Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
824
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824 Novellen⸗

Was willſt Du, Truggeſtalt? was willſt Du? rief der Jüͤngling und erbleichte.

Ich komme, murmelte Annunziata,um von Dir Abſchied zu nehmen, denn unſere irdiſchen Wege trennen ſich.

Treuloſes Weib treuloſes Weib! ſchrie der Jüngling und hielt ſich an einem der Seſſel,ich baute auf Deine Schwüre, Deine heiligen Schwüre im Garten Riccardi, ſie waren ein Leitſtern meines Lebens, meines freudloſen Lebens da kam der Brief Deines Vaters, der nahm mir alle Hoffnung, allen Glauben! Entfleuch, entfleuch! reiß nicht auf's Neue die tiefe Herzenswunde auf laß mich allein mit meinem Schmerz, allein mit meiner Verzweiflung!

Glaubſt Du, mein Angelo, ſprach Annunziaka feierlich,ich könnte Dir entſagen? Nimmer, ach nimmer! das Band, das heilige Band war unzerreißlich! Die Kraft meines Lebens iſt gebrochen die Blüthen meiner Jugend verdorrt, das Jenſeits, ach nur das Jenſeits reicht mir die Krone einer Dulderin!

Klingen des Himmels überirdiſche Laute zu mir herüber? ſind Deine Worte Traum oder Phantaſie?

Nein, nein, ſie ſind kein Traum, Geliebter, kein Traum ich komme um mich auf kurze Zeit denn bald verrinnt das Leben von Dir zu trennen unſere Seelen einen ſich ja ſpäter in Gott, in dem Urquell alles Denkens und Seins.

Mich entrückt Dein Wort der Erdenwelt, himm⸗ liſche, göttliche Annunziata! Angelo ſtürzte vor ihr auf die Kniee nieder.Vergebung, Vergebung!

Annunziata legte dem Maler ihre Rechte auf's Haupt und rief:Nicht mir, ſondern der ganzen Menſch⸗ heit gehört dieſes theure Leben!

Kein Traum umfängt meine Seele ach nein, nein! Er ſprang auf und umfaßte Annunziata.Die Welt mit ihrer Lebenswonne lächelt mir auf's Neue.

Sie ſank in ſeine Arme.Mein Angelo, ſagte ſie und ihre Stimme bebte,vertrau' dem Höchſten,

her mag Dich nimmer verlaſſen, er gebe Dir Troſt in

allen Schmerzen, die Dir der nächſte Augenblick bringt.

Nein, Geliebte, nein, uns ſoll keine Macht der Erde trennen komm mit mir nach Mailand, dort ſchließt ſich uns ein neues Leben, eine neue Zukunft auf; komm, die Nacht begünſtigt die geheime Flucht der Prieſter eint uns am Altar komm komm!

Nein, Angelo, rief Annunziata,das Schickſal ſcheidet uns für dieſe Welt! Sie machte eine Pauſe. Es fügt ſich die Tochter in des Vaters Willen, das Haus der Mediceer falle nicht ich entreiße Dir nicht Deine Meiſterſchaft, mein Irdiſches iſt voll⸗ endet! Sie wankte, ſie hielt ſich an ihrem Geliebten.

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Zeitung.

Angelo führte ſie an einen Stuhl, ſie ſank hinein. Was iſt Dir? fragte er,Du biſt bleich!

Ja, ja, es naht der Ernſt des letzten Augenblicks! Brich nicht in Klagen aus ich wählte einen andern Weg, als der Wille meines Vaters mir vorſchrieb ich zerriß die Bande, die mich an's Leben feſſelten, vergebe der Himmel meine That.

Welche That? ſprich es aus!

Laß mich Dir mein ganzes Herz erſchließen und laß mich Dir ſagen, wie ich Dich geliebt und angebetet; tritt näher, damit ich mich verſenke in Dein Anſchauen! Ja, es iſt das leuchtende Auge meines Angelo aber ſchon hüllt ſich der Blick in Finſterniß höre und erſchrick nicht ich nahm ein Gift ſchon künden ſich ſeine Folgen!

O Sonne des Lebens, gehe unter, gehe unter! kreiſchte Angelo.Aber Annunziata er klammerte ſich an ſie feſtich laſſe Dich nicht von mir, ich reiße Dich vom dunklen Pfade zurück! 4

Da ſtürzt Lorenzo in's Zimmer hinterher folgt Bartoldo und Diener, welche Fackeln tragen. Lorenzo's Haar ſträubt ſich empor, convulſiviſch verzerrt er ſein Geſicht, ſeine Hände beben.Kind meiner Liebe, ruft er aus,wo biſt Du, wo biſt Du?

Da ſieht er ſie, mit glaſigem, gebrochenem Auge

im Seſſel. Angelo ſchreit auf, als er Lorenzo erblickt.

Warum thateſt Du das? Warum thateſt Du das? ruft der troſtloſe Vater.Ich hätte ja in Allem nachgegeben!

Es iſt zu ſpät, murmelte Annunziata.

Bartoldo ergeift Angelo's Hand dieſer rafft ſich auf und ruft:Was grinzt Ihr mich an, Ihr grauen Mörder ich, ich will dieſe Unſchuld rächen ſeht, das iſt Euer Werk er deutete auf die Sterbendeaber hinaus auf die Straße will ich eilen und rufen: Zeter, Zeter und Mord! Ja de Vater hat ſein eignes Kind getödtet!

Annunziaata ſchaute lächelnd Angelo an, der noch neben ihr ſtand, und ſprach:In dieſer feierlichen Stunde hört auf die Bitte einer Sterbenden es iſt die letzte, Geliebter die letzte. Auch zu Dir wende ich mich, theurer Vater und Beiden rufe ich zu: Vergebt, vergebt, dann wird auch Euch ver⸗ geben. Der Mord fällt auf mich, auf mich allein komm zu mir, Vater, verſprich mir, Dich nie von meinem Bräutigam zu trennen.

Langſam erhob ſich Annunziata mit leuchtenden,

verklärtem Blick und ſprach:Der Prieſter wartet am Hochaltar und in der Kirche flammen tauſend Kerzen

die Braut, mit duftigem Myrthenkranz und Schleier

geſchmückt, reicht dir ihre Hand da nimm ſie, nimm ſie das Bündniß iſt geſchloſſen, keine menſch⸗

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