Jahrgang 
1-26 (1867)
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ſevhrt R⸗ liſerung 22 Arguſ werde aus⸗ leſes Urtheil kensbench zu der General⸗ den Melin cht vom 24. ontreal vor⸗ ergeben ließ. eich an Bord dkamen mit kurz nachher Proceß ein⸗

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Leiden der Einzelnen unter.

Vierte

umſchatten ihr Geſicht, wie die langen Wimpern ihr Auge. Der alte Vater legt ſeine Hand auf den weißen Nacken ſeines Kindes.Woran denkſt Du jetzt, mein Kind?

Ich denke, Vater, an die Krieger auf den Schiffen, die jetzt auf dem ſchwarzen Meere kreiſen, und an die in den Baracken im Lager, an die Kämpfenden auf dem Schlachtfelde, an die Verwundeten und Sterbenden, deren Seufzer dieſer Sturm verweht.

Immer ſo trübe Gedanken, mein Kind! Geh', Du biſt eine Träumerin.

Ach, wie beneide ich meinen Beuder, der als Arzt das Elend theilweiſe erleichtern, den Unglücklichen helfen und ihre Gefahr theilen kann!

Eben darin ſiehſt Du den Beweis, daß wir unſerer⸗ ſeits nicht anſtanden, dem verhängnißvollen Kriege ein Opfer zu bringen. Als Dein Bruder ohne meine Genehmig⸗ ung mich verließ und von mir nicht gebilligten Studien ab⸗ lag, hab' ich mich von ihm abgewendet. Als der Krieg dann zwiſchen Rußland und den Fremden, die ihn herbrachten, ausbrach, und mein Sohn als Arzt heimkehrte, bot ich meine Verzeihung unter der Bedingung an, in Kriegsdienſtzu treten und während der Nothzeit ſeinen ruſſiſchen Brüdern zu helfen. Als mein früher geringes Vermögen in Folge der übernommenen Kriegslieferungen raſch wuchs, beeilte ich mich den unſchuldigen Opfern der Quelle meines Reichthums einige namhafte Gaben zuzuführen. Ich habe ein Spital erbauet und für die Kranken Erfriſchungen hingeſchickt; ich habe in die Invalidencaſſe meinen Beitrag niedergelegt und durchmarſchirende Militärs finden in meinem Hauſe eine gaſtfreie Aufnahme. Dein weiches Herz hat mir dictirt und das meine hat nie verneint.

Gewiß, lieber Vater, Du thateſt was Du vermochteſt, die Lage Jener, die ihre Pflicht auf das Feld, wo eiſerne Würfel geworfen wurden, führt, zu verbeſſern. Die Wohl⸗ thaten, mögen ſie noch ſo reichlich fließen, lindern, aber helfen nicht. Wenn ich ſo in meinem Lehnſtuhl ſitze, das Zimmer iſt geheizt, helle Kerzen erleuchten den mich umgebenden Wohlſtand, die Speiſen dampfen auf dem Tiſche, das weiche Bett wartet auf meine Müdigkeit und ich im Kreiſe der Meinen Niemand als einen Bruder vermiſſe, dem ich ſein Loos und ſeinen Beruf neide: kann ich mir nur mit ſchwarzen Farben des Schickſal Derer malen, die draußen auf Leben und Sterben kämpfen. Wer und was kann ihnen das Weib und die Kinder daheim, die harrende Braut oder den greiſen Vater am Stabe erſetzen? Wer und was giebt ihnen ihr Geſicht, wenn ſie erblinden, ihre Arme, wenn ſie zerſchmettert werden, ihre Kräfte, wenn ſie vernichtet ſind? Wer drückt ihnen die Augen zu, ſpricht ihnen Muth und Troſt ein, wenn ſie Beides brauchen, und bettet ſie zur Ruhe, wenn ſie ausgekämpft haben?

Deine Farbe iſt ſchwarz, Fanny, wirft ein junger Mann ein, der neben der Jungfrau ſitzt und der Brudersſohn ihres Vaters iſt.Wie der Baum im Walde verliert ſich das Individuum in der Maſſe. Im Wohl und Wehe, im Siege oder in der Niederlage der Geſammtheit taucht das Die Todesverachtung iſt an⸗ ſteckender als die Todesfurcht. Die Trommeln wirbeln, die Kanonen donnern, die Gewehre knattern, die Leidenſchaften ſind aufgeregt und aufgejagt, der Pulverdampf berauſcht die Sinne und trunken von Muth und Kühnheit ſchwindet die Beſinnung, die kühle Berechnung, die die Möglichkeiten wägt. Wo der Tod am tollſten ſpielt, wo am dichteſten die Figuren auf dem blutigen Schachbrete des Schlachtfeldes hinkollern,

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Folge. 93 dorthin wirft ſich, ſelbſtvergeſſen, der Kämpfer und trägt ſeine Wunde wie eine Decoration davon!

Eine Pauſe entſteht, bis Fanny Worte findet; man hört den Wind, der an den Fenſtern rüttelt und den Schnee gegen die Scheiben treibt, und den Ton einer Glocke, der immer näher kommt.Reiſende! ruft das Mädchen auf⸗ horchend.Das Wetter treibt uns ſicherlich Gäſte zu. Die Glocke nähert ſich in der That dem Hauſe und hört vor dem Hofthore zu läuten auf; bald darauf geht die Zimmerthür auf und eine hohe in einen überſchneiten Mantel gehüllte Perſon tritt in's Gemach.Waſil Waſiliwitſch! ruft der Hausherr, aufſtehend,treten Sie ein, werfen Sie Ihren Mantel ab und ſetzen Sie ſich zu uns. Der Gaſt rührt ſich nicht.Warum bleibt unſer Freund Waſil Waſiliwitſch an der Thüre? Sie haben ein häßliches Wetter gehabt, treten Sie an den Ofen. Sie bleiben doch über Nacht? Nein, ich muß wieder fort, gleich wieder fort mich führt ein trauriges Geſchäft hierher.Zu uns?,Leider ja, leider in eine Familie, bei der ich ſo oft die freieſte Gaſt⸗ freundſchaft genoß.Aber was bedeutet Ihr trübes, un⸗ heilverkündendes Geſicht?Eine Hiobspoſt.Reden Sie, um Gotteswillen, reden Sie, Waſil Waſiliwitſch! rief die ganze Familie unter fürchterlicher Aufregung.

Es iſt mir vom Polkownik der Auftrag geworden, Sie ſogleich zu verhaften, Gospodin Jakob Michaelzow. Ver⸗ haften?Verhaften und unter ſtrenger Bewachung nach Kiſchenew abführen.Aber wofür, mein Gott, wofür? fragte der Mann, die Hände ringend.Das weiß ich wahr⸗ haftig weniger als Sie. Aber Befehl iſt Befehl. Ich bin Soldat und muß gehorchen, ſo ſehr ich's bedauere, das unfreiwillige Werkzeug zu ſein.Hat der Polkownik höheren Auftrag zu meiner Verhaftung erhalten?Ja, vom Gouverneur ſelbſt.Was kann ich verbrochen haben? Kennen Sie, Waſil Waſiliwitſch, eine Handlung von mir, die ſträflich wäre?Ich bin ebenſowenig Kläger, als Richter, ſondern das willenloſe Werkzeug, das ſich un⸗ gern gegen Sie kehrt. Courage, Gospodin Michaelzow, und folgen Sie mir, weil es denn ſein muß!

Da half kein Sträuben, kein Bitten, kein Zögern; da half die vorgeſchützte Weihe des Sabbaths nicht, der Officier verließ das Zimmer, in welchem er oft ein will⸗ kommen geheißener Gaſt zu ſein pflegte, und zwei Soldaten, das Gewehr beim Fuß, traten an die Thüre, den vernichteten Herrn des Hauſes zu erwarten. Weinend hingen die Kinder an dem Halſe des unglücklichen Vaters, der ſie unter Thränen umarmte. Im Hofe, wo ſich das beſtürzte Dienſtvolk ſcheu an die Mauer drückte, ſtand eine enge Kibitke, deren Pferde, halb erſtarrt, im Schnee ſcharrten, und von den Soldaten escortirt, flogen ſie mit ihrem Gefangenen in die dunkle, ſtürmiſche Nacht hinaus, Jammer und Verzweiflung in dem früher ſo friedlichen und ſtillen Hauſe zurücklaſſend.

Brauſend ging der Zug gegen Kiſchenew und den nächſten Abend ſchloſſen ſich die Pforten des dortigen Ge⸗ fängniſſes hinter dem neuen Einwohner.

Mehrere Tage gingen bleiern hin, ohne daß ein Strahl von Aufklärung in Michaelzow's ungewiſſe und troſtloſe Lage fiel. Seine betrübte Familie folgte ihm und erlangte unſchwer Zutritt zum Gouverneur ſelbſt, um ſich Gewißheit über die Anklage zu verſchaffen, die auf ihrem Haupte laſtete. Weinend erzählten die Kinder das Geſchick, von dem ihr Vater ſo unverdient betroffen worden, und flehten um Ge⸗ rechtigkeit.

Jakob Michaelzow arretirt? frug der Geuverneur