Jahrgang 
1-26 (1867)
Einzelbild herunterladen

Hab' ich gerungen nicht im Kampf Mit tauſend Rieſenmächten, Um, dem erhabnen Dulder gleich, Mein Leben zu verfechten?

Hat mich nicht der Sirenen Sang . Gelockt in ſüße Banden? Hab' ich mit unverrücktem Sinn Dem Reiz nicht widerſtanden?

Wund iſt die Bruſt und matt mein Arm, Mein Herz verlaugt nach Frieden; Rings thürmen neue Wetter ſich,

Kein Ziel iſt mir beſchieden!

Wohl blickt mein Auge thränenvoll Empor in tiefen Klagen: Wann wird mich das Phäakenſchiff Zur ſüßen Heimath tragen?

Literariſche Briefe von Otto Banch.

Ein Huſarenofficier Friedrich's des Gro⸗

ßen. Von Jul. v. Wickede. Jena und Leipzig, bei Coſtenoble. Laſſen Sie mich den Erwähnungen früherer

Romane von Wickede hier noch die einer neuen Arbeit dieſes gewandten Erzählers hinzufügen, da dieſelbe, als aus dem gewöhnlichen Rahmen handwerksmäßiger ſogenannter geſchichtlicher Romane heraustretend, zu einigen neuen Bemerkungen Veranlaſſung giebt und zugleich durch eine gewiſſe Ganzheit eines ſcharfaus⸗ geprägten Charakters erfreut.

Angeblich iſt dieſer dreibändige Roman nach den eigenhändigen Aufzeichnungen Hans Leberecht von Bredow's vom Verfaſſer bearbeitet und es kommt nicht darauf an, zu unterſuchen, wie weit der Verfaſ⸗ ſer den Einzelheiten einer wirklichen Autobiographie gefolgt iſt und in welchem Maße er von der Freiheit der Erfindung, dieſem Grundrechte jedes Erzählers, Gebrauch gemacht hat.

Sein Held verlebt ſeine erſte Jugendzeit unter Friedrich Wilhelm I., tritt dann in die Dienſte des alten Deſſauers als deſſen Page, wird ſpäter preußi⸗ ſcher Infanterieofficier, kommt dann nach Rheinsberg als kronprinzlicher Bereiter zum nachmaligen Friedrich II., wird nach deſſen Thronbeſteigung Courier, ſpäter Huſarenofficier, nimmt Theil an den ſchleſiſchen wie am ſiebenjährigen Kriege und beſchließt ſeine Carrière

Novellen⸗Zeitung.

als Oberſtwachtmeiſter, als welcher er im Ruheſtande des Veteranenthums zur Vertreibung der langen Weile ſeine Autobiographie ſchreibt.

Da dieſer in jeder ſoldatiſchen Weiſe tüchtige

alte Eiſenfreſſer eine Fülle von Begebenheiten thätig.

mitwirkend erlebt hat, ſo kann er was erzählen und er thut es mit dem allerdings lebendigen Reiz ein⸗ facher Natürlichkeit und individueller Beſchränkung, die vermöge ihres ſtets feſtgehaltenen Charakters alles literariſche Raiſonnement ausſchließt..

Vom alten Deſſauer entflieht der Page Haus von Bredow, da dieſer alte jähzornige Haudegen ihn körperlich mißhandeln will, eine Lieblingsbeſchäftigung jenes Helden. Ich will hier durch ein Beiſpiel zeigen, in welcher Art dieſe Schilderungen ſachlich intereſſant ſind. Es handelt ſich um Bredow's Flucht. Derſelbe erzählt:

Es war wirklich ein ſchweres Daſein, bei dem alten Fürſten als Page zu dienen und der tägliche Ableiter aller ſeiner Zornausbrüche ſein zu müſſen. Ich hätte dies jedoch A'les geduldig ertragen, wie es meine Pflicht und Schuldigkelt war, wenn ſich nicht

am vierten December ein Vorfall ereignete, der mich

aus ſeinem Dienſte hinwegtrieb. Der Fürſt war am Morgen auf die Schweinshetze geritten und ich als Page hatte ihn begleiten müſſen, wobei ich einen kleinen Mecklenburger Schimmel ritt, mit dem ich ſchon bei der Reiſe des Fürſten nach Heidelberg einen Wettritt gewonnen hatte. Der alteBrummkater mußte am Morgen wieder mit dem linken Fuß zuerſt aus dem Bette aufgeſtanden ſein, denn es war ihm nichts recht und er tobte und fluchte gewaltig um ſich her. Dazu kam, daß wir zuerſt eine Fehlhetze gemacht hatten und der gehetzte Keiler uns entkam, worüber der Fürſt ſo wüthend wurde, daß er ſeinem erſten Leibjäger, einem alten weißhaarigen Manne, mit ſeiner dicken ſchweren Hetzpei vier bis fünf gehörige Hiebe verſetzte. Dem alt das Blut über ſolche ſchimpfliche lung in das Geſicht, doch was ſollte er wohl daägegen anfangen? er mußte ſie ruhig ertragen. Auch die zweite Hetze auf ein anderes Schwein mißglückte, und es ſchien förmlich heute ein Unſtern bei der ganzen Jagd zu walten. Der Fürſt ſchäumte förmlich vor Wuth, er war in einem Zorn, wie ich ihn noch nie geſehen hatte, und das wollte wirklich viel ſagen. Da wollte das Unglück, daß mein Schimmel ſcheu zur Seite ſprang und dabei den Lieblingshund des Fürſten, eine weiße engliſche Dogge, ſo heftig in die Seite trat, daß das Thier nach einigem Geheul verendete.

Jetzt ſaß ich denn in einer argen Patſche. Kaum hatte der Fürſt, der einige zwanzig Schritt

ſtieg zwar.