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ſind aus Backſteinen conſtruirt, mit Kalk beworfen und geglättet.
Die Urſache, weshalb wir an den jetzt unbedeck⸗ ten Häuſern und Mauern ſo ſelten Spuren von auf⸗ geſetzten Etagen begegnen, dürfte vielleicht darin zu ſuchen ſein, daß die Wände der Letzteren vielleicht wegen der häufigen Erdbeben minder maſſiv conſtruirt und, je mehr in die Höhe, deſto dünner und leichter (ähnlich unſeren ſogenannten Riegelwänden) gebaut, mithin nicht im Stande waren, dem über ſie herein⸗ brechenden Stein⸗ und Aſchenregen denſelben Wider⸗ ſtand entgegen zu ſetzen, wie die oft mehrere Fuß dicken Mauern des Erdgeſchoſſes. Denn es läßt ſich ſchwer annehmen, daß bei dem bekannten Luxus der damaligen Zeit wohlhabende Kaufleute und reiche Privaten, denen z. B. im nahen Bajä das Feſtland zu eng war, und die darum ihre Häuſer und Gärten ſogar in das Meer hinausbauten, daß ſolche, ſelbſt bei einem nur vorübergehenden Aufenthalte, ſich mit kleinen und dürftigen Parterre⸗Wohnungen begnügt haben ſollten. Warum aber endlich auch in der weg⸗
Novellen⸗Jeitung.
geräumten Aſche keine Spuren von beſtandenen Etagen, V namentlich keine Balkentrümmer, aufgefunden worden ſind, läßt ſich ſowohl durch die Annahme eines leich⸗ tteren, mörtelartigen Baumaterials, wie durch Verkoh⸗ lung des Holzwerks erklären.—
Manuches finden, das ihm neu iſt, manche ſeiner ſtillen Fragen beantwortet und viele ſeiner Vorſtellungen ergänzt. Ohne Zweifel wird bei den jetzigen Aus⸗ grabungen in Pompeji und bei einigen andern For⸗ ſchungen nach den Reſten der übrigen in Nacht be⸗ grabenen Städte noch Manches aufgefunden werden, was uns ein neues Licht über das Culturleben des Alterthums gewinnen läßt, und iſt einmal erſt ganz Pompeji aufgedeckt, ſo wird dieſes geöffnete Grab der hiſtoriſchen Vergangenheit eine unabweisliche Pil⸗ gerſtätte für alle Freunde des Alterthums bilden. Sehr lebendig hat der Verfaſſer auch den Golf von Bajä behandelt und hierbei mehrere Einzelheiten nachgetragen, die ſich in der poetiſchen Schilderung Löher's nicht vorfinden.
Feuilleton.
Die Riſte mit den ſilbernen Beſchlägen. Nach dem Engliſchen von Friedrich Coßmann. 3(Schluß.)
Und die widrigen Winde dauerten fort und wechſelten nur von Zeit zu Zeit mit einer Windſtille ab, die für Segel⸗ ſchiffe noch viel unangenehmer als ſelbſt ein widriger Wind iſt. Die Matroſen blickten finſter wie der Tod. Wie lange ſollte dieſe Reiſe noch dauern? Etwas wurde dadurch be⸗ günſtigt— die vertrauten Beziehungen zwiſchen den Reiſenden wurden immer enger und reiften mehr und mehr. Man konnte Miſtreß Clytton immer an der Seite des Herrn Valencia ſehen, mit dem ſie ſtundenlang Arm in Arm auf dem Verdeck auf und ab ging. Auf dem Schiffe munkelte man davon, daß er ſicher die Abſicht habe, ſie zu ſeiner zweiten Frau zu machen. Das hätte ſo ſein können. Herr Valencia wäre nicht der erſte Mann geweſen, der, ſeinem Willen zum Trotz, den Reizen einer anziehenden Frau unterlag.
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War es ein Traum? Miſtreß Clytton ſaß auf ihrem Bett in ihrer Kajüte und auf ihrer Stirn ſammelten ſich Tropfen des Schreckens. Das Schiff wurde von einem furchtbaren Sturme hin⸗ und hergeworfen und ſie vermuthete, es ſei in Gefahr. Das war es indeſſen nicht, was ihr Schrecken erweckte, denn ſie beſaß ungewöhnlich viel Muth; aber zwei Matroſen, welche hexahgekommen waren, um irgend etwas, das in der Nähe 6e zerbrochen war, zu be⸗ feſtigen, hatten Worte geflüſtert, die wohl geeignet waren, auch der muthigſten Frau Schrecken einzujagen. Es waren nur ein er Worte, aber von einer ſchrecklichen Wichtig⸗
keit. Die Kiſte von Ebenholz, über die auf dem Schiffe ſo viele Vermuthungen aufgeſtellt worden waren und die in Miſtreß Clytton's Innern ein ſo ſehnſüchtiges Verlangen er⸗ weckt hatte, enthalte keine Juwelen, ſondern den Leichnam der verſtorbenen Frau des Herrn Valencia und man ver⸗ muthete, ſie ſei von ihm ermordet worden. Ihre leberreſte ſeien in dieſer Kiſte an Bord des Schiffes geſchmuggelt, um ſie den Behörden Südamerikas aus dem Wege zu ſchaffen, und er ſelbſt habe das falſche Gerücht verbreitet, die Kiſte enthalte Juwelen. Darin liege die Urſache alles Ungemachs,
deshalb ſeien die meiſten Matroſen desſelben in Madeira von demſelben deſertirt und dieſe zwei Matro ſen beklagten in einer ſehr heftigen Sprache, daß ſie nicht auchdeſertirt wären. Dann ſprachen ſie in einer ſehr aufrühreriſchen Weiſe von dem Capitain, daß es von ihm unverzeihlich ſei, die Kiſte nicht über Bord zu werfen, ſondern ſie da zu laſſen und den Fluch des Himmels auf das Schiff herabzuziehen und das Leben Aller am Bord in Gefahr zu bringen. Geraldine Clytton's Haare ſträubten ſich empor, als ſie dieſe Worte er⸗ lauſchte, und ihr Geſicht wurde vor Ohnmacht kalt und feucht.
Der Sturm legte ſich, aber die Unruhe in dem Gehirn von Miſtreß Clytton dauerte fort. Immer und immer fragte ſie ſich ſelbſt, ob ſie wohl wirklich jene ſchrecklichen Worte ge⸗ hört habe oder ob Alles nichts weiter als ein wüſter Traum geweſen ſei. Beim hellen Tageslicht, während des Treibens des geſelligen Lebens lachte ſie über die Abgeſchmacktheit jener ſeltſamen Erzählung; nichts deſto weniger blieb tief in ihrem Herzen ein Zweifel— wahr oder unwahr? Und dabei
In ſolchen Betrachtungen wird der Laie immer
von dem das Schiff auf dieſer Reiſe betroffen worden ſei;
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