Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
827
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Ich ſage Ihnen, Sie wiſſen nicht, was Sie erbitten, wiederholte der König erregt.Sie werden es einmal ſehen, was Sie an ihm haben werden.*)

Eurer Majeſtät Scharfſinn beurtheilt des Prinzen künftiges Verhalten nach deſſen gegenwärtiger Geſinnung ganz richtig. Jugendliche Leidenſchaften und Verirrungen werden ſich aber im ſpäteren Mannesalter zur gerechten, ſchriſtlichen und echt deutſchen Geſinnung geſtalten.

Warten Sie nur, Sie kennen dieſen Menſchen nicht! Sie werden es einmal ſehen, was Sie an ihm haben werden, wiederholte der König abermals.Indeſſen, Kaiſerliche Majeſtät iſt ſein Fürſprecher, und des Kaiſers Fürſprache kann und will ich nicht abweiſen. Frittze iſt be⸗ gnadigt, er lebe! Aber Fritze wiſſe und erfahre, daß er ſein Leben nur dem Kaiſer verdanke.

Seckendorf dankte in warmen Worten. Den König ergriff dieſe Wärme nicht. Sein Angeſicht blieb kalt, ſein Blick unzufrieden, als hätte er gegen ſeine Ueberzeugung gehandelt und der Gerechtigkeit nicht Genüge gethan.

Noch an demſelben Tage ſchrieb Friedrich Wilhelm an den Kaiſer.

Eurer Kaiſerlichen Majeſtät lediglich hat er es in gebührender Erkenntlichkeit zu danken, daß Sie Dero Fürwort ihm haben angedeihen laſſen wollen; denn nur dadurch bin ich bewogen worden, ihm zu verzeihen. Ich will wünſchen und hoffen, daß dies einen ſolchen Eindruck auf ſein Herz machen möge, daß er dadurch ganz geändert werde und recht erkennen lerne, wie ſehr er Eurer Kaiſerlichen Majeſtät für Deren bezeigte aufrichtige Liebe und Neigung verbunden bleibe.

Nach Küſtrin eilte ein Courier; er überbrachte Friedrich's Begnadigung. Der Kronprinz dankte ſogleich, aber ſein überſchwenglicher, ſchwülſtiger Dank trug zu ſehr das Gepräge der Unaufrichtigkeit.

Hätte ich nicht die Erkenntniß einer ſolchen unverdien⸗ ten Gnade, ſchreibt er,ſo wäre ich nicht werth ein Menſch zu heißen. Nach unſerem Herrgott erkenne ich keinen anderen Herrn, wie meinen allergnädigſten Vater, und iſt kein Anderer als Sie, dem ich die unterthänigſte Treue und Gehorſam leiſten muß. Ich verſichere meinem allergnädigſten Vater, daß ich darauf leben und ſterben werde, und finden Sie eine falſche Ader in mir, die Ihnen nicht gänzlich ergeben iſt, ſo thun Sie in der Welt mit mir, was Sie wollen.

Den König täuſchte dieſer Styl nicht; er kannte den Heuchler. Der Vater ſah über dieſen Zeilen das hohnlachende Geſicht des Sohnes. Als Friedrich um denblauen Rock bat, antwortete ihm der Fürſt:

Das ſoll lediglich Schmeichelei für mich ſein. Die Grenadiere ſind in deinen AugenCanaillen; aber Petit⸗ Maitres, Franzoſen, Franzöſinnen und Komödianten, das iſt etwas Nobleres, das iſt digne d'un prince. Das ſind deine innerſten Herzensgedanken, die dir von Jugend auf von Schelmen und beigebracht ſind.

Indeſſen wurde Friedrich der engeren Haft entlaſſen und bei der Domänenkammer in Küſtrin als Auscultator an⸗ ziſtellt. Dieſes Amt erwarb ihm gründliche Kenntniſſe im Finanz⸗, Polizei und Handelsweſen, und war für ſeine ſpätere

*) Dieſe Vorherſehung des Königs ging ſbäter genau in Er⸗ ſllung. Friedrich II. überzog wiederholt Carl's VI. Tochter Maria Thereſia mit Krieg, verwüſtete Oeſterreich und riß Schleſien von denſelben ab. Ueberhaupt vergalt Friedrich II. Carl's VI. edle befreiung und Lebensrettung durch einen unverſöhnlichen, und man ſagen, unbegreiflichen Haß gegen das Haus Habsburg.

Folge. 827 Laufbahn von dem größten Nutzen. Er durfte zugleich die umliegenden Aemter bereiſen und jagen, allein der Prinz verabſcheute die Jagd. Er hätte ſich lieber maskirt und Ko⸗ mödie geſpielt. Mit Perſonen des weiblichen Geſchlechtes durfte er nicht verkehren, der König kannte Friedrich's Ausſchweifungen und der König war ein ſittenſtrenger Mann

Bald wurde dem Prinzen das Feſtungsleben zur Qual. Seine unbändige Natur ſträubte ſich gegen dieſe ſtrenge Zucht.

Sollen alle bisherigen Demüthigungen zu Nichts führen? rief er aus.Soll ich noch länger in dieſer ver⸗ fluchten Galeere ſchmachten?

An den König aber ſchrieb er in derſelben Stunde:

Ich kann nicht genugſam Gottes Wege auch hier in der Führung meines Unglückes erkennen, da er mich zwar durch manchen ſaueren und rauhen Tritt geführt, aber auch gewiß ſich einen guten Zweck vorbehält, und bin gewiß, daß er es ausführen wird zu ſeiner Ehre und ſo, daß Sie dabei vollkommen von meiner Submiſſion verſichert ſein können!

Allein der Vater durchſchaute den Sohn. Er traute nicht ſeinen Worten und glaubte ihn nicht gebeſſert. Die beſchränkten Verhältniſſe des Kronprinzen blieben. Nach des Königs Abſicht ſollte die Zucht ihn läutern, ſeinen Zügel⸗ loſigkeiten Schranken ſetzen. Küſtrin ſollte für den Prinzen ein Exereitien⸗Haus ſein, aus dem er gebeſſert hervorging. Friedrich aber begriff dieſe löblichen Abſichten des Königs nicht. Während er nach Berlin die unterwürfigſten, demüthig⸗ ſten Briefe ſchrieb, knirſchte ſein Inneres gegen den gewalt thätigen Vater.

Da alle Verſicherungen unbedingter Unterwürfigkeit nichts fruchteten, ſchlug der Gefangene andere Wege ein. Er ſetzte ſich in Verbindung mit Männern, welche des Königs volles Vertrauen beſaßen. Zu dieſen gehörte vor Allen der Kriegsminiſter Grumbkow. Der Miniſter gab dem Prinzen Verhaltungsmaßregeln. Der Prinz befolgte ſie genau, und bald zeigte ſich hievon die Frucht.

Küſtrin rüſtete ſich zum Empfange des Königs, das heißt: die Blauen wickelten noch einmal raſch alle Stufen der Exercitien ab, um tadellos vor dem Monarchen paradiren zu können. Den Prinzen ließ Grumbkow wiſſen, daß von dieſem Beſuche die völlige Ausſöhnung abhänge. Er gab ihm noch einige Verhaltungsmaßregeln, und Friedrich erwar⸗ tete in fieberhafter Spannung die Ankunft des erzürnten Vaters.

Der König kam, mit ihm der Kriegsminiſter. Im Re⸗ gierungsgebäude ſtieg er ab, wo der Prinz in gedrückter Stimmung, zwiſchen Hoffen und Zweifeln ſchwankend, des Augenblickes harrte, der ihm geſtattete, vor den Monarchen zu treten.

Die Vorſtellungen der Civil⸗ und Militärbeamten, im Saale des Regierungsgebäudes, waren beendigt. Friedrich Wilhelm ſaß in einem Lehnſtuhle, ihm zur Seite ſtanden Grumbkow und General Derſchau. Durch den Gang hörte man noch die verhallenden Tritte der abgehenden Officiere. Der König hatte das Geſicht auf die Hand herabgeſenkt. Er ſaß längere Zeit in ernſtem Schweigen. Die beiden Männer in den glänzenden Uniformen ſtanden unbeweglich, wie zwei Bildſäulen neben dem alternden Fürſten, Derſchau gleichgültig, ohne hervortretenden Ausdruck in den Zügen, Grumbkow in geſpannter Erwartung und nicht ohne Erre⸗ gung. Das Schickſal des Kronprinzen ging ihm nahe, und er wußte, daß in den nächſten Augenblicken daſſelbe für lange Zeit entſchieden werde.

Endlich erhob der Fürſt das Haupt.