Jahrgang 
1-26 (1867)
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das nicht à hen? geben vor m Papſte.

din. Tag IITV. Ich zung des wo man dis zu den Königliche nterhalten, us meinem nem Schatze erwachen. der Tam⸗ und unter eiche weine das iſt recht Vormittags t Alles; er Perioden. in ſeiner Maupertuis Hbin immer in mir die Huldigungen

den andern ten, Schllei⸗ ie z B. de ab, ſo finden oſerie und von vielen rianten fort ematiſch, dl⸗ 4 e8 ſein

Vierke Folge. 9

mitgetheilt, den ſie ihm ſandte, nachdem er ſeine be⸗ kannte DichtungSur la loi naturelle überreicht hatte. Sie ſchreibt:

Um das Werk, welches Sie mir gütigſt überſandt haben, würdig zu loben, dazu braucht es mehr Geiſt und Feinheit, als ich beſitze. Man muß bei Bruder Voltaire auf Alles gefaßt ſein⸗ Was er Schönes macht, ſetzt nicht mehr in Erſtaunen; das war früher der Fall; ſeit langer Zeit bewundert man ihn nur noch. Ihr GedichtSur la loi naturelle hat mich entzückt. Neuheit des Gegenſtandes, Erhabenheit der Ideen, Schönheit der Form, Alles iſt darin vereint, aber darf ich es ſagen? Eines fehlt, um es vollkommen zu machen: der Gegenſtand erfordert eine größere Ausbreitung, als Sie ihm gegebeu haben. Beſonders der erſte Satz erfordert eine weitläufigere Erklärung. Erlauben Sie mir, daß ich mich ausſpreche und Ihnen meine Bedenken mittheile.

Gott, ſagen Sie, hat allen Menſchen das Gefühl der Gerechtigkeit und das Gewiſſen gegeben, um ihnen ſeinen Willen kund zu geben, ebenſo, wie er ihnen alles zum Leben Nothwendige dargeboten hat. Hat alſo Gott dem Menſchen die Gerechtigkeit und das Geviſſen verliehen, ſo ſind folglich dieſe beiden Eigen⸗ ſchaften dem Menſchen angeboren und werden noth⸗ wendige Attribute ſeines Weſens. Daraus folgt in nothwendiger Folge, daß der Menſch dem gemäß han⸗ deln muß, und daß er weder ungerecht ſein kann, noch von Gewiſſensbiſſen beladen, da er doch nicht gegen einen mit ſeinem urſprünglichen Weſen verbundenen Inſtinct handeln kann. Die Erfahrung lehrt aber das Gegentheil: Wenn die Gerechtigkeit ein Attribut unſeres Weſens wäre, ſo wäre alle Hinterliſt verbannt, die Advocaten ſtürben Hungers und die Parlaments⸗ räthe würden Frankreich um ein gegebenes oder ver⸗ weigertes Stück Brod nicht mehr beunruhigen, wie ſie es jetzt thun, und die Jeſuiten und Janſeniſten würden ihre Ignoranz betreffs ihrer Doctrin offen bekennen.

Die genannten Eigenſchaften ſind alſo nicht zum Weſen gehörig, ſondern nur beziehungsweiſe auf die menſchliche Geſellſchaft vorhanden. Die Eigenliebe hat die Gerechtigkeit erzeugt. In den Urzeiten zer riſſen ſich die Menſchen untereinander um Kleinig⸗ keiten, wie ſie es auch heute noch thun; es gab weder

eine Sicherheit des Domicils, noch eine Sicherheit

des Lebens. Die, unglücklichen Unterſcheidungen zwi⸗ ſchen Mein und Dein, die man heutzutage nur zu ſehr innehält, verſcheuchten jede Einigkeit. Von der Ver⸗ nunft erleuchtet, von der Eigenliebe getrieben, kam der Menſch endlich zu der Erkenntniß, daß die Geſell⸗

ſchaft ohne Ordnung nicht beſtehen könne. Zwei mit ſeinem Weſen verknüpfte und ihm angeborene Triebe brachten ihn dahin, gerecht zu ſein, und das Gewiſſen war nur eine Folge des Rechtsgefühls. Dieſe zwei Triebe, die ich meine, ſind die Abneigung gegen jede Art von Unbehagen und dann der Drang nach Ver⸗ gnügen.

Die Unruhe kann nur das Unbehagen gebären und die Ruhe iſt die Mutter des Vergnügens. Ich habe mir ein beſonderes Studium daraus gemacht, das menſchliche Herz zu ergründen: ich urtheile nur nach meinen Erfahrungen aus der Geſchichte. Doch ich verſenke mich zu weit in dieſes Thema und könnte leicht wie Jkarus aus den Wolken fallen; ich erwarte Ihre Entſcheidung mit Ungeduld und werde ſie wie Orakelſprüche betrachten. Führen Sie mich auf den Weg der Wahrheit und nehmen Sie die Verſicherung, daß, wie dieſe auch lauten möge, Eines unwiderleglich iſt, nämlich der Wunſch, Ihnen einen Beweis zu liefern, wie ſehr ich Ihre aufrichtige Freundin bin.

Wir wollen den Frauen unſerer Zeit nicht zu nahe treten, aber es moͤchte wenig weibliche Köpfe unſerer Tage geben, welche das Obige zu denken oder gar niederzuſchreiben im Stande wären. Die Mark⸗ gräfin hatte eine gründliche philoſophiſche Bildung und wurde ihres gediegenen Geiſtes wegen von ihrem Bruder ſo hoch geſchätzt, als er ſie ihres edlen Herzens und Gemüthes halber liebte. Voltaire's Anbetung dieſer Frau ſcheint eine aufrichtige geweſen zu ſein.

Gegen die Aechtheit dieſer Briefſammlung möchte wohl kein Zweifel erhoben werden können. Abgeſehen daoon, daß der Herausgeber und Ueberſetzer genau angiebt, auf welche Weiſe ſich die Originalmanuſcripte erhalten haben und endlich bis auf die Gegenwart ge⸗ kommen ſind(eine Angabe, deren Wiederholung uns hier zu weit führen würde) ich ſage abgeſehen von dieſer glaubwürdigen Explication, überzeugt mich viel mehr noch als dieſe der Inhalt der Schriftſtücke ſelbſt von ihrer unverfälſchten Originalität. Eine Nach⸗ ahmung ſolcher Manuſcripte würde unmöglich ſein und wenn ſie ein gewandter Kopf verſuchte, ſo würde er es zugleich verſuchen, viel pikanter werden zu wollen, als es die Wirklichkeit und Wahrheit zu ſein pflegt.

Horn hat dieſe merkwürdigen Reliquien mit ſehr trefflichen Raiſonnements und geſchichtlichen Erläu⸗ terungen begleitet und mit Recht beſonders darauf einen Nachdruck gelegt, daß dieſe Briefe, abgeſehen von ihrer allgemeinen literariſchen und culturgeſchicht⸗ lichen Bedeutung, noch ſpeciell eine Beleuchtung der Kataſtrophe zwiſchen Friedrich und Voltaire darbringen.