Jahrgang 
1-26 (1867)
Einzelbild herunterladen

Novellen⸗ZJeitung.

Feuilleton.

Ein ADuell um Liebe. Sie flogen Beide kerzengerade gegeneinander in die

Daß ſolche unter den Menſchen nicht ſelten vorkommen, Höhe, ebenſo wieder auf das Dach zurück, während ſie mit iſt leider eine bekannte Thatſache, doch ſie finden ſich auch den Säbelklingen ihrer Flügel tapfer auf einander loshieben aus demſelben Grunde der Eiferſucht in der Thierwelt. Von und mit den Spießen ihrer Schnäbel fochten und ſtachen. den Löwen haben ſie bereits mehrere Reiſende erzählt; der Der Kampf war hitzig, erbittert und blutig.

Verfaſſer der Lebensbilder und Schilderungen aus der Grete blieb inzwiſchen auf dem Neſte ſitzen, doch ver⸗ Thierwelt theilt aber auch einen ſolchen Zweikampf zwiſchen folgte ſie das Gefecht augenſcheinlich mit lebhafter Theilnahme; zwei Störchen mit und in der That iſt derſelbe feſſelnd denn ſie hob und reckte ſich, bog ſich dann wieder zurück und genug. Der Verfaſſer erzählt: begleitete alle Bewegungen der Kämpfer mit den ausdrucks⸗

Auf dem Giebel der größten Scheune in Grünau, dem vollſten Geberden. Auch klapperte ſie ſo tieftraurig und Gute meines Onkels, erzählte einer meiner Freunde, war klagend, dann wieder ſchrill auf, wie im Entſetzen, und gleich ſeit vielen Jahren ein Storchneſt. Wir Kinder freuten hinterher faſt freudevoll jubelnd. Wem von den beiden uns ſchon lange im Voraus auf die Ankunft der lieben Kämpfern aber die innige Theilnahme galt, das vermochten Frühlingsboten, und wenn ſie gekommen, dann war unſere wir nicht zu entziffern, und faſt mußten wir glauben, daß Freude ſo groß, daß wir ihnen täglich eine Schüſſel mit ſie auf Seiten des fremden Ritters ſei, da ſie denſelben ja kleinen Fiſchen, friſchen Fleiſchſtücken oder mit Klößen in ſo freudig begrüßt hatte. den Garten ſtellten. Die letztern, welche zum Mäſten des Wir hatten natürlich ſogleich Theil für unſern alten Federviehes beſtimmt waren, aßen unſere beiden Gäſte Freund genommen, und ich, als der Aelteſte aller Vettern beſonders ſehr gern und durch dieſelben waren ſie ſo zutraulich und Bäschens, wurde beauftragt und mit Thränen in den geworden, daß ſie dicht neben uns herumſpazierten und uns Augen beſtürmt, den fremden Storch zu erſchießen. Dies auch wohl die Klößchen aus den Händen nahmen. Anfaſſen war jedoch nicht ſo leicht, denn die Kämpfer waren fort⸗ und angreifen ließen ſie ſich aber durchaus nicht. während hart aneinander, und andererſeits wollte es der

Wir hatten das Männchen Hans und das Weibchen Onkel, welcher ein beſonderer Freund ſolcher Naturbeob⸗ Grete getauft, und wirklich, beſonders gleich nach ihrer achtungen war, auch trotz aller Bitten durchaus nicht zu⸗ Ankunft im Frühjahre, kamen ſie Beide eiligſt auf dieſen geben.

Ruf herbei. Später wurden ſie dann durch die Geſchäfte So währte der Kampf fort, ununterbrochen zwei Tage des Neſtausbauens, Brütens und durch das Erziehen der lang, und ich glaube faſt auch die Nachte hindurch, wenig⸗ Jungen ſo in Anſpruch genommen, daß ſie ſich wenig um ſtens ſahen wir ſie noch immer ſpät des Abends anein⸗ uns kümmerten und erſt im Spätſommer mit den ausfliegenden ander. Da, am dritten Morgen, ſchienen die Kräfte unſeres Jungen wieder zu uns herabkamen. Hans zu erlahmen, er floh öfter nnd wandte ſich nur noch

In der Sommerzeit hatten wir ja dann auch unſere wie in äußerſter Verzweiflung gegen den unerbittlichen Ver⸗ Freude und Beſchäftigung an vielem, vielem Anderen, an folger. Die Bitten und Thränen der kleinen Mädchen Blumen, Vögeln, Schmetterlingen, Käfern und dergleichen. trugen jetzt endlich den Sieg über des Onkels Hartherzigkeit Dennoch gewährte es uns oft Unterhaltung, wenn wir zuſehen davon, ich erhielt die Erlaubniß, den frechen Ruheſtörer konnten, wie die Störche am klarblauen Himmel in maleri⸗ zu tödten. ſäe Kreiſen und Windungen dahinſchwebten, oder wenn Von dem ganzen Schwarm der erregten kleinen Freun⸗ ie, mit Beute zurückkehrend, einander mit freudigem Klappern dinnen und Freunde des guten Hans gefolgt, ging's nun begrüßten. Und wenn dann die Jungen heranwuchſen, drei, hinaus auf den Schauplatz des Kampfes. Dies war eine vier, einmal ſogar fünf, und ihre Flügelübungen anſtellten, liebliche, grüne, von einem Bache ſilbern durchſchlängelte ſo nahmen wir gewiß den lebhafteſten Antheil an den Vor⸗ Wieſe. Ein ſchöneres und treffenderes Bild des Friedens kommniſſen in der Storchfamilie. und der beglückenden Ruhe hätte man nimmer finden können,

In einem Frühjahre, während ſie eben ſich wieder mit als dieſe mit Blumen überſäete Matte. Die Nachtigallen der Ausbeſſerung des Neſtes beſchäftigten, ſollte das ſchöne in den Fliederbüſchen am Bach, die Hänflinge auf den Wipfeln friedliche Stillleben plötzlich geſtört werden. Eines Morgens der kleinen Tannen, die Grasmücken in den Weidenſträuchern erſchien ein großer fremder Storch und ſetzte ſich dann dreiſt und die kleinen goldigen Zeiſige auf den Gipfeln der Erlen, auf den andern Giebel der Scheune. Jedenfalls mußte ſie alle ließen ihre Stimmen erſchallen, und in dies allgemeine zwiſchen unſerer Grete und dem Fremden ſchon irgend eine Jubelconcert tönten aus dem dunklen Dickicht die ſchwer⸗ Beziehung vielleicht eine Reiſebekanntſchaft beſtehen, müthigen Weiſen der Amſel, das melodiſche Flöten des Pirols, denn während Hans, ihn finſter anblickend, regungslos der neckende Ruf des Kukuks, die frohlockenden Triller der neben dem Neſte ſtand, klapperte ſie ihm ganz freundlich Lerchen im Himmelsblau und das einförmige Hophophophop! entgegen. des Wiedehopfs.

Sei es nun aus Aerger hierüber oder über das freche Jetzt war dies aber Alles anders. Starrer Schrecken Andringen des Andern, genug, der Hausherr gab der Gattin hatte die Herzen aller Bewohner dieſer kleinen Idylle er⸗ einen derben Hieb auf ihren vorwitzigen Schnabel und ſtellte griffen, und unter ängſtlichem Klopfen und bangen Schmerzen ſich dann dem Fremden kampfbereit gegenüber. Dieſer ließ lauſchten ſie Alle dem wuthentbrannten Kampfe. Schon von auch nicht lange auf ſich warten und es begann ein groß⸗ Weitem hörten wir das gellende Klappern und Klatſchen der artiger, erbitterter Zweikampf auf Hieb und Stich. Schnäbel und Flügel. Als ich endlich ſchußrecht heran war,

--,,',,

,,,

,