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„So darf ich alſo zu einem ſo frohen Ereigniß von Herzen gratuliren?“ fragte Herr von Oppenhof auf Juſtine zutretend.
„Und Sie thun dies, ohne dabei irgend einem Gefühl der Bitterkeit Raum zu geben?“ fragte die junge Dame.
„Laſſen Sie uns offen zu Werke gehen,“ ſagte dieſer.„Eine wunderbare Fügung der Verhältniſſe brachte uns vor fünf Jahren einander näher. Die Theilnahme, welche Sie dem Geächteten damals ſchenkten..“
„Zweifeln Sie daran, daß ſie aufrichtig und un⸗ eigennützig war?“ fragte Juſtine, ihre klaren großen Augen zu dem Officier erhebend, vielleicht weil ſie in der ſonderbaren Lage, in der ſie ſich befand, zu Argwohn geneigt war und hinter den Worten des Officiers irgend eine verletzende Anſpielung vermuthete.
„Nein, bei meiner Ehre, daran habe ich nie ge⸗ zweifelt,“ entgegnete dieſer mit einer Wärme des Ge⸗ fühls, welche bei der Tochter des Capitäns jeden Zweifel beſeitigte,„und ebenſo wenig, denke ich, werden Sie die Wahrheit meiner Geſinnung beargwohnt haben, als ich in jener Stunde, wo wir von einander Abſchied nahmen, meiner tiefen Dankbarkeit gegen Sie durch Worte einen Ausdruck verlieh.“
Juſtine gerieth hier abermals in Verlegenheit, denn ſie wußte recht gut, jene Trennungsſcene hatte mit einer halben Liebeserklärung geendet.
Herr von Oppenhof war keineswegs der Mann, die Jungfrau, die er ſo hoch ſchätzte und der er ſich ſo tief verpflichtet fühlte, aus einer peinlichen Situ⸗ ation in die andere zu verſetzen.
Er ſah mit Betrübniß, daß die ſchönen Augen ſeiner einſtigen hochherzigen Erretterin ſich zu ver⸗ dunkeln begannen und daß ſie nur mit Mühe ein paar Thränen zurückhielt. Er fühlte, daß es hier einer ſchnellen Erklärung bedürfe, um zu einem kurzen gegenſeitigen Verſtändniß, wie ſolches in ſeinen eigenen Wünſchen lag, zu gelangen.
Er trat daher raſch auf Juſtine zu, ergriff ſanft ihre Hand und ſagte mit lächelnder Miene:
„Geſtatten Sie mir aus der Geſchichte unſerer fünfjährigen Trennung eine kleine Moral zu ziehen?“
Juſtine, welche durch den einſchmeichelnden Ton, mit welchem dieſe Frage geſtellt wurde, ſich wieder beruhigt fühlte und ihre Faſſung zurück erhielt, blickte bei dieſen Worten jetzt ebenfalls wieder mit der früheren Zutraulichkeit zu Herrn von Oppenhof empor und erwiderte, wenngleich immer noch etwas zögernd, doch aber mit einem halben Lächeln:
„Nun, Herr Moraliſt, ſo laſſen Sie hören, was Sie zu ſagen haben.“
Novellen⸗
Jeilung.
„Erwarten Sie nichts Neues,“ entgegnete im gleichen ſcherzhaften Tone der Baron,„das, was ich ſagen will, iſt ſchon hundert Mal dageweſen und wird ſich noch tauſend Mal wiederholen. Ohne der Rein⸗ heit der Gefühle zu nahe zu treten, welche wir für einander hegen, glaube ich doch behaupten zu dürfen, daß wir Beide abermals ein Beiſpiel dafür liefern, daß das Herz ſich ſehr oft über das, was man Liebe nennt, täuſcht, und daß uns die Zeit häuſig über einen Irrthum aufklärt, den zu bereuen Viele leider nur zu ſpät Urſache haben.“
„Und wenn nun dieſer Irrthum dadurch geſühnt wird, daß ſtatt der vermeinten Liebe dauernde Freund⸗ ſchaft ausgetauſcht wird, ſollte ein ſolches Anerbieten wohl von einem edlen Herzen ausgeſchlagen werden?“
fragte Juſtine, indem ſie mit dem ihr eigenen Zauber
Herrn von Oppenhof die Hand entgegenſtreckte.
„Wohlan, ſo möge dieſer Bund ein dauernder und feſter für uns Beide ſein,“ rief der Baron, indem er die Hand Juſtinens tiefbewegt an ſeine Lippen führte—„überdies,“ fügte er hinzu,„bin ich keines⸗ wegs ein ſolcher Egoiſt, um mir das Anſehen zu geben, als wolle ich in einer Sache, die einen ſolchen überraſchenden Ausgang genommen hat, mich mit der Glorie des Märtyrerthums umgeben.“
„O, ich begreife,“ entgegnete die junge Dame mit dem in ſolchen Dingen ſo feinen Auffaſſungsver⸗ mögen ihres Geſchlechts,„auch Ihr Herz... Doch wenn Sie mir mit dieſer Erklärung auch nicht bereits ſo eben auf halbem Wege entgegengekommen wären, ich würde es ſchon aus der Leichtigkeit errathen haben,
mit welcher Sie ſich in Dinge fügten, die ſonſt nur⸗
unter ſchweren des
werden.“
Kämpfen Herzens aufgegeben „Ich habe Ihnen ja ſchon geſagt,“ entgegnete Herr von Oppenhof läͤchelnd,„daß ich Ihnen gegen⸗ über keinesweges den Großmüthigen ſpielen vill, welcher hierher kam, um zu vergeben und ſich dann mit Reſignation zurückzuziehen. Aber darin urtheilen Sie doch zu vorſchnell, wenn Sie glauben, daß mich bereits der heimliche Wunſch zu Ihnen führte, ich möchte ſtatt einer mir beſtimmten Braut nur eine Freundin wiederfinden. Allerdings wünſcht mein Vater dringend meine Verlobung mit einer jungen Dame meiner Verwandtſchaft, der es nicht an Liebens⸗ würdigkeit und Anmuth mangelt, aber bevMich eine Entſcheidung traf, trieb es mich erſt hierher, und Sie allein, theure Juſtine, vermochten auch nur bei meinen weiteren Entſchließungen den Ausſchlag zu geben.“ „Die Freundin eines Mannes von ſolcher Denkungsart zu ſein,“ entgegnete die Tochter des Veteranen mit einem Blick, der für die tiefe Bewe⸗
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