Novelle
Es fehlt nicht an einzelnen ausgezeichneten Schil⸗ derungen, daneben aber zeigen ſich ſchreiende Lücken oder Ausſprüche, die von einem Vorurtheil gefärbt ſind, das für den Fremden leichter als in einem andern Lande zu entſchuldigen iſt. Spanien iſt für den Reiſenden nicht ſo bequem und zugänglich wie Italien eingerichtet, und es ſind viel Strapazen und Fatalitä⸗ ten mit in den Kauf zu nehmen, die unſere Geſchmacks⸗ nerven verſtimmen. Das arme Volk, welches durch eine Reihenfolge ſchlechter Regierungen und durch eine bigotte vernachläſſigte Erziehung aus dem Rahmen der Cultur und Moral gehoben iſt, wird in der Regel in ſeinen guten Eigenſchaften verkannt. Man muß unparteiiſche Stimmen hervorheben, um der Wahrheit näher zu kommen. Der Verfaſſer des vorſtehenden Werkes giebt eine ſolche Stimme ab, die ſehr günſtig lautet. Er ſchildert in überraſchender Weiſe die ſchönen Gärten von Aranjuez und kommt dann auf die natür⸗ liche Grazie und menſchliche Würde des Volkes.
Nach dem Eſſen in einem der Gaſthäuſer von Aranjuez, ſagt er, durchzogen wir die Gärten. Hier in Aranjuez war Alles in der prachtvollſten Ueppig⸗ keit der Vegetation. Es kam uns vor, als ſeien alle Bäume doppelt belaubt. Es war ein heißer Tag, aber wir wandelten ſtets in der erfriſchendſten Kühle, Zuerſt ging es in den Garten del Principe, an deſſen einer Seite, aber außerhalb der Mauer, die pracht⸗ volle Calle(Allee) de la Réina ſich hinzieht, mit vier⸗ fachen uralten, rieſenhaften Baumreihen, meiſt Ulmen und Platanen. Sie ſoll ſich faſt eine Stunde Wegs in's Land hinein erſtrecken. Auf dem Tajo, der dieſen Garten begrenzt und in hundert kleinen Canälen durch⸗ fließt und durchkühlt, ſchaukelte ſich eine kleine, reich— geſchmückte Flotille, für königliche Waſſerfahrten be⸗ ſtimmt. Die dazu gehörigen Matroſen in ihrer Uniform ſchliefen am Ufer hin glatt ausgeſtreckt. Wir durch⸗ ſtreiften dieſen Garten, der mehr im Geſchmack eines engliſchen Parkes gehalten und von herrlichen Alleen von Ulmen, Pappeln, Akazien, Platanen durchſchnitten iſt, bis wir ermüdet waren.
Und wie dufteten die meilenlangen Roſenhecken, die üppig hoch hinaufſtrebenden, reich mit ihren weißen Blüthenbüſcheln überladenen Akazien, die vielen immer⸗ grünen Hecken, Sträuche und Bäume, und die tauſend anderen Blumen jeder Art und jeder Zone, welche mitten in den Alleen und Wäldern, in ſchönen Par⸗ tieen das Auge und die Geruchsnerven gleich erfreuten.
Gegen fünf Uhr gingen wir in den de la Isla, der gerade am Palaſt und dicht bei der Stadt iſt.
n⸗Zeitung.
begrenzt wird.
Dieſer Garten de la Isla iſt bei weitem der beſuchteſte, iſt mit Fontainen und Statuen ganz überfüllt, alle, man kann ſagen, von ſehr mittel⸗
mäßigem, ſogar ſchlechtem Geſchmack. Er iſt nicht ſo ausgedehnt wie der andere, aber von wunderbarer Schonheit. Mit Ausnahme der am Fluß ſich hin— ziehenden Doppel-Allee von Platanen, wie ich ſie rieſenhafter und majeſtätiſcher nicht in den Niederungen des Miſſiſſippi geſehen habe, ſind die anderen Alleen nicht breit. Die Bäume, Ulmen, Buchen, Eſchen, Roßkaſtanien, Linden, ſelbſt hie und da Eichen, ſind dicht nebeneinander gepflanzt, alle in die Höhe gezogen und mit den Kronen ineinander gewachſen. Acht bis zehn Fuß hohe und ſehr dichte Hecken verbinden die Bäume untereinander, ſo daß man in lauter Laubgewölben, vom Boden aus ſich erhebend, wandelt. Wir waren an einem der heißeſten Junitage letzten Sommer in Aranjuez geweſen. Nur mit dem Schirm gedeckt, konnte man es wagen, ungeſtraft die von der ſpaniſchen Sonne durchglühten Straßen der Stadt und die weitläufigen offenen Parterre, welche Schloß und Stadt verbinden, zu durchſchreiten. Aber einmal in dieſem Garten de la Isla, fanden wir uns in der erfriſchendſten Kühle. Die Laubdächer laſſen die Mittagsſonne nicht durchdringen und die hohen dichten Hecken verhindern ſelbſt die mehr horizontalen Strahlen der Morgen- und Abendſonne, ſich in die Wege zu ſtehlen. Dazu die Kühlung, welche vom Fluß, vom Canal, von den hundert künſtlichen Bächen, den vielen Fontänen ausſtrömt!“
Ich habe dieſen Garten de la Isla auch geſehen, gefüllt mit Tauſenden von Menſchen. Es war im Mai, einige Tage vor unſerem jetzigen Beſuch. Es war große Cour bei Hofe geweſen zur Feier des Ge⸗ burtstages der Königin⸗Mutter Chriſtine. Wir hatten faſt drei Stunden im Thronſaal geſtanden und der langweiligen Ceremonie des Handkuſſes zugeſehen. Endlich wurden wir erlöſt. Da es noch faſt drei Stunden dauerte, bis der Zug nach Madrid zurück⸗ ging, ſo eilten wir in den Garten und ſuchten einige der Marmorbänke zum Ausruhen auf. Mit Wolluſt wurden die Havannah's angeſteckt und die müden Glieder ausgeſtreckt. Natürlich war das ganze diplo⸗ matiſche Corps in voller Uniform. Hunderte von Hofmarſchällen, Stallmeiſtern, Kammerherren und andern Hofchargen, ſowie von Officieren aller Waffen⸗ gattungen, welche dem Handkuß beigewohnt, durchzo⸗ gen nun dieſe ſonſt einſamen Alleen, alle in ihren reichen glänzenden Uniformen. Den Extrazug be⸗
Er heißt ſo, weil er ebenfalls vom Tajo auf der einen Seite beſpült, vön einem breiten, ſtarken Canal, V welcher ihn vom Schloß trennt, auf der andern Seite + 9
8- N
8
nutzend, war eine Menge meiſt junger Damen der Haute⸗Volée ebenfalls mitgekommen und belebten in
47 ihrer eleganten Landpartieen⸗Tracht, runden ruſf Sun.—
76 Ve
Hütch Scene herein Claſſ gegen hieſig Seno höchſt einer Gräfil Offici mit d Natio unter! in ein und umgel der darar Madr währe ſchen andere ſelbſt ſich r ſchlür ſpielte nicht, Mäde legen! räͤlen einme ſie, tleme ſo zu und
zwun oder ſprich man es g ihm
autw mene und
von? die? Kern ander fann duelle unang


