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828 Novellen⸗
„Der Menſch mag kommen,“ ſprach er in einem Tone, der keineswegs verſöhnlich klang.
Grumbkow eilte an die Thüre und übergab den Befehl dem harrenden Kammerdiener. Gleich darauf trat Friedrich ein,— bleich, verwirrt, mit ſcheuen Blicken auf den Monar⸗ chen. Er ſank auf die Kniee und blickte in das eiſig kalte Geſicht des Vaters. Dieſen erbitterte die demüthige Haltung noch mehr, weil er ſie nicht als Ausdruck aufrichtiger Reue, ſondern als weiteren Beweis von Friedrich's Heuchelei und feigem Sinne betrachtete.
„Steh' Er auf!“ befahl der Fürſt ſtrenge.
„Gnade, mein allergnädigſter Vater,— Gnade, Ver⸗ zeihung!“ flehte der Prinz.
„Hört Er nicht? Er ſoll aufſtehen!“
Der Prinz gehorchte. Geſenkten Hauptes, bebend wie ein Verbrecher vor ſeinem Richter, ſo ſtand Friedrich vor dem Fürſten, deſſen Auge zürnend auf ihm ruhte. Es ent⸗ ſtand eine lange, peinliche Pauſe. Des Königs Angeſicht wurde immer finſterer, der Anblick des ſchuldigen, unnatür⸗ lichen Sohnes ſteigerte ſeinen Zorn. Endlich entleerte ſich das wetterſchwere Gewölk auf des Monarchen Stirne in einer fluthenden, donnernden Strafrede, die alle Sünden und Ver⸗ gehen des Prinzen rückſichtslos enthüllte.
„Gott gebe,“ ſchloß der Fürſt,„daß Euer falſches Herz durch Eure Gefangenſchaft gebeſſert wurde. Ich zweifle jedoch an Eurer Beſſerung. Ich kenne Eure Heuchelei und Doppelzüngigkeit. Er iſt ein feiger, niederträchtiger Menſch, — ein Spötter, ein Atheiſt⸗),— verdorben an Leib und Seele. Dahin haben Euch ſchlechte Geſellſchaften und ſchlechte Bücher gebracht. Dirnen, Franzoſenthum, affen⸗ mäßige Ziererei, das iſt Euer Geſchmack;— redlichen deutſchen Sinn, Mannheit und Chriſtenthum kennt Ihr nicht.“
Immer tiefer ſenkte ſich Friedrich's Haupt. Zuweilen erhob er daſſelbe und blickte verzagt in des Vaters glühendes, ſtrafendes Geſicht.
„Dabei iſt Er ein eigenſinniger, böſer Kopf, der ſeinen Vater nicht liebt. Er weiß doch, daß ich keinen weibiſchen Kerl leiden kann, der keine menſchlichen Neigungen hat,— der ſich nicht ſchämt,— der nicht reiten noch ſchießen kann, — der unreinlich iſt am Leibe,— der ſeine Haare wie ein Narr friſirt und nicht ſchneidet. Er iſt hoffährtig, bauernſtolz und nicht geſprächig. Er redet, außer mit Einigen, ſonſt mit Niemand. Er ſchneidet mit dem Geſichte Grimaſſen, als wenn Er ein Narr wäre. Er thut des Vaters Willen nie, als wenn Er mit Gewalt dazu gezwungen wird. Er hat zu nichts Luſt, als ſeinem eigenen Kopfe zu folgen. Er glaubt, ich kenne ſeine ſchlechten Streiche nicht,— Alles weiß ich. Abgeſehen von dem letzten Verbrechen, weiß ich, daß Er gewohnt iſt, alle meine Handlungen zu beſpötteln,— daß Ihm meine Soldaten Canailles» ſind,— daß Er Schmeich⸗ ler liebt, ehrliche Männer aber verachtet. Ich kenne Eure Sucht für franzöſiſche Ausſchweifungen und Euer ganzes ſchlechtes, unchriſtliches Herz. Ja,“ und des Königs Ange⸗ ſicht wurde dunkler, ſeine Stimme noch donnernder,„das iſt in Seinen Augen digne d'un prince.“
Es folgte eine Pauſe. Die dräuenden Wetter auf des Fürſten Stirne zogen ab, das ſchwarze Gewölk hatte ſich ent⸗ leert,— der entrüſtete Mann und tief gekränkte Vater ſeinen Groll ausgeſchüttet.
*) Atheiſt war Friedrich damals nicht, aber ſein Vater hielt die Prädeſtinationslehre, die Leugnung aller Dogmen und Moral, für Atheismus.
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Zeitung.
„Der Kaiſer,“ fuhr er gelaſſen weiter,„hat Euer ver⸗ wirktes Leben verlangt, ich habe dem Kaiſer willfahrt. Möge der Kaiſer und ſein Haus nicht dereinſt an Euch finden, was ich an Euch gefunden habe,— einen undankbaren, heuchleri⸗ ſchen Menſchen. Großer Gott,— wo habe ich es denn verdient, einen ſolchen Sohn zu haben?“— und es klang eine tiefe Rührung durch dieſe Worte des Königs.
Friedrich benutzte raſch den günſtigen Augenblick, und ſtürzte abermals auf die Kniee.
„Allergnädigſter Vater, Gnade,— Verzeihung,—
Erbarmen!“ flehte er.„Ich bin Eurer Majeſtät Gnade unwerth, ich weiß es. Aber ich appellire an Ihr chriſtlich frommes Herz. Ich gelobe vor Gott und Eurer Majeſtät aufrichtige Beſſerung. Ich erkenne meine Frevel, meine Ver⸗ irrungen und verdamme ſie. Stellen Sie, allergnädigſter Vater, meiner kindlichen Treue die härteſten Proben! Die Aufgabe meines ganzen Lebens ſoll lediglich darin beſtehen, die Achtung und Liebe Eurer Majeſtät zu verdienen.“
„Genug,— genug,“ unterbrach ihn der König,„ich will Ihm glauben. Steh' Er auf. Ich kann das Gerutſche auf den Knieen vor mir nicht ausſtehen. Mögen Eure Ver⸗ ſicherungen nicht abermals Lüge und Heuchelei ſein. Hoffent⸗ lich ſeid Ihr jetzt überzeugt, daß ſchlechte Geſinnung nicht zum Glücke führt.— Ihr habt gemeint, mit Eurem Eigenſinn durchzukommen! Aber höre, mein Kerl, wenn Du auch ſechzig oder ſiebenzig Jahre alt wäreſt, ſollteſt Du mir doch nichts vorſchreiben. Da ich mich bisher gegen Jedermann behauptet, werde ich auch Mittel finden, Dich zur Vernunft zu bringen.“
Er reichte dem Prinzen die Hand. Der Prinz küßte die Hand.
Vor dem Regierungsgebäude hatte ſich eine wogende Volksmenge verſammelt. Nicht Liebe zum Landesherrn, ſon⸗ dern Neugierde trieb ſie her. Zur Liebe hatten die Preußen, welche ſich an die ruſſiſche Knute nicht gewöhnen konnten, keinen Grund. Den letzten Reſt von Zuneigung zerſtörten die üblichen Gewaltthätigkeiten bei Erpreſſung der„blauen Kinder“.
Als der König heraustrat, um den Wagen zu beſteigen, ſchwieg das Geſumme der Menge. Grumbkow hatte den Augenblick wahrgenommen, dem Prinzen einige Worte in das Ohr zu flüſtern. Als nun Friedrich Wilhelm, der ganzen Volksmenge ſichtbar, unter den Eingang trat, warf ſich ihm der Kronprinz abermals zu Füßen, leiſtete öffentlich Abbitte, bekannte öffentlich die gründlichſte Unterwürfigkeit unter den König.
Die Menge ſah verwundert auf das eigenthümliche Schauſpiel. Die Menge iſt nicht ganz ohne Urtheil und Feinfühligkeit. Sie murrte, ſie mißbilligte dieſen Auftritt. Sie hielt den Sohn für feige, für ſclaviſch geſinnt,— den Vater für hart und gefühllos.
Aber der Auftritt war nicht für die Menge, ſondern für den Ehrgeiz und den Argwohn des Königs berechnet. Dieſe öffentliche Verdemüthigung des Kronprinzen ſchmeichelte ihm, ſie überzeugte ihn plötzlich von deſſen aufrichtiger Beſſerung. Er richtete Friedrich auf und umarmte ihn.
„Deine Bekehrung iſt wahrhaft, mein Sohn!“ ſprach er gerührt.„Ich werde für Dich ſorgen.”“*)
*) Am Schluſſe dieſes Capitels noch eine kurze Bemerkung. Worin das Verbrechen beſteht, weßhalb Friedrich zum Tode ver⸗ dammt wurde, iſt bisher unbekannt geblieben. Als König ließ er ſich die Unterſuchungsacten geben und ſtellte ſie verſiegelt zurück. Jene Siegel verſchließen immer noch das Geheimniß.
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