Jahrgang 
1-26 (1867)
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ſellſchaft plötzlich eine neue, gänzlich veränderte Rich⸗ tung ertheilten. Juſtine ſtieß einen ihren Vater mit dem Beſorgniß an. Es iſt nichts, meine einem ruhigen Lächeln ihre

leiſen Schrei aus und blickte Ausdruck der Bangigkeit und

Tochter, ſagte dieſer, mit Hand ergreifend;beruhige Dich, es werden Douanen ſein, die eine Bande Schmuggler verfolgen; ſo Etwas fällt ja faſt täglich in dieſer Gegend vor. Habe ich nicht Recht, Lieute⸗ nant Billot?

Die Frage wurde von dem Officier ganz über⸗ hört. Er war bis an den äußerſten Rand der kleinen Terraſſe getreten und horchte mit geſpannter Aufmerk⸗ ſamkeit in die Nacht hinein.

Nun, was haben Sie denn? fragte der Capitän, an die Seite des Lieutenants tretend, indem er nun

ebenfalls Auge und Ohr anſtrengte, um zu verſuchen,

entgegnete nachdenkend Kirchheim. hier in meiner Wohnung allerdings unangenehm und wenn Sie es vermeiden können, ſo werde ich Ihnen dafür Dank wiſſen.

ob er in der Finſterniß etwas gewahr werden könnte.

Hören Sie nicht ein Geräuſch? fragte Billot nach einer kleinen Pauſe.

Nicht das mindeſte.

Doch doch ich möchte faſt darauf wetten.

Aber ich verſichere Sie, Sie irren ſich, ich habe ein gutes Gehör, auf welches ich mich trotz meines Alters verlaſſen kann. Der ganze Vorfall iſt übrigens zu unbedeutend, um noch weiter darauf zu achten; kommen Sie, es wird kühl, wir wollen uns in das Wohnzimmer begeben und dort wie gewöhnlich unſere Partie Schach ſpielen.

Geſtatten Sie mir noch einen Augenblick. Ich will Einen meiner Leute abſchicken, um Erkundigungen über dieſe Schüſſe einzuziehen.

Die Sache hat alſo ein größeres Intereſſe fuͤr Sie, als ich anfänglich glaubte?

Sie vergeſſen, Capitän, daß ich mich heute im A bei Ihnen befinde, entgegnete Billot in einem

veutraulichen, aber doch ernſten Tone.

Ach der Tauſend, dann iſt freilich nicht zu ſpaßen.

Dieſe Schüſſe durchkreuzen meinen Plan.

So, ſo, ich merke nun ſchon, wo es hinaus will.

Ich hatte gehofft, mich einige Stunden geräuſch⸗ los bei Ihnen aufhalten zu können, dieſer Vorfall ändert aber mein Vorhaben.

Wie, Sie wollen uns verlaſſen? fragte über⸗ raſcht der Veteran.

Die Pflicht meines Amtes ruft mich nach einem anderen Orte. Und dann möchte ich auch nicht gern, daß dies Haus vielleicht der Schauplatz eines unan⸗ genehmen Auftrittes würde.

Novellen⸗Jeitung.

Eine Kataſtrophe herbeizuführen, wäre mir

Capitän, ſagte Billot, Kirchheim's Hand ergrei⸗

fend,Sie ſind Soldat wie ich und kennen die Pflich⸗ ten unſeres Standes, die in allen Fällen Gehorſam, in vielen ein rückſichtsloſes Handeln fordern, welches jedes Mitleid ausſchließt. leicht gerade dieſe Nacht in die Lage gerathen, mich von einer Seite zeigen zu müſſen, die namentlich bei Ihrer Mademoiſelle Tochter einen tiefen Eindruck hervorrufen und Vorurtheile gegen meine Perſon er⸗ wecken könnte, die ich um jeden Preis zu vermeiden

Nun könnte ich aber viel⸗

wünſche.

Das iſt brav und ehrlich geſprochen, ſagte der

Veteran, ſeinem Gaſt herzlich die Hand drückend,die Verhältniſſe ſind ernſt und wir leben in Zeiten poli⸗ tiſcher Aufregung, an der ſelbſt die Frauen lebhaften Theil nehmen, und was die Gefühle meiner Tochter betrifft, ſo iſt dieſelbe allerdings ebenfalls durch und durch deutſch geſinnt.

Billot hatte während dieſer letzten Worte wieder unverwandt in die Nacht hinausgeplickt. Jetzt drückte er haſtig den Arm des Capitän und indem er mit der anderen Hand vor ſich hindeutete, flüſterte er:

So hatte ich mich alſo doch nicht getäuſcht, als ich vorhin ein Geräuſch zu vernehmen glaubte. Sehen Sie, dort befindet ſich Jemand am Fuß der Terraſſe, welcher ſeine Schritte unmittelbar hierher lenkt.

Aber wer kann denn das noch ſo ſpät ſein? entgegnete verwundert der Veteran, indem er ſich raſch nach der bezeichneten Gegend wendete und ſich von der Richtigkeit der Bemerkung ſeines Geſellſchafters überzeugte;laſſen Sie uns doch dieſem ſpäten Gaſt entgegentreten, denn ich bin in Wahrheit neugierig, wem ich noch zu dieſer Stunde einen Beſuch zu ver⸗ danken habe.

Die beiden Sprechenden hatten kaum Zeit ſich raſch umzuwenden, als ihnen auch ſchon ein junger, ſchlank gewachſener Mann von edelem Anſtand ent⸗ gegen trat, der ſeinen Hut achtungsvoll zog und ſich mit einem verbindlichen Lächeln vor den Herren, mit beſonderer Ehrerbietung aber vor Juſtine verneigte, die, nicht ohne tief zu erröthen, ſeinen Gruß erwiderte.

Bevor wir jedoch den Leſer von den Urſachen näher in Kenntniß ſetzen, welche den Fremden veran⸗ laßten, ſo unverhofft in den kleinen Kreis der von uns geſchilderten Perſonen zu treten, müſſen wir den⸗ ſelben erſuchen, ſich vorher noch zum Theilnehmer einer kleinen Scene zu machen, die ſich einige Stunden

Das klingt ernſter, als ich anfangs glaubte,

früher in Elsfleth ſelbſt ereignete.

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