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„Davon kann nicht die Rede ſein,“ fiel Kirchheim verbindlich ein,„Sie ſehen uns hier noch Alle munter, und ein ſo guter Geſellſchafter, wie Sie, iſt zu jeder Zeit willkommen. Knüpft ſich aber an Ihr unerwar⸗ tetes Erſcheinen vielleicht ein kleines Abenteuer, ſo wird die Mittheilung deſſelben nur dazu beitragen, uns die Zeit zu verkürzen. Treten Sie ein, meine Herren, und laſſen Sie uns im Salon Platz nehmen.“
Der Capitän öffnete bei dieſen Worten die an die Terraſſe grenzende Flügelthüre, und die kleine Geſellſchaft trat in das gemüthlich eingerichtete Wohn⸗ zimmer, welches durch zwei Wachskerzen erhellt wurde.
„Ich weiß nicht, ob ſich die Herren kennen,“ fuhr der Veteran, ſich zu dem Franzoſen und dem Fremden wendend fort,„Herr Lieutenant Billot von der Gens⸗ d'armerie— Herr Maler Werner,“ ſetzte er mit einer Verbeugung hinzu, indem er zugleich durch einen ſtum⸗ men Wink zum Sitzen einlud.
Juſtine hatte inzwiſchen die beiden Gäſte ihres Vaters im Auge behalten und ihrer ſcharfen Beobach⸗ tungsgabe entging es nicht, daß dieſelben ſich nur mit großer Kälte und Zurückhaltung begrüßten.
„Nun erzählen Sie uns Ihr Abenteuer, Herr Werner, wenn ein ſolches Sie nämlich hierher geführt hat,“ ſagte freundlich der Capitän, nachdem man um den runden Tiſch im Zimmer Platz genommen hatte.
„Ich bedaure wirklich, daß ich damit nicht auf⸗ warten kann,“ entgegnete der junge Mann,„der Nebel und die Unkenntniß des Weges allein tragen die Schuld, daß ich Sie noch ſo ſpät belaͤſtige.“
„Sie haben ſich alſo vexirrt?“
„Ich habe in der Thak beim Nachhauſegehen die Richtung verfehlt.“
„Ja, ja,“ lächelte der Alte,„ſo Etwas fällt hier wohl vor, iſt es mir doch auch ſchon mehrere Mal paſſirt, ungeachtet ich doch nun wohl Zeit gehabt hätte, Terrainkenntniſſe zu ſammeln. Aber die beiden Schüſſe müſſen Sie doch gehört haben, welche vor etwa zehn Minuten hier ganz in der Nähe fielen?“
„Allerdings; ich vermuthe, ſie rühren von einem Zuſammentreffen der Douanen mit den Schmugglern her.“
„Sie ſind im Irrthum, mein Herr,“ fiel hier Billot ein, indem er ſich zugleich feierlich erhob und einen Schritt auf den Fremden zutrat;„betrachten Sie gefälligſt Ihren Hut und Sie werden finden, daß eine der Kugeln ſich durch denſelben einen Weg ge⸗ bahnt hat.“
Die Wirkung, welche dieſe Worte auf die An⸗ weſenden hervorrief, war eine ſehr verſchiedene.
Capitän Kirchheim heftete ſeinen Blick mit dem
Ausdruck der höchſten Ueberraſchung auf den Maler
Novellen⸗
Zeitung.
und wartete mit ſichtbarer Spannung auf die Antwort deſſelben, Juſtine ſtieß einen leiſen Schrei aus und bedeckte ihr Geſicht mit beiden Händen; der Gens⸗ d'armerie⸗Ofſicier endlich war dem Fremden noch näher getreten, offenbar in der Abſicht, die geringſte ſeiner Bewegungen auf das Sorgfältigſte zu überwachen. Dieſer erhob jetzt ſtolz ſeinen Kopf und ſagte mit feſter Stimme:
„Es war kaum der Mühe werth, einer ſolchen Bagatelle Erwähnung zu thun; ich hatte den kleinen Riß bisjetzt gar nicht bemerkt— er ſcheint wirklich von einer Kugel herzurühren.“
„Ja, und noch dazu von der Kugel eines meiner Gensd'armen,“ ergänzte ebenſo beſtimmt der franzö⸗ ſiſche Officier.„Kurz und gut, mein Herr, ich ver⸗ hafte Sie im Namen des Kaiſers. Sie ſind von dieſem Augenblick an mein Gefangener!“
„Welches Recht haben Sie hierzu?“ fragte mit furchtloſem Blick und ſeinem Gegner ruhig ins Auge ſehend, der Maler.
„Sie führen einen falſchen. Namen und ſind nicht der, für welchen Sie ſich ausgeben.“
„Hier iſt mein Paß,“ entgegnete der Andere, indem er in ſeine Bruſttaſche griff,„wenn Sie ſich überzeugen wollen, ſo werden Sie finden, daß derſelbe in gehöriger Form von dem Präfecten des Ocker⸗
Departements für den Maler Julius Werner zu einer
Reiſe nach Elsfleth und Umgezend ausgeſtellt iſt.“
„Das geſchah zur Zeit, als ſich der Herzog von Braunſchweig für einen Tag in ſeiner Reſidenz be⸗ fand. Dieſer Paß wurde auf ſeinen Befehl ausge⸗ fertigt und Sie, mein Herr, gehören zu ſeinen nächſten Vertrauten.“
„Ich würde es mir jedenfalls zur größten Ehre anrechnen, einem ſo edlen deutſchen Fürſten ſo nahe zu ſtehen, aber ich muß Ihre Behauptung ſo lange zurückweiſen, als Sie keine beſſeren Beweiſe dafür beizubringen vermögen.“
„Wenn ich mich hierzu herablaſſe,“ entgegnete
kalt der Franzoſe,„ſo geſchieht es lediglich aus Rück⸗
ſicht für dieſe achtungswerthe Familie, deren nberer Freundſchaft ich mich rühmen darf.“
„Sie verſtehen darunter doch wohl nur Gaſtfreund⸗ ſchaft, Lieutenant Billot,“ bemerkte Juſtine, indem ſie vortrat und dem Gensd'armerie⸗Officiere einen Blick des Unwillens zuwarf.
Billot fühlte die tiefe Demüthigung, welche für
ihn in dieſen Worten lag, und ein tiefes Roth ergoß
ſich über ſeine männlichen Züge, aber er bezwang ſich und antwortete nur durch eine ſtumme Verbeugung. „Ich muß Ihnen ebenfalls geſtehen, daß es mir
im hochſten Grade unangenehm iſt, daß Sie mein
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