Jahrgang 
1-26 (1867)
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Vierte Folge.

fremdem Eigenthum zu vergreifen. Großartige Betrügereien dieſer Art ſind in den letzten paar Jahren zahlreich in Frankreich, England und Nordamerika, weniger in Deutſch⸗ land vorgekommen und ſeit dem 3. December wird in Poitiers in Frankreich vor dem Geſchworenen⸗Gericht ein ſolcher Proceß gegen Lamirande, den früheren Caſſirer der Succurſale der franzöſiſchen Bank in Poitiers, verhandelt, welcher aus verſchiedenen Gründen ein ungewöhnliches Intereſſe erweckt, weshalb er wohl verdient, daß wir Näheres darüber hier mittheilen.

Erneſt Sureau Lamirande, geboren in Civray und jetzt 33 Jahr alt, gehört einer ſehr angeſehenen und geachteten Familie an, ſtudirte die Rechte, erhielt aber im Jahre 1858 den Poſten als Caſſirer der Zweigbank in Poitiers mit einem jährlichen Gehalt von 4000 Fr. und freier Wohnung in dem Bankgebäude. Das Spiel und die koſtſpielige Unterhaltung zweier Maitreſſen verleiteten ihn zu Veruntreuungen, die im November 1862 begannen, und obgleich ſich dieſelben bis zum März dieſes Jahres bis auf die Summe von 219,000 Fr. beliefen, ſo wußte er dieſelben doch ſo geſchickt zu ver⸗ bergen, daß bei ſeinen Vorgeſetzten kein Verdacht gegen ſeine Ehrlichkeit entſtand, was um ſo auffallender iſt, da man all⸗ gemein wußte, daß ſeine großen Ausgaben zu ſeinem Gehalte in gar keinem richtigen Verhältniß ſtanden.

Montags am 12. März c. ſetzte der Director Bailly der Zweigbank in Poitiers den Caſſirer davon in Kenntniß, daß er an demſelben Tage eine Million in Gold und am folgenden Tage 500,000 Fr. in Silber an die Zweigbank in Angouléme abzuſenden habe. Lamirande beſorgte denſelben Tag die Abſendung der Million in Gold, aber des Abends verließ er heimlich ſeinen Poſten, nahm einen Platz in der Eiſenbahn und erreichte die belgiſche Grenze, ehe noch der mindeſte Verdacht gegen ihn aufgetaucht war.

Vor ſeiner Abreiſe hatte er einen an den Director Bailly adreſſirten Brief geſchrieben, welcher demſelben aber erſt am folgenden Tage zugeſtellt werden ſollte, worin er demſelben meldete, er ſei gezwungen, ſich ganz unerwartet nach Chatellerault, wo ſeine Familie wohnte, zu begeben, habe ſeine Schlüſſel dem Herrn Queyriaux, dem Chef der Comptabilität, gelaſſen, und werde frühzeitig genug zurück ſein, um den Caſſenabſchluß beſorgen zu können. Zu der⸗ ſelben Zeit hatte er dem Herrn Queyriaux geſchrieben, er ſei gezwungen ſofort nach Chatellerault zu reiſen und bitte ihn am PWgenden Tage für ihn die Caſſe zu beſorgen und durch die Bankdiener die Silberſendung nach Angouléme beſorgen zu laſſen. Er hatte hinzugefügt, er werde zu rechter Zeit zurück ſein, um den Caſſenbericht beſorgen zu können. Dieſes Billet und die beiden Schlüſſel, welche die beiden unteren Abtheilungen der laufenden Caſſe öffneten, wurden dem Herrn Queyriaux von einem Dienſtmanne, in Frankreich Commiſſionnäre genannt, überbracht.

Die plötzliche Abreiſe Lamirande's konnte anfangs keinen Verdacht erwecken, weil er im Laufe des Tages die Vorſicht gehabt hatte, mehreren Perſonen zu erzählen, ſein Neffe in Chätellerault ſei gefährlich erkrankt und der Zuſtand

dieſes Kindes flöße ihm die größten Beſorgniſſe ein. 3

Am 13. März ſchritten die Beamten der Bank zur⸗

Abſendung der 500,000 Fr. in Silber nach Angouléme. Man nahm zu dieſem Zweck 500 Säcke à 1000 Fr. aus dem Gewölbe der Bank, welche in 50 zu dieſem Zweck bereit ge⸗ haltene Taſchen(Sacoches) gepackt wurden, von denen jede 50 Kilogramm wiegen mußte, die man auf einen Laſtwagen lud und von einem Beamten und einem Bankdiener begleitet

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nach dem Bureau der Meſſageries transportirte. Hier wurden ſie gewogen und es ſtellte ſich ſofort heraus, daß die meiſten Taſchen ein geringeres Gewicht hatten, als ſie haben ſollten, und daß ſich für jede Sacoche ungefähr ein Deficit von 2000 Fr. ergebe. Der Bankdirector wurde davon ſogleich in Kenntniß geſetzt, worauf er das Geld in die Bank zurückbringen ließ. Hier wurde das Geld in jedem der 500 Säcke nachgezählt und es ſtellte ſich dabei heraus, daß in 310 derſelben je 200 Fr. in Fünffrankenſtücken fehlten.

Einer der Cenſoren, Herrn de Gretry, und Einer der Adminiſtratoren, Herr Pavie, wurden davon benachrichtigt. Sie begaben ſich ſofort in das Gewölbe, aus dem dieſes Silber genommen worden war, und ſie überzeugten ſich, daß derſelbe Betrug bei vielen Säcken mit Silber ſtattfand. Außerdem fanden ſie, daß mehrere Säcke, von denen jeder 10,000 Fr. Gold in Zwanzigfrankenſtücken enhalten ſollte, an deren Stelle nur Franken und Fünfzigcentimesſtücke enthielten, und am Ende der Unterſuchung ſtellte es ſich heraus, daß der Caſſirer 219,000 Fr. an Silber und Gold veruntreut habe. Indeſſen hatte Lamirande dem Herrn Queyriaux den Schlüſſel zur obern Abtheilung der Caſſe nicht mit zugehen laſſen, worin ſich eine bedeutende Summe theils in Bank noten, theils in Gold befinden mußte. Man ließ ſofort aus Paris einen geſchickten Schloſſer kommen, der das Schloß öffnen ſollte, der auch am folgenden Tage mit einem Bank⸗ beamten aus Paris ankam, und ſeine Aufgabe löſte. Es ſtellte ſich nun bei der Unterſuchung heraus, daß ſämmtliche Tauſendfrankenbillete verſchwunden waren, dagegen waren noch 400 Billete à 100 Fr. vorhanden, die ein zu dickes Paquet bildeten, als daß Lamirande ſich damit hätte befaſſen wollen. Außerdem waren noch zwei Säcke da, von denen jeder nach der Aufſchrift 20,000 Fr. in Gold enthalten ſollte, aber bei der Unterſuchung fand es ſich, daß die Rollen anſtatt Zwanzigfrankenſtücke ebenfalls nur Zweifranken⸗ und Fünfzig⸗ centimesſtücke enthielten, die erſt in weißes und dann in blaues Papier gewickelt waren, ſo daß ihr Gewicht bis auf ein Centigramm genau das einer Summe von zwanzigtauſend Fr. in Gold war. Die ganz genaue Unterſuchung ergab in dieſer Caſſe eine Veruntreuung von 485,000 Fr., demnach zuſammen einen der Bank veranlaßten Verluſt von 704,000 Franken.

Jetzt war kein Zweifel mehr übrig. Die Flucht des Caſſirers war der Beweis ſeiner Schuld. Außerdem war es erwieſen, daß der Caſſirer dieſen großen Diebſtahl allein hatte begehen können. Einestheils beſorgte er ausſchließlich die Führung der laufenden Caſſe, die er am 12. März geleert hatte, und dann konnte er allein in dem Gewölbe das Silber und Gold entwenden, weil er ſtets zugegen war, wenn Gelder darin niedergelegt oder daraus entnommen wurden, während der Director, welcher den zweiten Schlüſſel zum Gewölbe hatte, nicht immer von Anfang bis zu Ende des Geſchäfts zugegen blieb und Lamirande oft in der Zeit, wo die Bank⸗ diener den Transport der Geldſäcke beſorgten, allein im Ge wölbe war.

Die Flucht des Caſſirers wurde ganz plötzlich durch den unerwarteten Auftrag, 500,000 Fr. in Silber nach An⸗ gouléme zu ſchicken, herbeigeführt, denn es war augenſcheinlich, daß bei einer ſo großen Summe die Silberreſerve der Bank angegriffen werden und dann ſich bei dem Wiegen die Ver⸗ untreuung unfehlbar herausſtellen mußte. 1

Dieſe Veruntreuungen hatten Lamirande natürlich auch zu Fälſchungen gezwungen. Seine Functionen als Caſſirer