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Angelo ſteht auf, legt Hammer und Meißel bei Seite.„Ja, ja,“ ruft er,„mich hat der Himmel für die Kunſt beſtimmt, aber ſie ſei nicht Abglanz ergebener Ruhe; tief, tief komme ſie aus ſturmbewegter Bruſt! Lüfte ich den Schleier, der die Zukunft verhüllt, ſchaue ich nie ein heiliges Paradies, worin Liebe und Kunſt mir lächelt. Mein Menſchenleben iſt zu klein für Alles, was ich noch ſchaffen will!“—
Angelo ſchaute noch einmal zur Gruppe hinüber und zum Haupt, das er heute geformt.—„Ich habe Dir vorgegriffen, Meiſter,“ fuhr er fort,„doch verzeihe mir, verzeihe mir— Du biſt zu wenig auf die eigne Größe eitel und verbirgſt ſo gern den eignen Ruhm. — Aber theures Bild Annunziata's, da ſtehſt Du vor mir in Deiner idealen Schönheit, Deiner vollen⸗ deten Glorie. Der Gottesabglanz Deines reinen Her⸗ zens verkündet, daß Deine hocherhabne Seele im Glück der Zukunft ſeine Träume bettet. Der fromme Beter, der mit ſündiger Seele im Tempel des Höchſten vor dieſem Bilde ſeine Andacht verrichtet, muß fühlen, daß der Himmel ihn erhörte.— Ja, die Kunſt haucht Geiſt dem Stein ein!“
Als Angelo in Gedanken verſunken noch immer Haupt beſchaute, trat ein Page ein.
„Was willſt Du, Benvenuto?“ fragte er. „Mich ſendet Herzog Lorenzo. Hier iſt ein Brief ein Beutel,“ erwiderte dieſer.
„Was hat das zu bedeuten?“
„Biſt in Ungnade gefallen, Angelo— lies, wirſt ſelber ſehn— wünſche Dir Glück auf die Reiſe.“—
Der Page ging.
Angelo erbrach den Brief— er las. Seine Züge verfinſterten ſich.
„Gott zum Gruß, Buonarotti!—
Ich ſende Dir ein Stipendium, denn morgen verläſſeſt Du Florenz und gehſt nach Mailand zu Leonardo da Vinci, um Deine Studien zu voll⸗ enden. Gleichzeitig vermelde ich Dir die Verlobung meiner Tochter mit Como, dem Dogen von Venedig. Nimm meinen Segen auf den Weg.
Lorenzo di Medici.“
das
und
Angelo ſank zuſammen, das hatte er nicht er⸗ wartet.„Die Hölle brüllt mir dieſe Worte entgegen,“ rief er.„Des Weltgerichtes Donner trifft mein Ohr. Vernichtung, Vernichtung kündet dieſer Brief,— aus⸗ rufen will ich's laut, daß es hinaus ſchalle in alle Welt, daß jeder Menſch in Furcht erbebe: Fluch Dir, Annunziata, Fluch Dir! Dein heiliger Schwur war Lüge, Lüge! Fahre hin, Ruhe meines Herzens, meiner Seele, fahre hin, Glaube und Liebe— aber, Herzog, mit Deinem Mammon willſt Du mich und meine Ehre erkaufen?“
Novellen⸗
Feitung.
Angelo riß das Fenſter auf und ſchleuderte den Geldſack hinaus.„Ich verachte Dich, ich verachte Dein Gold— arm kam ich nach Florenz— arm, mit dem Bettelſtab in der Hand ziehe ich hinaus in die Welt“——
Er verhüllte ſein Antlitz, er weinte, wie ein Kind.
„Da habe ich mich ein halbes Menſchenleben abgemüht, um mir ein Bildniß dieſes Weibes zu ver⸗ ſchaffen, und treulos wendet ſie ſich von mir und wirft ſich in die Arme eines Höhergeſtellten! Mein Glücks⸗ traum zerrann in Nebel— ich bin von ihr verſtoßen, verachtet! Ha! warum erhob ich kühn zu des Herzogs Tochter mein Auge! Unnatur ſcheidet die Menſchheit — und trennt die Fürſtenkrone vom Bettelſtab! Des Künſtlers Schöpfung ordnete ein Gott— ein Wort — ſeine Werke ſind verfallen. Gott kann ſeine Schö⸗ pfung jede Stunde zerſtören, denn er pflanzte in Alles, was lebt, den Todeskeim— darum herunter, Du heuchleriſches Bild! der Schöpfer will ſeine Schöpfung vernichten.“
Er trat zu Annunziata's Bild, zu dem Bild, das den Preis errungen, riß es von der Wand und ſchleu⸗ derte es zu Boden, daß der Rahmen zerbrach und die Leinwand zerriß.
„Du haſt Dich aus meinem Herzen verbannt,“
rief er,„fortan gehöre ich der Hölle an!— Auch
Dich, Du Kopf, hab' ich geformt,“ er deutete auf das Mater⸗Doloroſa⸗Haupt,„die Liebe zu Dir gab mir meine Meiſterſchaft, aber ich will ihr Nichts verdanken, ich bin zu ſtolz, um Lorbeeren zu erbetteln, ich will ſie erzwingen durch meine Werke— erzwingen. Sataniſch ſollen meine Bilder ſein. Die Laſter und die Sünden der Menſchen will ich malen, den Mein⸗ eid krönen und aus der Hölle holen, was ich im Himmel, in der verruchten Welt nicht fand. Kühn greife ich hinein in's Rad des Weltenlenkers— und reiße ſeinen Sternenhimmel auf die Erde!— Ja, Bild, aus Himmelsgnad' warſt Du mir entſproſſen— Du biſt zu edel meiner jungen Meiſterſchaft, darum herunter mit Dir, herunter mit Dir— ich zermalme das Ge⸗ ſtein— ich ſchlage Dich in Trümmer.“
Angelo ergriff einen Hammer; er ſtürzte auf den Kopf der Mater Doloroſa los——
„Halt, halt,“ rief Bartoldo, der eben in die Werkſtatt getreten war,„was beginnſt Du?“ Dabei ergriff er den Hammer Angelo's.
„Meiſter— Meiſter!“——
„Ich bin die ſtrafende Nemeſis,“ fuhr Bartoldo fort,„die des geweſenen Schülers Leidenſchaft zu zügeln weiß.“
„Hier“— Angelo deutete auf das von ihm ge⸗
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