Jahrgang 
1-26 (1867)
Einzelbild herunterladen

62 Novellen

1 Franc) mit dem Fährmann geeinigt, beſteigt man, in der Regel zu Dreien, ein Schiffchen und nähert ſich langſam und vorſichtig einer ſteilen Felswand, in der ſich eine halbrunde, bei ruhiger See 4 Fuß(über dem Spiegel) hohe Oeffnung beſindet, breit genug, um das ſchmale Boot durchzulaſſen und nicht viel höher als deſſen Seitenränder, ſo daß, im Augen⸗ blick der Einfahrt, der Schiffer nicht blos den Schiffsſchnabel abwärts drücken, ſondern auch die Fahrgäſte ſich förmlich auf den Boden kauern müſſen, um über den Schiffsrand ja nicht hervor zu ragen, eine Situation, die glücklicher Weiſe nur einige Secunden währt. Hieraus erklärt ſich übrigens, warum bei hochgehenden Wellen der Beſuch der Gpotte abſolut unmöglich wird, indem die anbrauſenden Wogen entweder den Eingang vollſtändig verſchließen und unſichtbar machen, oder das ſchwache Boot dermaßen umherſchaukeln, daß es, ſelbſt bei ſichtbarer Oeffnung, dieſe doch nicht leicht erreichen und gefahrlos paſſiren kann.

Hat man aber diefe ſchmale Pforte hinter ſich und den Blick wieder erhoben, danu wähnt man ſich urplötzlich in

einen unterirviſchen Kryſtallpalaſt verzaubert, und von allen Lippen tönt, wie aus einem Munde, der begeiſterte Ausruf: Ach, wie herrlich, wie prachtvoll! Denn die ganze, 180 Fuß lange, 120 Fuß breite und 70 Fuß hohe Grotte ſtrahlt rings in wundervoll⸗himmelblauem Licht von ſeltener Klar⸗ heit, ein Anblick, deſſen Reiz noch weſentlich erhöht wird ſowohl durch zahlreiche Tropfſteinformationen, welche rohen, aber durchſichtigen Türkiſen gleichen, als auch durch das viel hellere Blau des ruhigen, bis zum Grunde(circa 70 Fuß) durchſichtigen Waſſers; wahrhaftig! ein Bild von unbeſchreiblicher Schönheit, würdig, den größten und ſchönſten Wundern der Schöpfung beigezählt zu werden!

Dieſem Gefühle von Staunen und Andacht geſellt ſich noch jenes freudiger Genugthuung und Stolzes hinzu, wenn wir erfahren, daß der Entdecker der blauen Grotte oder wenigſtens der erſte Herold ihres Glanzes ein Deutſcher, der als Dichter und Maler gleich berühmte Auguſt Kopiſch (geſtorben 1853), war. Freund und Gefährte Platen's, der ihm manch' poetiſchen Erguß ſeiner entzückten Seele geeignet, hatte ſich Kopiſch im Jahre 1826 längere Zeit auf Capri niedergelaſſen, mit dem Auge des Künſtlers wie nicht minder des wahren Naturfreundes dies ſeltſame Eiland, ſeine Wände, Höhlen und Klippen nach allen Seiten unermüdlich und gründlich, wie nur deutſche Kraft es vermag, durchforſcht und die Höhle, deren zwar der italieniſche Hiſtoriker Capaccio ſchon erwähnte, welche aber trotzdem bisher nicht näher unterſucht, darum in Vergeſſenheit gerathen und vom Volke alsTeufelshöhle ſogar gefürchtet war, neuerdings aufge⸗ funden und den ſtaunenden Blicken der Nachwelt erſchloſſen. Auch im Alterthume ſcheint ſie nicht bekannt geweſen zu ſein, ſonſt hätte gewiß Plinius, der ſich ja längere Zeit in der Nähe aufgehalten, nimmer verſäumt, in ſeinen Schriften ihrer als ſeltener Naturerſcheinung zu gedenken.

Während nun die Barken nach allen Richtungen die Grotte durchkreuzen, und ſich überall ein neuer, durch be⸗ ſondere Tropfſteinformen oder kleine Seitenhöhlen hervorge⸗ brachter, überraſchender Anblick darbietet, entkleidet ſich ins Geheim einer der Schiffer und ſpringt aus einer dunkeln Niſche plötzlich unter lautemOcchio(Aufgepaßt!) in die Tieſe. Mächtig ſchlagen über ſeinem Haupte die Salzwogen zuſammen und erzeugen durch ihre Tropfen ebenſo viele hell⸗ blaue Perlen, während ihr Schaum ein tieferes Blau als der

Zeitung.

hellerer Farbe als die Beleuchtung der Grotte, wie denn überhaupt das Waſſer, je tiefer gegen den Grund, deſto heller und bläſſer wird und ſich ſchon hierdurch auch dem Laien die Ueberzeugung aufdrängen muß, daß die Lichtquelle lediglich auf dem Boden des Waſſers zu ſuchen ſei.

Als ich hierauf, dies Experiment im Kleinen nach⸗ ahmend, den Arm bis hoch über den Ellbogen in das unge⸗ wöhnlich warme Waſſer ſenkrecht eintauchte, gelangte ich nicht blos zum ſelben Reſultat, daß nämlich die blaue Färbung von den Fingerſpitzen aufwärts ziemlich raſch zu⸗ nahm, ſondern daß auch die Waſſergrenze auf dem Arme ſcharf markirt, d. h. die Farbe der trockenen Haut merklich blau war; dabei ſchien mir das Waſſer ſelbſt etwas adhärirend, gleichſam öliger Natur und von Fiſchen nicht bewohnt. Eine ungewöhnlich milde, feucht⸗warme Luft wie in mäßig geheizten Treibhäuſern und leichter Schwefelgeruch herrſchen ſchließlich in dieſer wunderbaren Grotte, welche überdies reich an überraſchenden Echo's iſt.

Wenn wir uns nach einer wiſſenſchaftlichen Erklärung dieſes Phänomens in der betreffenden Literatur umſehen, ſo werden wir bald zur Ueberzeugung gelangen, daß hierüber die Acten bis jetzt nicht definitiv geſchloſſen ſind und eine ausgiebige Unterſuchung allerdings ihre Schwierigkeiten habe; denn mit der bloßen Erklärung durch Reflex, d. h. Ab⸗ ſpiegelung des Meerwaſſers auf die⸗Wände der Grotte, mag ſich wohl der Laie zufrieden geben; der wiſſenſchaftliche Forſcher jedoch wird tiefer in die Natur des Proceſſes ein⸗ dringen und ſich den Mechanismus deſſelben klar zu machen wenigſtens verſuchen wollen.

Die Urſache dieſer, allerdings auf Reflex beruhenden, prachtvollen Azurbeleuchtung ſuche ich nämlich auf der Bodenfläche der Grotte, welche zu den eindringenden Licht⸗ ſtrahlen eine ſolche Lage einnehmen muß, daß dieſelben von ihr, wie von einem Spiegel, aufgenommen, und unter einem günſtigen Winkel durch das Waſſer, wie durch ein blaues Medium, deſſen Farbe ſie den Kalkwänden und Stalaktiten mittheilen, reflectirt werden. Hierzu iſt aber vor Allem erforderlich, daß die Grotte keine vollſtändig geſchloſſene Hohlkugel, ſondern unten, gegen die Meerſeite, offen ſei, und ihre hintere, untere Wand(Boden) durch ihre Neigung zur Sonne eben zu jener reflectirenden Fläche(Spiegel) werde.

Da nun aber die Strahlen ſchon auf ihrem Wege zur letzteren eine große Menge blauen Meermaſſers als erſtes Medium zu durchdringen haben, ſo werden ſie auf derſelben bereits als blaue ankommen und dieſe Farbe auch dem Spiegel mittheilen. Werden ſie dann von dieſem bläulichen Spiegel reflectirt, ſo wird ihre Farbe noch um ſo intenſiver werden, je dunkler und dichter auch das zweite Durchgangs⸗ medium(das Waſſer der Grotte) und je directer dieſer zweite Durchgang ſelbſt ſein wird; darum, je näher der ſpiegelnden Bodenfläche, deſto dünner das Medium, deſto heller das Blau. Das herrliche Dunkelblau der Grotte hin⸗ gegen ſcheint mir noch weſentlich gefördert zu werden einmal durch den gänzlichen Mangel directer Beleuchtung, indem die kleine Eingangsöffnung nur ſpärliches Licht eintreten läßt, und, je weiter von ihr entfernt, deſto dunkler die Farbe wird; ferner durch die Ruhe und Tiefe der Waſſermaſſe.

So denk' ich mir dieſen Proceß aufeiner Beleuchtung von unten her, das räthſelhafte Phänomen mithin auf einem einfachen optiſchen Geſetze beruhend. Nichtsdeſto⸗ weniger wären genaue wiſſenſchaftliche Unterſuchungen, ins⸗

Waſſerſpiegel annimmt. Dagegen erſcheinen die unter Waſſer befindlichen Körpertheile des⸗ Schiffers von weit

beſondere der reflectirenden Fläche, ihrer Neigung, des Re⸗

flexionswinkels, ſowie Meſſungen und Verſuche der Licht⸗

pracht die V. Die te ſtückes ewähl itroſt in de Vermi derſelb zeichne

( geſiele, Ich na liche ſa als ich Tartar