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von mir entfernt ritt, meine That bemerkt, als er, einen grimmigen Fluch ausſtoßend, auf mich zuſprengte, und mit den Worten:„Verfluchter Hallunke, mir meinen beſten Hund zu Schande zu reiten; ich werde Dich auspeitſchen laſſen, daß Dir die Seele zum Leibe hinausfährt!“ einen derben Hieb mit der Par⸗ forcepeitſche nach mir führte. Ich warf meinen Schimmel aber ſchnell herum, ſo daß der Hieb in die Luft ſauſte, und rief:„Ich laſſe mich nicht von Eurer Durchlaucht mit der Peitſche ſchlagen, dazu haben Sie kein Recht, denn ich bin Eurer Durchlaucht adeliger Page und kein leibeigener Hundejunge!“
„Hallunke, Du wagſt noch mir gegenüber zu raiſonniren!“ rief jetzt abermals der Fürſt, auf mich einſprengend und die Peitſche zum neuen Hiebe ſchwingend. Ich galoppirte mit meinem Schimmel wieder einige zwanzig Schritte fort, und da mir ein⸗ fiel, daß mir der Vater geſagt hatte, daß ich jetzt von Niemandem mehr einen Schlag erdulden dürfe, und der Zorn über ſolche ſchmähliche Behandlung auch bei mir aufzuſteigen anfing, ſo antwortete ich wieder: „Und wenn auch Eure Durchlaucht der König von Preußen wären, ſtatt daß Sie jetzt nur der Fürſt von Deſſau ſind, ſo ſage ich Ihnen doch, daß ich keinen
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Schlag von Ihnen annehmen werde!
Nochmals ſprengte der grimmige Fürſt auf mich ein, und abermals wich ich ihm mit meinem gewandten Schimmel aus. Da rief er im höchſten Zorne den Jägern zu, daß ſie mich ergreifen, vom Pferde reißen und zu ihm bringen ſollten. Jetzt aber übermannte mich auch die Wuth, und ich riß eine große Piſtole, wie wir Alle damals bei den Schweinshetzen vorn im Sattelholfter trugen, heraus und ſpannte ſie, indem ich ausrief:„Dem Erſten, der mich anzurühren wagt, ſchieße ich eine Kugel vor den Kopf, mag er nun ein
Jäger oder ein Fürſt ſein.“ In raßie Augenblicke riß aber auch der Fürſt
ſeine Piſtole aus dem Holfter und feuerte ſolche mit den Worten:„Hallunke, Du mußt ſterben, ich ſchieße Dich wie einen tollen Hund nieder,“ auf mich ab. Die Kugel traf mich aber nicht, ſondern ſtreifte nur meinen Schimmel leicht am Halſe. Jetzt fühlte ich, daß ich meines Lebens hier nicht mehr ſicher war, und da ich auch ohnehin mein durch ſeine Wunde ſcheu gewordenes Pferd nicht mehr halten konnte, ſo ſprengte ich in vollſter Eile fort. Zwar hörte ich, daß der Fürſt einigen Jägern befahl, mich zu verfolgen und todt oder lebendig zu ihm zu bringen, und zwei oder drei von ihnen galoppirten mir auch nach; aber daß die mich nicht wieder einholen würden, wußte ich, denn mein Schimmel war weitaus das ſchnellſte
und flüchtigſte Pferd im ganzen fürſtlichen Marſtalle,
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und auch noch friſch und unermüdet, während die Pferde der Jäger ſchon ſehr angegriffen waren. Bald war ich denn auch meinen Verfolgern aus den Augen entſchwunden und ließ nun mein Pferd, das aber von ſeiner Wunde ſo ſcheu geworden war, daß ich es kaum bändigen konnte, allmählich etwas langſamer gehen, um es nicht zu früh zu ermüden.
Bisher war ich ſo in Aufregung geweſen, daß ich nicht recht bedacht hatte, was ich nun eigentlich anfangen wolle, jetzt aber ſtieg dieſer Gedanke ſehr mächtig bei mir auf. Nach Deſſau, an den Hof des Fürſten, wollte und konnte ich unter keinen Umſtänden mehr zurück. Ich war über die ungerechte und ſchimpfliche Behandlung, die mir der Fürſt hatte zufügen wollen, noch ſo in Zorn, daß ich lieber mein Leben gelaſſen hätte, ehe ich wieder in ſeine Dienſte als Page getreten wäre. Auch hätte ich jedenfalls eine ſehr harte Behandlung dort zu erwarten gehabt. Vorläufig ritt ich nun in einer Richtung fort, die mich möglichſt bald aus dem Fürſtenthum Deſſau und in das preußiſche Land brachte, da ich mich dort vor den Verfolgungen des Fürſten ſicherer fühlte. Je mehr ich mir die Sache überlegte, deſto feſter wurde nun mein Plan, dem Fürſten ſein Pferd zurückzuſchicken und dann zu meinem Vater zu reiſen, um dieſem den ganzen Vorfall zu erzählen und ihn zu fragen, was ich nun beginnen ſollte. Leider hatte ich aber nicht viel Geld bei mir, denn als ich meine Baarſchaft, die ich in der Hoſentaſche trug, über⸗ zählte, fand ich, daß ſie noch nicht ganz zwei Thaler betrug. Damit konnte ich freilich nicht weit reiſen. Gegen Abend, als ich bei dem letzten deſſauiſchen Domänenhof ankam, ritt ich auf den Hof, da mein Pferd jetzt ſehr müde war. Der Amtmann, der mich perſönlich kannte, maſhte zwar ein ſehr erſtauntes Geſicht, daß ſo ſpät noch ein fürſtlicher Page zu ihm auf den Hof geritten kam, und ſo mußte ich mich denn, ſo hart es mir auch wurde, zu einer Lüge ver⸗ ſtehen, um ſeine Neugierde zu befriedigen. Ich ſagte ihm aiie der Fürſt habe mir ſogleich von der Jagd aus efohlen, nach Magdeburg zu reiten, um einen Brief von ihm dort zu überbringen. So ein Fall kam wohl mitunter vor, denn der alte Fürſt ſchickte ſeine Pagen als Couriere oft viele Meilen weit in das Land. Nun ſei mir aber das Unglück paſſirt, daß mein Schimmel ſich am Halſe verwundet habe, und ſo wolle ich das Pferd durch einen Boten nach Deſſau zurück⸗ ſchicken und er müſſe mir einen Wagen geben, der mich nach Magdeburg bringen ſolle. Der Domänen⸗ amtmann fand dies begreiflich, und da die fürſtlichen Pagen im ganzen Fürſtenthum überall in Anſehen ſtanden, ſo that er, wie ich ihm dies ſagte. Während
er mir nun einen Wagen zurecht machen ließ, und


