Jahrgang 
1-26 (1867)
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14 Novellen

dazu, auch in andern zweifelhaften Fällen den Zweikampf an⸗

zuordnen, damit dem allmächtigen, allgütigen Gott die Ge⸗

legenheit geboten werde, ſeinen Willen kundzugeben.

Da die Mehrzahl der Menſchen für Ideen keine Auf⸗

faſſung oder kein Gedächtniß hat, ſondern nur die Formen, unter welchen ſie zu Tage treten, erfaßt, feſthält und nachäfft, ſo wurde auch die Idee, welcher die Einführung der Gottes⸗ urtheile entſprang, d. i. die Meinung, daß das böſe Gewiſſen den Schuldigen im Kampfe erliegen machen müſſe, gar bald nicht mehr beachtet und kam endlich ganz in Vergeſſenheit. Man hatte geſehen, daß in zweifelhaften Fällen die Ge⸗ richte das Gottesurtheil, den Zweikampf, entſcheiden laſſen, und der Zweikampf wurde die ſtehende Form für alle Fälle, wo die Entſchließung ſchwer oder auch nur unbequem war. Dieſe Gewohnheit war ſo zur zweiten Natur geworden, daß der Vater ſogar über die Hand ſeiner Tochter den Zwei⸗ kampf entſcheiden ließ, daß er das Glück ſeines Kindes am ſicherſten gewahrt glaubte, wenn er die verſchiedenen Braut⸗ werber, von welchen jeden einzelnen als Schwiegerſohn anzu⸗ nehmen er bereit war, zum Kampfe auf Leben und Tod an⸗ einander hetzte; und wie die Herrlichkeit der Hochzeit des Arabers von der Anzahl der geſchlachteten Kameele abhängt, ſo verherrlichte die Hochzeit des Ritters die Anzahl der er⸗ ſchlagenen Mitbewerber. Leider hatten aber auch damals ſchon Mädchenköpfe oft ihre unabhängige Logik und Mädchen⸗

herzen ihre eigene Wahl, ſo daß manche Braut zum großen

Erſtaunen der Mitwelt den ganzen Vorgang nicht naturge⸗ mäß fand, mit dem Ausgang des Kampfes nicht einver⸗ ſtanden war, oder auch nicht über Leichen in's Braut⸗ gemach ſchreiten wollte; und die Zahl der zwecklos Erſchla⸗ genen wurde noch um eine Leiche vermehrt, durch jene der Braut.

Eines ſolchen Falles erwähnt auch der Mönch von Ruen (Rein) in ſeiner Reimchronik. Er erzählt, daß in dem jetzigen Lindengarten des Schloſſes Göſting um die Hand der ein zigen Tochter des Wülfing von Göſting gekämpft wurde, und daß Anna, troſtlos über den Ausgang des Kampfes, ſich vom Felſenabhang in die Tiefe ſtürzte, welcher Felſen auch heute nochder Jungfernſprung heißt.

So ordnete z. B. im eilften Jahrhundert Alfons I., Kö⸗ nig von Caſtilien, den Zweikampf an, um über die Wahl eines Breviers zu entſcheiden. In den Kirchen Spaniens war das ſogenannte mozarabiſche Brevier im Gebrauche. Der Papſt und mit ihm der König wollten die Einführung des römiſchen Breviers; die Geiſtlichkeit und das Volk waren für Beibehaltung des alten. Um den Streit zu entſcheiden und den Willen Gottes zu ergründen, kam man überein, Gott durch den Zweikampf ſprechen zu laſſen. Der Kämpfer für das alte Brevier blieb Sieger, aber der König war noch nicht überzeugt und ordnete eine neue Probe an. Von den beiden Brevieren wurde ein Exemplar ins Feuer geworfen, das alte blieb unverſehrt. Nun beugte ſich auch der König vor dem Fingerzeige Gottes.

Als der Wahn die Geiſter ergriffen und der Aberglaube die Religion der Liebe verdrängt hatte, tauchten nach und nach neue Arten von Gottesurtheilen auf.

Man erſann die Feuerprobe, wo Unverſehrtheit nach Aushalten von glühenden Kohlen, nach Gehen durch's Feuer oder nach Angreifen von rothglühendem Eiſen ſür einen Be⸗ weis der Unſchuld galt. Als z. B. im zwölften Jahrhundert Günther von Hohenwarth den Abt des Admonter Kloſters,

Wolwad, beſchuldigt hatte, er halte ſich viel zu lange und viel

Zeilung. ſangebaut war, und treibe ſich überhaupt zu viel in ſolchen Klöſtern herum, erbot ſich Wolwod, den ſeine Mönche auch wegen anderer Dinge abſetzen wollten, zur Feuerprobe, und nahm in Gegenwart dreier Mönche ein rothglühendes Eiſen in die Hand, ohne Schaden zu leiden.

Die Anklage des zu lange, zu oft und zu viel war hier⸗ mit entkräftet.

Dann kamen noch: die Waſſerprobe, die gewöhnlich bei Frauen, die der Zauberei beſchuldigt waren, angewendet wurde, wobei ſie ſich durch Unterſinken von dem Verdachte reinigten.

Am längſten erhielten ſich das Gottesurtheil und der gerichtliche Zweikampf in England, wo heute das Duell als erloſchen angeſehen werden kann, weil die öffentliche Meinung es nicht mehr gutheißt, und die Richter es als einen über⸗ wundenen Standpunct lächerlich machen.

Im Jahre 1096 ſchlug ſich unter den Augen Wilhelms II., des Sohnes Wilhelms des Eroberers, Graf d'Eu mit Gott⸗ fried Baynard, welcher den Grafen angeklagt hatte, er habe ſich mit dem Grafen Northumberland gegen den König ver⸗ ſchworen. Graf d'Eu wurde beſiegt, ſonach des Hochver⸗ raths ſchuldig befunden, und verurtheilt, geblendet zu werden, welches Urtheil auch unverweilt auf dem Kampfplatze vollzogen wurde.

Noch im Jahre 1583 haben zwei Edelleute aus der alten Königsfamilie d'O'Connor, Marc⸗Comork und Marc⸗Gil⸗ Patrik wegen einer Streitſache, in der ſie ſich nicht aus⸗ gleichen konnten, um die Erlaubniß zum gerichtlichen Zwei⸗ kampf gebeten. Nach erhaltener Bewilligung ſchlugen ſie ſich im Schloßhofe zu Dublin in Gegenwart des Statthalters, des Gerichtshofes und der Generalität; Marc⸗Gil-⸗Patrik ſchlug ſeinem Gegner den Kopf ab und trug ihn bluttriefend zum Lord⸗Oberrichter.,

Die Geſchichte lehrt uns, daß der Zweikampf urſprüng⸗ lich vom Throne und der Kanzel als Gottesurtheil eingeführt, angeordnet und geglaubt wurde; daß der blutfordernde Aberglaube des gerichtlichen Zweikampfes von den Prieſtern des göttlichen und des menſchlichen Rechtes gemeinſchaftlich der Menſchheit eingeimpft wurde; daß Aberglaube und Vor⸗ urtheil ſich ſchnell verbreiten und tiefe Wurzeln ſchlagen, daß hingegen die Humanität nur langſam erſtarke und der geſunde Menſchenperſtand nur nach und nach ſich Bahn breche.

Der Vialonrelliſt Servais.

Am 26. November ſtarb der berühmte Violoncelliſt Servais, der ſich einen europäiſchen Namen erworben hat, iin ſeiner Geburtsſtadt Hal in Belgien in Folge einer langen ſchmerzlichen Krankheit. Der jetzt Verſtorbene wurde am 7. Juni 1807 in Hal geboren und war der Sohn eines dortigen Muſikus, von dem er auch die erſten Lectionen in der Muſik und im Violinſpiel erhielt. Durch die glücklichen Anlagen, die er zeigte, wurde der Marquis de Sayve, ein großer Verehrer der Muſik, welcher in der Nähe von Hal wohnte, auf ihn aufmerkſam, und der ihn dem erſten Violin⸗ ſpieler an dem Théatre de la Monnaie in Brüſſel, Van der Planken, anvertraute, um ſein Talent gehörig auszubilden. Eines Tages hörte Servais den Violoncelleſpieler Platen und von dieſem Augenblick an erkannte er ſeinen wahren Beruf und gab die Violine auf, um ſich ganz dem Violoncelle zu widmen.

Er trat in Brüſſel ins Conſervatoire ein, wo er bald zu den

zu oſt in dem Kloſter der Nonnen auf, das an dem ſeinigen ausgezeichnetſten Schülern Platens gehörte. Man ernannte

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