Novellen⸗Jeitung.
Feuilleton.
Die Begnadigung Friedrich's II. durch ſeinen Vater.
Wir haben bei Gelegenheit von Bolanden's„Gefange⸗ nem von Küſtrin“ auf die hier folgende Mittheilung dieſer hiſtoriſch intereſſanten Entwicklung hingewieſen. Nachdem jener bekannte dunkele Staatsproceß gegen den damaligen Kronprinzen, nachmaligen König Friedrich den Großen, geführt und derſelbe wie ein gemeiner Verbrecher auf der Feſtung inhaftirt worden war, beharrte ſein Vater Friedrich Wilhelm I. auf die ſtrengſte Beſtrafung. Waren doch Alle, die auch nur entfernt in dieſen Proceß verwickelt waren, ihrem oft ſehr harten Schickſal nicht entgangen.
Katte wurde bekanntlich vor den Fenſtern des Friedrich enthauptet.
Der Kammerherr von Montholieu lieh gegen das Edict vom Januar 1730 dem Thronerben eine nicht unbedeutende Summe. Er wurde verurtheilt, das ausgeliehene Geld zu verlieren und tauſend Ducaten an die Rekrutencaſſe zu zahlen. Als er aus Berlin floh, ließ der König Montholieu's Bildniß an den Galgen heften.
Duhan de Jandun, der Lehrer, und Hanau, der Auf⸗ ſeher der Bibliothek Friedrich's, wurden nach Memel verbannt. Des Prinzen Hausofficiere von Rochow und Kayſerlingk wurden in die Regimenter geſteckt. Wer nur immer mit Friedrich in engerem Verkehre ſtand, mußte des Königs Zorn fühlen.
Der Kronprinz ſelber ſollte ſterben. Sein Tod war eine feſt beſchloſſene Sache. Der König übernahm es, per⸗ ſönlich dieſen furchtbaren Beſchluß der Königin mitzutheilen. Vergebens bat ſie um Gnade, vergebens vereinigten die Ge⸗ ſandten fremder Höfe ihre Bitten mit jenen der Fürſtin. Frie⸗ drich Wilhelm blieb unerſchütterlich.
„Ich werde den Schurken, den Fritz, behandeln, wie es ſeine Verbrechen und ſeine Frechheit verdienen,“ ſprach der Monarch.„Ich erkenne ihn nicht mehr als meinen Sohn an,— mich und mein ganzes Haus hat er entehrt.— Ein Elender, wie er, darf nicht länger leben.“
Es folgte eine tief ergreifende Scene. Die Königin, unfähig ſich länger zu beherrſchen, ging wehklagend auf und ab. Ihre Schritte wankten und ſie drohte jeden Augenblick⸗ hinzuſtürzen. Wilhelmine, die älteſte Tochter, lag ohnmächtig auf einem Sopha, von Hofdamen umringt, welche die Beſin⸗ nungsloſe zu erwecken ſtrebten. Die übrigen Kinder hatten des Königs Füße umklammert und flehten um Erbarmen für den älteſten Bruder.
Frau von Kamecke, Oberhofmeiſterin der Königin, ſchnitt dieſer Auftritt in's Herz. Kühn trat ſie vor den König.
„Eure Majeſtät,“ ſprach ſie,„hat ſich bisher etwas darauf zu Gute gethan, ein gerechter und frommer Fürſt zu ſein. Der Allmächtige hat Sie mit Wohlthaten überhäuft, aber wehe Ihnen,“ und ihr Ton erhob ſich zur Strenge des Predigers,„wenn Sie von Gottes Geboten abweichen! Fürchten Sie Gottes Gerechtigkeit! König Philipp II. von Spanien, Czar Peter I. von Rußland, welche beide Fürſten das Bluk ihrer Söhne vergoſſen haben, gerade wie Sie das Blut des Ihrigen vergießen wollen, ſind dafür beſtraft wor⸗
den:— ihr Mannesſtamm iſt erloſchen, der Abſcheu des menſchlichen Geſchlechtes laſtet auf ihnen. Es wird Ihnen
ſeines Freun⸗
Frau von Kamecke hatte den ſchärfſten
treich gegen den Fürſten geführt,— ſie hatte ihn der Cen fe beſchul⸗
digt. Friedrich Wilhelm wollte aber vor allen Dingen ein chriſtlicher, frommer König ſein. Perſönlich gewiſſenhaft und ſittenrein, ging ſein Streben dahin, die chriſtliche Ord⸗ nung allenthalben durchzuführen, ſeine Unterthanen ſogar, wenn es Noth that, eigenhändig unter das Joch der Geſetze zu prügeln. Wie ein Blitzſtrahl trafen ihn die Worte der kühnen Frau. Er ſtand verwirrt, ſtammelte eine Entſchul⸗ digung und verließ das Zimmer. Das über Friedrich ver⸗ hängte Todesurtheil wurde aber nicht aufgehoben. Der Kronprinz ſchien unrettbar verloren.
Da trat ein Fürbitter auf, der ſich kaum abweiſen ließ, — Kaiſer Carl VI. Er hatte den Prinzen, welcher eigentlich Carl Friedrich hieß, aus der Taufe gehoben und bot nun allen Einfluß zu deſſen Rettung auf.
„Ihr wißt nicht, um was Ihr bittet,“ ſprach der Fürſt zu Seckendorf, dem kaiſerlichen Geſandten.„Der Fritze iſt ein Schurke, ein Elender, der Euch ſpäter ſchlechten Dank wüßte für Eure Bemühungen. Mich, ſeinen Vater, hat er ſtets verhöhnt, an Gott glaubt er nicht, zu allen Bubenſtrei⸗ chen iſt er fähig, ſolcher Menſch kann und darf nicht länger leben.“
Seckendorf bat um Aufſchub der Hinrichtung; ein Cou⸗ rier flog nach Wien. Einige Tage ſpäter überreichte er dem Könige ein eigenhändiges Schreiben des Kaiſers.
Friedrich Wilhelm, von jener traditionellen Ehrfurcht ſeines Hauſes gegen die geheiligte Majeſtät des römiſchen Reiches deutſcher Nation erfüllt, las den kaiſerlichen Brief mit ſteigender Bewegung. Seine Hand zitterte, und eine Thräne fiel auf das Papier. Der Eingang des Schreibens mußte für den Monarchen ergreifend und deſſen Fortſetzung ruhiger gehalten ſein, denn ſeine Erregung ſchwand mehr und mehr.
„Vielleicht,“ las der König laut,„iſt der Kronprinz von meiner Neigung und Liebe gegen ihn und das geſammte königliche Haus bis jetzt nicht überzeugt. Ich hoffe, daß er durch dieſe meine Fürbitte, die aus der aufrichtigſten und liebreichſten Neigung hervorgeht, erkennen werde, wie wahr und ernſtlich wohl ich es mit ihm meine. Denn ich glaube, daß die Wohlfahrt beider Häuſer von einer beſtändigen inni⸗ gen Vertraulichkeit und engen Freundſchaft meines Erzhauſes mit dem königlichen Kurhauſe Brandenburg abhängt. Ich vertraue ganz auf Eurer Liebden Freundſchaft und patrioti⸗ ſches Gemüth, und verbleibe dagegen mit aufrichtig deutſchem Herzen, mit wahrer Freundſchaft, Liebe und Neigung E. L. für allzeit aufrichtig zugethan.“
Der König faltete den Brief und trat an das Fenſter, ſeine Bewegung zu verbergen.
„Indem ſich mein Herr und Kaiſer an das Vaterherz Eurer Majeſtät wendet,“ ſprach Seckendorf,„glaubt er keine Fehlbitte zu thun, in Verbindung mit der Ueberzeugung, daß Eure Majeſtät dem Kaiſerhauſe unverbrüchlich ergeben iſt.“
Friedrich Wilhelm ſchwankte unentſchloſſen.
„Sie wiſſen nicht, was Sie erbitten,“ ſprach er.„Sie werden es einmal ſehen, was Sie an ihm haben werden.“
Er ſchritt unruhig auf und ab, finſteres Gewölk auf der
ebenſo gehen, wenn Sie thun, was Sie vorhaben.“
Stirne.
— und jetzt dieſes neue Verbrechen! Ein
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