12 Novellen⸗Jeilung.
und großmüthiger Freund. Der verächtliche Schurke in dem Luſtſpiele iſt der Edelmann Dorante, elender Schmeichler
und ehrloſer Betrüger. Es gehörte das ſeltene Talent
Molisre's dazu, um über ſeine wahren Abſichten das damalige Publicum zu täuſchen, und zugleich ein großer Muth, um es zu wagen, vor den Augen des Volkes ein Bild der Ver⸗ dorbenheit der Höflinge auf die Breter zu bringen. Gewiß zeigt dieſe Art, das Genie Molisre's auſzufaſſen und zu be⸗ urtheilen, von einer nicht gewöhnlichen Beobachtungsgabe, und wirklich hat Fabre d'Eglantine in ſeinen Theaterſtücken bewieſen, daß er es trefflich verſtand, ſein Vorbild gehörig zu würdigen und glücklich nachzuahmen. Als Mitſchuldiger Dantons verurtheilt, fiel er mit dieſem.
Legendre, Fleiſcher von Paris, war von kleiner Statur und hatte ein von Blattern⸗Narben zerriſſenes Angeſicht. Er drückte ſich mit außerordentlicher Leichtigkeit aus. Obſchon ohne alle Geiſtesbildung, war er von der Natur mit einer wirklich ausgezeichneten Beredtſamkeit ausgeſtattet, und in ſeinen Reden wie im Geſpräch mit ihm traf man häufig auf ganz originelle Gedanken und glückliche Einfälle. Glühender Patriot, betheiligte er ſich an den abſcheulichſten Unthaten der Revolutionsmänner; dabei aber handelte er unzweifelha ft voll Treu und Glauben und ließ ſich von einem unbändigen leidenſchaftlichen Hang zur Freiheit hinreißen. Mit Staunen hörte ich manchmal dieſem Manne zu, als er aus den Sitz⸗ ungen des Nationalconvents, wo er die blutigſten Maßregeln unterſtützt hatte, zurück kam und bei Deforgues im engen Kreiſe ſeiner Geſinnungsgenoſſen, mit ungeheuchelter tiefer Empfindung, ja bisweilen mit Thränen im Auge von ſeinem häuslichen Glück, ſeiner Frau und ſeinen Kindern ſprach, wie man es nur von dem beſten Gatten, dem zärtlichſten Vater erwarten konnte. Seltſame Miſchung von fühlloſer Rohheit in der Politik und achtungswerthen Eigenſchaften im Privatleben! Sie zeigt, wie das menſchliche Gemüth die widerſprechendſten Eindrücke in ſich aufzunehmen fähig iſt. Eifriger Anhänger Dantons, den er den Hercules der Revolution nannte, ſprach Legendre von deſſen ſtaatsmän⸗ niſchen Talenten mit Bewunderung; aber er tadelte laut undoffen ſeine Sittenloſigkeit, ſeinen Hang zur Verſchwendung und betheiligte ſich niemals an den ſchmutzigen Geldſpecu⸗ lationen ſeines Freundes. Hierüber kam es zwiſchen Beiden zu lebhaftem Streit, und obſchon Danton jedesmal der Sache eine ſcherzhafte Wendung zu geben ſuchte und die Straf⸗ predigten ſeines Collegen zu verlachen ſchien, ſo gab dieſer dennoch nicht nach, und es war ſichtbar, daß der Tadel Legen⸗ dre's ihn empfindlich verletzte. Dieſer merkwürdige und ſo ſeltſam organiſirte Menſch genoß eine ſolche Achtung, daß, obwohl er ſeine Anhänglichkeit an Danton offen kund gab, St. Juſt es nicht wagte, ihn in die Anklage gegen dieſen Letzteren zu verwickeln. Auch nach dem Tode Dantons hörte Legendre nicht auf, ſeinen Freund zu vertheidigen; dennoch wurde er niemals angefochten und ſaß noch am 9. Thermidor in dem Nationalconvent, wo er nit den Gegnern Robes⸗ pierre's gemeinſchaftliche Sache machte und zu deſſen Sturze beitrug. Er machte ſomit unter den hervorragenderen Mitgliedern des Convents eine ſeltene Ausnahme und entrann dem Schickſal, das beinahe alle die wüthenden Nevalutionsmänner der Schreckenszeit erreichte. Nach der Annahme der Conſtitution vom Jahre III wurde er in den Rath der Alten erwählt und ſtarb als Mitglied dieſer Ver⸗ ſammlung zu Paris ruhig in ſeinem Bett zu Anfang des Jahres VI(Ende 1797). Er hinterließ kein Vermögen.
Camille Desmeoulins, etliche und dreißig Jahre alt,
fand ſich auch ziemlich oft zum Eſſen bei Deforgues, einem Bekannten des Grafen Melito, ein. Er hatte ein ganz gemeines Geſicht; ſein Aeußeres überhaupt war nichts weniger als empfehlend, und im Geſpräch erſetzte er keines⸗ wegs, was die Natur ihm verſagt hatte. Düſter und ſchweigſam, wie er war, trugen ſeine Züge den Ausdruck einer tiefen Schwermuth, und ich konnte nicht begreifen, wie derſelbe Mann im Jahre 1789, zu Anfang der Revolution, durch die begeiſterten Reden, die er im Palais Royal von einem Stuhl herab an die um ihn her verſammelte Menge hielt, die großen Volksbewegungen jener berühmten Epoche hatte hervorbringen können. Als ich ihn bei Deforgues ſah, war er von den gräßlichen Scenen, die er täglich vor Augen hatte, tief erſchüttert, und hatte verſucht, menſchlichere Gefühle in den Gemüthern zu erwecken. In mehreren Nummern eines Tageblattes, das er unter dem Titel: Le vieux Cordelier herausgab, hatte er ſogar gewagt— und dies war damals ein ſeltenes Beiſpiel großen Muthes,— der Rückkehr zu einem milderen Syſtem das Wort zu reden, und Danton pflegte ihn über dieſe Schwäche, wie er es nannte, auf⸗ zuziehen. Aber Camille Desmoulins, der um dieſer ſeiner neuen Grundſätze willen nach und nach von allen angeblich patriotiſchen Clubs ausgeſtoßen worden war, antwortete nicht.
Sein Trübſinn ließ vermuthen, daß er von dem trau⸗ rigen Geſchick, das ſeiner wartete, ſchon ein Vorgefühl hatte, und wenn ihm einige Worte entfielen, ſo war es nur, um über die Sprüche des Revolutionstribunals, über die Hinrichtung der Verurtheilten, über die würdigſte und anſtän⸗ digſte Art ſich zum Tode zu bereiten und ihn zu erleiden, Nachweiſungen zu erhalten. Seine Ahnung erfüllte ſich bald. St. Juſt zog ihn in die gegen Danton und deſſen Partei erhobene Anklage mit hinein, ohne daß auch nur ein Schein
von Mitſchuld dieſe Vermengung gerechtfertigt hätte. Vor
das Revolutionstribunal gebracht, drückte er ſein Erſtaunen aus, ſich Schuften beigeſellt zu ſehen. In ſeinem Verhör gab er dem Präſidenten, der ihn um ſein Alter befragte, eine höchſt unchriſtliche, aber die vunalizs Zeit bezeichnende Antwort(er erwiderte:„Ich bin ſo alt als der Sanscülotte Jeſus: 33 Jahre,“) und beſtieg das Schaffot an dem gleichen Tage wie Danton.
Noch habe ich einige Worte von Robespierre zu ſagen, den ich nur ein einziges Mal ſah. Er war ſtets ſauber gekleidet, ſorgfältig ſriſirt und gepudert, abgemeſſen in ſeinem Benehmen und bildete in dieſen Beziehungen den auffallendſten Contraſt mit ſeinen Collegen, mit ihrer affec⸗ tirten Unreinlichkeit im Anzug und ihrer Ungeſchliffenheit in ihrem ganzen Weſen. Seine Haltung war ernſt und nur ſelten nahm er anders als durch einige in Form von Maxi⸗ men hingeworfene Phraſen am Geſpräche Theil. Uebrigens glaubte ich, ungeachtet der Uubeweglichteſt ſeines blaſſen, unheilverkündenden Angeſichts, mehr als einmal zu bemerken, daß er ſich unbehaglich fühlte, und wirklich verdachte er es Deforgues höchlich, ihn mit Leuten uſamen evrache zu haben, die in ſeinen Augen mehr als zweifelhafte Patrioten, oder, was noch unverzeihlicher, Gemäßigte waren. Es zeigte ſich bald darauf, daß er dieſe Beleidigung nicht vergeſſen hatte. Das Geſpräch war daher während des Mittagseſſens, dem Robespierre anwohnte, im Allgemeinen gezwungen. Aus den wenigen Worten, die ich von ihm hörte, entnahm ich, daß ihm beſonders daran lag, für einen großen Staats⸗ mann zu gelten. Er ſprach von den Beziehungen Frank⸗ reichs zum Auslande, von der Nothwendigkeit, denſelben eine größere Ausdehnung zu geben und von einer erneuerten
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