Jahrgang 
1-26 (1867)
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In der Darſtellung ſeines Lebensganges, ſeiner künſtleriſchen und perſönlichen Selbſtführung hat Goethe die große Schwierigkeit überwunden, ſich ſelbſt weder zu unterſchätzen noch zu überſchätzen, ſondern gerecht zu ſein gegen ſich und ſein Zeitalter. Er war der Erſte, der die Imponderabilien des Geiſteslebens, die in der Völkergeſchichte wirken, zu faſſen vermochte, und ſo hat er auch der Kunſt der Hiſtorie friſchen, lebensvollen Inhalt gegeben. In ſeinem Wirken wie in ſeinem Sein iſt er eine Quelle geſchichtlicher und rein menſchlicher Erkenntniß.

Die Selbſtbiographie Goethe's vollendet ſeine allſeitig herausgearbeitete dichteriſche und menſchliche Erſcheinung. Dieſe Biographie, wie die nicht genug hochgehaltenen Eckermann'ſchen Geſpräche und der reiche noch immer unerſchöpfte Briefwechſel vollenden das Bild des großgearteten Künſtlers und Menſchen, wie keine andere Zeit und kein anderes Volk ſolch' ein umfaſſendes herausgeſtellt hat.

Die Werke Goethe's und ſein Leben ſind die beiden Seiten oder Erſcheinungsweiſen ein und der⸗ ſelben Subſtanz, und dieſe wird nur durch Zuſammen⸗ ſchluß beider voll begriffen und erfaßt.

In ſeiner Selbſtbiographie hat Goethe ein neues, wenn auch mit ſeiner bisherigen Vortragsweiſe vielfach zu⸗ ſammenſtimmendes Muſter der Erzählungskunſt gegeben.

In ſeinen Romanen ſtellt ſich Goethe nach ver⸗ ſchiedenen Seiten hin excluſiv. Künſtleriſch ſtreng führt er nur die dem Thema zuwirkenden Kräfte ein und läßt die im gewählten Kreiſe ſtehenden Figuren ihre Eigenart kundgeben. Was aus anſchließenden Kreiſen durch Nebenfiguren hereinragt, wird in die allgemeine Stimmgebung abgetönt. Welche Wirkungen die Vorgänge und Ereigniſſe auf draußen ſtehende Perſonen und Kreiſe übten, und welche der geſchloſſene Kreis empfängt, das bleibt ausgeſchieden und unaus⸗ geſprochen oder wird nur kurz angedeutet.

Auch von der Geſammtwirkung der Zeit ab⸗ geſehen von Werther und einigen Producten der Ver⸗ ſtimmung hebt Goethe den Gang ſeiner Erzäh⸗ lungen ſorgfältig ab. Nur in leiſen Andeutungen iſt der Witterungswechſel des Zeitlebens bemerkbar.

Novellen⸗Jeitung.

In ſeiner Lebensgeſchichte ſchließt Goethe den allſeitigen Horizont der Geſchichtsperiode auf und zeigt deren Einwirkung auf das Naturell.

Das Buch ⸗Wahrheit und Dichtungs iſt dadurch nicht nur eine Quelle zur Erkenntniß des Dichters, wie ihm Zeit und Lebensgenoſſen erſ en und dem⸗ gemäß auf ihn wirkten, welche eingeborene Naturkräfte ſie in ihm weckten und umbildeten, und welche That⸗ ſachen ſie zur Bewältigung darboten dies Buch iſt auch eine lebendige Quelle allgemeiner Geſchichts⸗ erkenntniß geworden und bietet in der Zeichnung von Charakteren und Verhältniſſen, wie in der Fixirung von Stimmungen eine Fülle des Lebens, ſo daß die Vergangenheit zur Gegenwart wird, wie ſie es dem Dichter ſelbſt geworden.

Eine Trias erhabener Geiſter hat auch auf Goethe eingewirkt, und er bekennt ſich als deren Jünger. Homer wird ſchon im Werther unter der Linde wieder⸗ holt geleſen; er iſt für Werther⸗Goethe das einzige Buch, das unter freiem Himmel geleſen werden kann, und in der Dichtung ſelbſt erkennen wir jene ſachlich treffende Darſtellung Homer's, die Natur⸗ und Menſchenleben mit freiem Blick erfaßt und feſthält. In Wilhelm Meiſter wird die tiefe Nachwirkung aus dem Einblicke in die Shakeſpeare'ſche Welt aufgezeigt. Unausgeſprochen in den ⸗Wahlverwandſchaften⸗ und ausgeſprochen in ⸗Wahrheit und Dichtung» wird die alles begreifende Weltanſchauung oder, wie es Goethe nennt,-die alles ausgleichende Ruhe⸗ Spinoza's be⸗

kannt. Neben Homer, Shakeſpeare und Spinoza glänzt

im Sonnenſyſtem der Geiſter der Stern Goethe im ureigenen, ewig leuchtenden Glanze und ſo oft wir uns in ſeinen Strahlenkern verſenken und die Welt umher in ſeinem Lichte betrachten, klingt es in uns wieder:

⸗Und wenn mich am Tag die Ferne

Blauer Berge ſehnlich zieht,

Nachts das Uebermaß der Sterne

Prächtig mix zu Häupten glüht,

Alle Tag' und alle Nächte

Rühm' ich ſo des Menſchen Loos;

Denkt' er ewig ſich in's Rechte,

Iſt er ewig ſchön und groß!

Feuilleton.

Lamirande's Proreß in Poitiers.

Es iſt eine für den ruhigen Beobachter, der ſeine Mit⸗ menſchen beſonders nach ihrem ſittlichen Werthe zu beurtheilen pflegt, ſehr traurige Erſcheinung, daß in der neueren Zeit die großartigen Unterſchleife und Geldentwendungen immer

häufiger werden und gerade unter denjenigen Perſonen, bei denen man die ſtrengſte Ehrlichkeit vorausſetzt, da ihnen große Caſſen anvertraut und ſie im Beſitz eines Gehaltes ſind, das ihnen ein anſtändiges Auskommen gewährt und ſie vor jeder Noth ſchützt, die ſie in Verſuchung führen könnte, ſich an

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