zerſchmolz und der Wind trieb den Schnee in
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Wirbeln in die Höhe. Der Mann glitt bei jedem Schritte aus, die Kuh brüllte und wollte nicht weiter gehen. Nach Verlauf einer Stunde hatte der Mann ſeinen Weg verloren und er befürchtete, ums Leben zu kommen. Er blieb ganz verwirrt ſtehen, verfluchte ſein Unglück und wußte nicht, was er mit der Kuh, die er fortzerren mußte, machen ſollte. Während er traurig nachdachte, näherte ſich ihm ein Mann mit einem großen Sacke belaſtet, der ihn fragte, was er bei einem ſo ſchlechten Wetter mit ſeiner Kuh im Freien mache.
Als der Bauer ihm ſein Leiden erzählt hatte, ſagte der Fremde zu ihm:„Mein braver Mann, wenn ich Euch einen guten Rath geben ſoll, ſo iſt es der, einen Tauſch mit mir zu machen. Ich wohne hier in der Nähe: überlaßt mir Eure Kuh, die Ihr nie wieder mit nach Hauſe führen werdet, und nehmt von mir dieſen Sack; er iſt nicht zu ſchwer und Alles, was er enthält, iſt gut: Fleiſch und Knochen.“
Als der Handel abgeſchloſſen war, führte der Fremde die Kuh nach Hauſe und der Bauer nahm den Sack auf ſeinen Rücken, den er entſetzlich ſchwer fand. Als er nach Hauſe kam, wo er die Vorwürfe und Spöttereien ſeiner Frau fürchtete, erzählte er ihr ſehr ausführlich, welche Gefahren er beſtanden habe und wie er, als geſchickter Mann, eine Kuh, welche ſterben wollte, gegen einen Sack vertauſcht habe, welcher Schätze enthalte. Als ſeine Frau dieſe ſchöne Geſchichte hörte, fing ſie an, ihm die Zähne zu zeigen. Der Mann bat ſie, ihre ſchlechte Laune für ſich zu behalten und ihren größten Kochtopf an das Feuer auf dem Heerde zu ſetzen.„Du wirſt ſehen, was ich Dir bringe,“ wiederholte er ihr,„warte nur ein wenig, Du wirſt mir es Dank wiſſen.“
Indem er das ſagte, öffnete er den Sack und ſiehe da, aus der Tiefe deſſelben kam ein ganz grau gekleidetes Männchen wie eine Maus heraus.
„Guten Tag, braven Leute,“ ſagte es mit dem Stolz eines Fürſten.„Ich hoffe, anſtatt mich kochen zu laſſen, werdet Ihr mir etwas zu eſſen anbieten. Die kleine Tour hat mir einen ſehr großen Appetit gegeben.“
Der Bauer fiel auf ſeinen Schemel, als ſei er vom Blitz getroffen worden.
„Nun,“ ſagte die Frau,„das wußte ich im voraus. Das
iſt ein neue Dummheit. Was läßt ſich aber von einem Manne anders erwarten, als Dummheiten? Erſt haſt Du uns die Kuh verlieren laſſen, welche uns ernährte, und ſjetzt, wo wir nichts mehr haben, bringſt Du uns noch einen Mund mehr zu ernähren mit! Weshalb biſt Du nicht mit Deinem Sacke und Deinem Schatze unter dem Schnee ſtecken geblieben?“ Die gute Alte würde noch ſprechen, wenn das graue Männchen ihr nicht dreimal bewieſen hätte, daß große Worte den Kochtopf nicht füllen, und daß es am klügſten ſein würde, auf die Jagd zu gehen und irgend ein Wild zu ſuchen.
Trotz der Nacht, des Windes und des Schnees ging es ſogleich fort und nach einiger Zeit kam es mit einem großen Hammel zurück. Nehmt,“ ſagte es,„ſchlachtet mir dieſes Thier und laßt
7 7 7 uns nicht vor Hunger ſterben.“
Der Greis und ſeine Frau ſahen das Männchen und ſeine Beute verdrießlich an. Dieſes aus den Wolken herab⸗
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