24 Novellen⸗ An Jda.
O läge all' mein Leid und Wehe Weit hinter mir erſt nur verſcharrt— Iu Deiner ſonſt ſo trauten Nähe Wie iſt mein Herzblut mir erſtarrt!
Was ich gehört von Frauenaugen Und ihrer Blicke ſüßem Flehn,
Es mag für Andre immer taugen, Ich— kann es nimmermehr verſtehn.
Mein unausſprechlich heißes Sehnen
Nicht werden durfte es zum Wort—
Im tiefſten Schmerz und ohne Thränen— Furchtbar gefoltert leb' ich fort.
Vielleicht klag' ich in ſchweren Stunden Dein Vorurtheil zu heftig an: Vergeſſen kann ich nicht die Stunden, Vergeben gern, was Du gethan.
Noch bleibt von Hoffnung mir ein Schimmer, Bald ſinkt auch er— ade, o Welt!
Ein goldner Morgen naht ſich nimmer,
Der meine Einſamkeit erhellt.—
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8 Literariſche griefe von Otto Banck.
Die Gedichte des Francesco Petrarca, Der König wohnte einer dreitägigen Vorleſung des
überſetzt von W. Krigar. Hannover, bei K. Rümpler.
Vor Allem ſind Ihnen, wie allen Freunden der Poeſie, ja die weltberühmten Sonetten dieſes großen Poeten wohlbekannt, wenigſtens, um der Wahrheit näher zu kommen, einzelne von denſelben, denn es geht dieſen Dichtungen auch ähnlich wie dem Meſſias Klopſtocks,— Jeder rühmt ihn und gerirt ſich, als ſei er darin zu Hauſe und faſt Niemand hat ihn durchgeleſen, ein Uebelſtand, der indeß ſchon zu Schlegels Tagen ſtattfand. Die Sonette Petrarca's verdanken noch weſentlich der für das große Publicum romantiſch intereſſanten und gewöhnliche Neugier auf⸗ ſtachelnden Geſchichte mit der Laura eine etwas nähere Beſichtigung. Dieſes nach unſern heutigen Begriffen allerdings abnorme Liebesverhältniß wird nicht als etwas Pikantes und nicht als eine Zeiterſcheinung be⸗ trachtet, die im 13. und 14. Jahrhundert im Minne⸗ leben und Treiben nichts Auffallendes hatte.
Jeitung.
theiligung an der Lectüre Petrarca's bietet einiger⸗ maßen der Umſtand, daß die Hauptſchönheiten dieſes Dichters im Schmelz, in der Correctheit, ja überhaupt im bildneriſchen Element ſeiner Sprache liegen und alſo ſelbſt in der beſten Uebertragung nur halb ge⸗ noſſen werden können und weſentlich dem Italiener nahe liegen. Er hat in Petrarca wie in Dante und Boccaccio einen Geſtalter und künſtleriſchen Schöpfer ſeiner Mutterſprache zu verehren. Ihr Genius und Charakter iſt in dieſen Klängen vorbildend fixirt. Noch viel weniger ſind die andern Gedichte Petrarca's, die Canzonen, Triumphe ꝛc. bekannt, und obgleich es für die meiſten derſelben nicht an Ueber⸗ ſetzungen fehlt, ſo darf man doch die vorliegende ihres umfaſſenden Charakters wegen mit Freuden be⸗ grüßen. Es iſt eine fleißige, ſolide, gewandte Arbeit, die auch hiſtoriſch bei dieſem Poeten verweilt.
Es iſt intereſſant, die Ehren zu betrachten, welche im Verhältniß zu den deutſchen modernen Dichtern ſo manchen ausländiſchen zugefloſſen.
V V
Schon im 37. Jahre ſeines Lebens hatte ſich der Ruf des Dichters ſo verbreitet, daß er von Paris und von Rom aus zugleich ein Einladungsſchreiben eerhielt, ſich als Poet krönen zu laſſen.
Petrarca ſchwankte zwiſchen der Berühmtheit der Univerſität von Paris und dem alten Ruhme des römiſchen Senats und fragte in einem Briefe den Cardinal Colonna um ſeine Meinung, der ihm rieth, ſich in Rom krönen zu laſſen. Zuvor jedoch begab ſich der Dichter zu dem König Robert von Neapel, um ſich von dieſem gelehrten und liebenswürdigen V Fürſten ein Urtheil über ſein Epos„Afrika“ zu erbitten.
Gedichtes bei, welches ihm ſo gefiel, daß er den Dichter V nicht nur des Lorbeers würdig hielt, ſondern ihn auch
Entſchuldigung für die geringe gründliche Be⸗
bat, die Weihe in Neapel aus ſeinen Händen empfangen zu wollen. Petrarca lehnte dieſe Ehre ab und mußte nur verfprechen, das Gedicht, ſobald es vollendet ſein würde, dem Könige zu widmen.
Als Petrarca in Rom angekommen war, wurde der Tag der Krönung auf den 8. April 1341, den heiligen Oſtertag, feſtgeſetzt, und der Dichter empfing, unter dem Zurufe des verſammelten Volkes, aus der Hand ſeines Freundes und Gönners, des Grafen Orſo⸗ von Anguillara, der damals römiſcher Senator war, auf dem Capitole die Lorbeerkrone.
Nach beendigter Krönung reiſte Petrarca im Mai nach der Lombardei, mit dem Wunſche, nach Avignon zurückzukehren, aber die Bitten ſeiner Freunde hielten ihn in Parma zurück. Hier empfing er die Nachricht von dem Tode ſeines Gönners Jacob Colonna, nach⸗
dem er in der Nacht vorher einen Traum gehabt hatte,


