Jahrgang 
1-26 (1867)
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Novellen

in welche drei wie dünne Stäbchen geformte, parfümirte Räucherkerzchen(sion) geſteckt werden, die man anzündet, ſo daß ſie einen ſtarken, angenehmen Duft verbreiten. An dem ſo arrangirten Heerde kniet die ganze Familie nieder und verrichtet ein Gebet.

Der vierundzwanzigſte und fünfundzwanzigſte Tag wird zur Reinigung und Ausſchmückung des ganzen Hauſes verwendet; am ſechsundzwanzigſten kauft Jeder Voräthe von Früchten, Kuchen und tan-pin, einer Art Reisklößen, die mit fünf Farben roth, blau, kaſtanienbraun, gelb und grün gefärbt ſind.

Am ſiebenundzwanzigſten geht alle Welt ins Freie vor die Stadt oder das Dorf, um Cypreſſenzweige(pe) abzu⸗ ſchneiden, die am erſten Tage des neuen Jahres verbrannt werden ſollen.

Rothe Papierbogen mit den rieſengroß gedruckten Worten: Glück, Freude!(ta-ki, ta-li) werden an alle Thüren geklebt; an der Mitte der Hausthür werden außerdem noch zwei auf Papier gezeichnete Engel angebracht, die den Namen ta-men, Glücksboten, führen.

Die Hausfrau bereitet nun einen ſüßen Teig, den ſie wie eine Traube in zwölf Beeren von gleicher Größe formt, die mit eingemachten Früchten gefüllt werden, worauf das Ganze mit Waſſerdampf gekocht wird, indem man es in ein verſchloſſe⸗ nes Gefäß thut, das man in einen Topf mit kochendem Waſſer ſtellt.

Am achtundzwanzigſten und neunundzwanzigſten Tage wird an einer Wand des Zimmers ein großer Tiſch mit Früchten und Kuchen aufgeſtellt, über den man eine Tafel an der Wand aufhängt, die mit den Namen ſämmtlicher Familienglieder beſchrieben iſt. Neben die Eßwaaren legt man einen Stab auf den Tiſch, auf dem die Worte Ta-ki, Ta-li (Glück, Freude!) ſtehen, deſſen Anwendung wir ſpäter ſehen werden.

Am neunundzwanzigſten Tage bereitet man die Feſt⸗ kleider vor und Jeder bleibt die ganze Nacht über wach bei dieſer Beſchäftigung, ſo daß alle Häuſer die Nacht hindurch hell erleuchtet ſind.

Um drei Uhr Morgens zieht man das Feſtkleid pau-tsse an, nimmt den kleinen, auf dem Tiſche liegenden, oben beſchriebenen Stab, öffnet die Thür und ſchleudert ihn in den Hof. Dann kehrt man in das Haus zurück, ein Licht zu holen, und die eigentliche Feier beginnt. Im Hofe ſteht ein gedeckter Tiſch, auf dem ein gebratenes Spanferkel und ein gebratenes Huhn paradiren, während auf jeder Seite des Tiſches zwei Kerzen aufgeſtellt ſind, die man jetzt anzündet. Etwas weiterhin iſt das Cypreſſenholz aufgeſchichtet, das mit Strohbündeln in Flammen geſetzt wird und mit großem Gekniſter verbrennt, wobei ganze Funkengarben umherſprühen. Wenn der Wind den letzten Funken davongeführt hat, ſteckt man drei der oben ſchon genannten Räucherkerzchen in einen auf dem Tiſch ſtehenden Topf, welche langſam verbrennen; das iſt der feierliche Augenblick für das allgemeine Gebet alle Mitglieder der Familie und ſämmtliche Hausgenoſſen knieen im Hofe nieder und erflehen vom Himmel Glück für ſich und Alle, die ihren Herzen nahe ſtehen.

Nach beendigtem Gebet nimmt man eine flüchtige Mahl⸗ zeit ein, die aus einem mit gehacktem Fleiſch gefüllten Teig, einer Art Paſtete, tsao-chin genannt, beſteht; dann beeilt ſich Jeder, vor die Hausthür zu treten und die Nachbarn zu begrüßen, indem er den Kopf bis zur Erde vor ihnen neigt.

Hierauf bringt man das Feſt in der Familie zu, wo fröhliche Mahlzeiten gehalten werden; für die Kinder

Zeitung.

beſonders iſt der Neujahrstag ein Glückstag; ihre Taſchen werden von allen Verwandten mit Spielzeug, Kuchen und Orangen, ka-tse, vollgeſtopft, und außerdem bekommt Jedes noch ein ſorgſam zuſammengefaltetes rothes Papier, welches fünfzig Kupfermünzen, ton- tsien, enthält.

Man begiebt ſich in großem Feſtſchmuck in die Pagoden zum Gottesdienſt, wo man eine zahlreiche Verſammlung antrifft und mit allen Bekannten Glückwünſche austauſcht. Die gegenſeitigen Beſuche und Einladungen dauern bis zum fünften Tage des neuen Jahres, dann geht Alles wieder im gewohnten Geleiſe fort, nur einen Gebrauch müſſen wir noch erwähnen, der der Feſtlichkeit als Abſchluß dient. 3

Um zwei Uhr des Morgens am fünften Tage des neuen Jahrs geht jeder Hausvater mit einem Korbe, in dem Aſche, eine Kerze und ein Räucherkerzchen enthalten ſind, vor die

Hausthür auf die Straße, kniet dort nieder und ſchüttet den

Inhalt aus, worauf er in ſein Haus zurückkehrt, ohne einen einzigen Blick nach rückwärts zu wenden, was ihm ſicher Unglück bringen würde, wie man denn überhaupt mit ängſt⸗ licher Genauigkeit auf die Erfüllung aller vorgeſchriebenen Gebräuche hält, in deren Vernachläſſigung man ein böſes Omen ſehen würde. r.

Die wirkliche Geſchichte der Sophonisbe.

Dieſe intereſſante hiſtoriſche Frauengeſtalt iſt in der epiſchen und beſonders in der dramatiſchen Poeſie ungemein oft als Heldin verwendet worden. Es geſchah dies bis in neuere Zeit hinab, in der man ſich wieder mit mehr Sympathie antiken Figuren zuwendet, ſo häufig, daß es nicht unwill⸗ kommen ſein wird, die Wirklichkeit von der Dichtung und ihrem Zuſatz freier Erfindungen auszuſcheiden. Wir folgen dabei dem anonymen Verfaſſer eines neueſten Trauerſpiels, auf das wir vielleicht zurückkommen.

Um die Zeit des zweiten puniſchen Krieges geboten über die numidiſchen Völkerſtämme im nördlichen Afrika zwei feindliche Fürſten. An der weſtlichen Grenze des karthagiſchen Gebiets lag das Reich der Maſſyler; hier herrſchte König Maſſiniſſa, der in der Stadt Cirta reſidirte. Das Land der Maſäſyler, welches weiter nach Abend hin bis an das Reich der Mauren ſich erſtreckte, gehorchte dem König Syphax.

Jener zweite und gewaltigſte unter den Kriegen, welche die Republiken Rom und Karthago um die Herrſchaft über das Ländergebiet des Mittelmeeres führten, hatte noch nicht die entſcheidende Wendung genommen. Hannibal, unbeſiegt und noch immer gefürchtet, ſtand im Süden Italiens. Die

Leitung der Dinge in Karthago führte ein rühriger und

gewandter Parteimann, Hasdrubal, Gisgon's Sohn. Ihm gelang es, den König Syphax durch eine Heirath dem Bünd⸗ niß abwendig zu machen, in dem er bis dahin mit den Römern geſtanden hatte. Seine eigene Tochter Sophonisbe war es, deren Reiz und hoher Sinn das Herz des Numidiers der karthagiſchen Sache gewann. Von dem neuen Verbündeten getrieben und unterſtützt, begann Syphax Krieg mit ſeinem alten Nebenbuhler. Nach tapferem Widerſtande erlag der ſchwächere Maſſiniſſa dem Angriff, der ihn von zwei Seiten

her erdrückte. In zwei Schlachten ward er überwältigt und

ſein Reich dem Syphax unterworfen. Flüchtig, mit einer kleinen Schaar von Reitern, hielt er ſich in der Wüſte ver⸗ borgen.

Um dieſe Zeit war es, als das ſchwer erſchütterte Rom ſich hinlänglich erſtarkt fühlte, um wieder im Angriff gegen Karthago vorzugehen. Es ward der kühne Entſchluß einer

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