134 Novellen
neuſten engliſchen Styl erbaut, reiche Parkanlagen umgaben denſelben und von der kleinen Anhöhe aus, auf welcher ein Gartenhaus erbaut war, erblickte man, wie ſich gleich einem ſilbernen Streifen ein munteres Bächlein längs dem kleinen Gehölz hinſchlängelte, welches das Wohnhaus an der hintern Seite umgab. Die Wohnungen der Neger, der frühern Sclaven, waren, nach der Sitte des Landes, ecirkelförmig um das Haus des Selavenvoigts angelegt, allein dieſe Gebände waren jetzt, nach Aufhebung der Sclaverei, von den frühern Bewohnern verlaſſen, und nur wenige treue Neger waren als Bedienung zurückgeblieben. Noch kurz vor dem Kriege war hier Alles in voller Blüthe und Thätigkeit, hunderte von Sclaven arbei⸗ leten auf den unabſehbaren Feldern, welche ſich faſt bis zum Potomac ausdehnten, und der Beſitzer dieſer ungeheuren Reichthümer, Herr Woodſtock, war einer der angeſehenſten Farmer der Umgegend und beklei⸗ dete früher einmal die Stelle eines Senators im amerikaniſchen Congreſſe. Jetzt war aber Alles anders geworden. Obriſt Woodſtock ſtand ſchon ſeit einem halben Jahre ferne von der Heimath, in der conföde⸗ rirten Armee, der Sohn hatte den Tod auf dem Schlachtfelde gefunden, und Heleng, die reizende Toch⸗ ter des reichen Mannes, war die alleinige Erbin der großen Guͤter. Die Beſorgniſſe des jungen Mädchens, welche ſie in der verfloſſenen Nacht zum General trieben, waren, wie der Augenſchein bewies, nur zu ſehr be⸗ gründet, denn die gewaltſam aufgebrochenen Vorraths⸗ häuſer und die entleerten Viehſtälle waren Zeugen, daß die Soldaten hier ſchon ſtark gehauſt hatten.) (Fortſetzung folgt.)
Gedichte von Albert Bririus.
Mein Lieb, wie ſchön biſt Dul
Es gleicht Dein Aug dem Sterne, Der ſanft am Himmel glüht; Es gleicht Dein Mund der Roſe, Die roth am Strauche blüht.
Es gleicht Dein Wuchs der Tanne, Die ſchlank im Walde ſteht; Es gleicht Dein Hauch dem Zephyr, Der über Blumen weht.
Es gleicht Dein Sang dem Liede, Das hell ein Vöglein ſingt;
Es gleicht Dein Arm der Rebe,
Die traut den Baum unſchlingt.
Jeikung.
Es gleicht, mein Lieb, Dein Lächeln Dem gold'nen Sonnenſchein. Es dringt Dein Blick, mein Liebchen, Mir tief in's Herz hinein. Und ach, mein armes Herze Hat weder Raſt noch Ruh; Ich gräme mich und ſinge: „Mein Lieb, wie ſchön biſt Du!“ . Die Schäferin. Auf ihren Stab gelehnet, Weilt ſtill die Schäferin, Ihr blaues Auge thränet, 3 Und ſchant zum Himmel hin. 1 9 „Wann werd' ich einſtens koͤmmen, T Mein Schäfer hold, zu Dir, J Den ſchon ſo früh genommen,* d Der liebe Gott von mir?“ 1 Re 1 vo Nicht lange mehr, da wallte d Ein Zug zum Friedhof hin, 4 Das Sterbeglöckchen ſchallte, Nicht hört's die Schäferin. 3 9 ſ Erinnerung en die Loreley.-Anͤ n ihre ſir Ich weiß nicht, was ſoll es bedeuten, ſe Daß ich ſo traurig bin;— Heine. w Ich ſtand auf hohem Felſen, Sah ſtummAns Land hinein, d Tief unten Mir zu Füßen,.* Da floß dereſchöne Rhein. F 1 .) Manch Schifflein ſah ich ſchwimmen Auf ſeiner grünen Fluth,— in Und mich umflammte leuchtend. Der Abendſonne Gluth.. 1 ſã Ich ſtand im Schau'n verloren, d Mir ward das Herz ſo weit, d Dacht' an ein altes Maͤrchen Aus längſt vergang'ner Zeit.“
Den Schiffer ſah ich liegen Tief an des Stromes Grund Vom Arm der Fee umſchlungen, Geküßt von ihrem Mund.
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