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„Halt ein, Georg, Du zermalmſt mein Innerſtes. Bichovski hatte Recht, ich hätte, ſtatt ſeine Forderung anzunehmen, ſofort Wien verlaſſen ſollen. Ich dachte und handelte-wie ein Student, auf allen Univerſitäten kommen Duelle vor!“
„Leider! Melanie büßte ihre Schuld, ſie pflegte ihren alten Gemahl auf das Treueſte, ſie verzieh ſich niemals die Vergangenheit, jung ging ſie ein zur Ruhe. Kannſt Du noch Frieden mit Dir ſelbſt haben, ja vielleicht glücklich ſein, ſo begründe die Glückſelig⸗ keit eines jungen Paares, ſtatt ſie zu zertrümmern. Schwache Seelen verzehren ſich in fruchtloſer Reue und fündigen fort, kräftige Geiſter ſagen der ſchuldbela— denen Vergangenheit Lebkwohl und handeln fortan weiſe und edel!“
„Alſo ich ſoll dieſe Güter an Edmund abtreten, das Mädchen ebenfalls, und jetzt als armer Wanderer nochmals in die Welt gehen, ſehen wie ich mich durch⸗ ſchlage?“
„Das nicht, ich bitte Dich, ſchreibe mir, was Du thun willſt, ich will Dir ſchreiben, was Du thun ſollſt, und dann wollen wir aus jedem Briefe das Beſte herausnehmen!“
„Das ſoll ſofort geſchehen!“
Längere Zeit hörte man nur die Federn der beiden Männer raſch über das Papier hingleiten. Wallberger war ſchon fertig, als Ferdinand noch Brief um Brief ſchrieb.
Endlich hatte er genug geſagt. des Doctors Schreiben und las es, nehmes Lächeln überflog ſeine Züge.
Der Arzt hatte indeß die drei Briefe geleſen. „So iſt es recht, mein Alter!“ rief er ſchloß den Freund herzlich in die Arme.
An Dreikönigstage wurden in der Hauptkirche die beiden Fräulei n von Hohenburg getraut, aber Flor entinens gam war Edmund von Roſenhaag, äut Baron elle, welcher dem Präſidenten das Capital ließ, d ihm gegeben hatte. Er erklärte, daß er die Liebe des jungen Paares habe prüfen wollen, daß Edmund ſein Erbe ſei und ſchon bei Duresnelle“'s
Raſch nahm er ein höchſt ange—
aus und
eine ſchöne Häuslichkeit bereiten zu können; er ſelbſt ging auf unbeſtimmte Zeit auf Reiſen. V
Nach zehn Jahren.
Der Fremde, welcher zehn Jahre Waldau nicht geſehn hat, wird die Stadt jetzt kaum wieder erkennen. Vor dem Neuthore erhebt ſich das ſtattliche Bahn⸗ hofsgebäude, in ſeiner Nähe iſt ein neuer Stadttheil
entſtanden. Im Innern der Stadt, welche jetzt helle Gasbeleuchtung hat, fällt das große geſchmackvolle
50 lgs.
Schauſpielhaus und eine große Markthalle auf. Meh⸗ rere unſcheinbare Häuſer ſind verſchwunden, große elegante Laden entſtanden. Präſident von Hohenburg und Gemahlin zeigen ſich noch rüſtig, Otto iſt Haupt⸗ mann, die jüngern Brüder ſind fröhliche Studenten. Im Rathskeller kommen noch immer die alten Freunde zuſammen, aber zu geſellt, der Baxon Duresnelle, welcher ſchon ſeit nenn Jahren von ſeiner letzten Reiſe zurück iſt und jetzt in Roſenhaag lebt. Er iſt ungeachtet ſeiner fünfzig Jahre noch ein ſattlicher Mann, denkt aber nicht im Entfernteſten an das Heirathen; ſein Schloß iſt be— lebt, Edmund mit ſeiner Gattin nebſt drei reizenden Kindern bewohnt den einen Theil des Schloſſes, Duresnelle wird von ihnen Oheim genannt, was er der Natur nach auch iſt, ſie erfuhren es nie.
Nur Einer lebt nicht mehr, Gräf Majlath; ſein trauriges Ende iſt bekannt; die ihn gekannt hatten, beklagten ihn.
Als Doctor Wallberger es erfuhr, Thräne ſein Auge, er Hände und ſagten leiſe
füllte eine und Ferdinand falteten die :„Requiescat in pace!“
Gedicht von Moriß Pläſchke.
Odyſſeus.
Ich ſah Homeros' Märchenwelt Im göttlichen Gedichte;
Warum doch ſchlich ſo wunderbar Ins Herz ſich die Geſchichte?
War es der Sprache Zauberlaut, Der meinen Sinn bethöret,
Mein lauſchend Ohr gefangen nahm, Als ob's Muſik gehöret?
War es der heitre Kindesſinn, Der aus den Liedern lächelt, Der Joniens blaue Berge malt, Von warmer Luft umfächelt?
Wohl war's des Dichters mächt'ge Kunſt, Die meine Bruſt beklommen;—
Doch hab' mein eignes Leid und Weh Ich in dem Lied vernommen!
Bin ich nicht ſelber ein Ulyß, Vom Wogenſturm umbrandet, Der nach der Küſte ſucht und ſpäht, Und dennoch nimmer landet?
den fünfen hat ſich ein⸗ ſethſter,


