in ihrer Hand liegt des Dogen Geſchick— ſie ent⸗ ſcheide.“
„Gnädige Fürſtin,“ begann Piſano, indem er ſich verneigte,„der Doge fragt zum letzten Male an, ob Du geneigt biſt, ihm Deine Hand zu reichen. Gieb Antwort, Ja oder Nein.“
Annunziata ſchaute Lorenzo lächelnd an und ſprach vollkommen ruhig:„Ich füge mich in den Willen des Vaters.“ 1
„Mein geliebtes Kind!“ rief dieſer und ſchloß Annunziata in ſeine Arme.
„Biſt Du zufrieden mit mir?“ fragte ſie.
„Ja, ja, aber Du zitterſt,“ erwiderte dieſer.
„Ich rufe Gott zum Zeugen auf,“ murmelte ſie kaum verſtändlich;„ein Pflichtgefühl, nicht Liebe treibt mich zu dieſem Schritt. Bringe Deinem Fürſten mein Jawort,“ fuhr ſie fort, zu Piſano gewendet.
„Kraft meiner Sendung übergebe ich Dir den Brautring,“ erwiderte dieſer, indem er ſein Barrett ab⸗ nahm.„Von dieſer Stunde ab betrachte Dich als des Dogen Braut. Keine Macht der Erde vermag Dich von ihm zu trennen. Empfange die Huldigungen der Republik und Deines ergebenen Dieners. Sei Deinem Volke eine große Fürſtin, führe es zum Ruhm und bringe Glück und Segen unſerem Staate.“
Während Piſano niederkniete und Annunziata den Verlobungsring überreichte, den ſie langſam auf den Finger ſteckte, ſank ſie ohnmächtig in die Arme ihres Vaters.
Dämmerung war's. Vom Dom Fiore tönte die Betglocke und verhallte dumpf durch die engen Straßen der Stadt Florenz.
Im Palaſt Riccardi herrſchte eine faſt geiſter⸗ hafte Stille und Nichts verkündete die Dogenver⸗ lobung. 5
Annunziata ſaß, weiß gekleidet, in ihrem Zimmer. Ihre marmorbleichen Züge erinnerten kaum an ihre frühere Friſche und Lebendigkeit— faſt glich ſie einer Statue. Sie ſtützte ihr Haupt mit der Hand und horchte hinaus nach dem Schalle der Glocke.
„Du läuteſt zum Gebet,“ ſprach ſie feierlich, „läute mir Ruhe in meine wunde Bruſt, läute mir den Frieden in meine gebrochene Seele. Nach der Heimath zieht es mich hinüber mit ſtiller Sehnſucht. Freudloſes Leben, wann biſt Du erloſchen— Wahr⸗ heit des Himmels, wann erſchaue ich Dich? Noch heute, noch heute lächelt mir der Seligen Freude und Frieden.“—
Sie ſtand auf,— ſie lehnte ſich zum Fenſter hinaus:„Noch einmal ſchaue ich hinaus in die für
mich verlorene Welt, und Du ewige Macht im Strahlen⸗
Novellen⸗Jeitung.
ſitze, verlaſſe mich nicht in der letzten Stunde meines wiedetlif Lebens.“ Du,“ ful
Sie ſchloß das Fenſter, ſie verſank in Nachdenken: Ein Wind „Schon breitet die Nacht ihren ſchwarzen Fittig über ihre S die Natur. Heil mir, Heil mir, daß ich dem Licht Fackellun entgegenſchreite, das über den Sternen wallt!“ nun ertön
Da öffnete ſich die Thür; Fiorenza trat ein; zug vord in der Hand hielt ſie zwei Kerzen, die ſie auf den daraus e Tiſch ſetzte. Das Zimmer erleuchtete ſich. aeben ihn
„Biſt Du allein, Herrin? Hier iſt Licht.— Ichiſt exlboſch bringe Dir einen Kranz aus dem Garten, denn ich in des L
weiß, Du liebſt die Blumen,“ ſagte ſie. in Stauk „Schmücke mich damit, ſchmücke mich damit,“ Fion rief Annunziata. trat zu? „Gern, gern!“ Verlobul Fiorenza wand Annunziata den blühenden Kranz ruhigte in die dunklen Locken, die in langen Ringeln auf den Ann Nacken fielen. Da, K
„Legt die Himmelsbraut in den ſchwarzen Schrein,“ ſtrengen flüſterte Annunziata,„ſtellt darum die geweihten Tochter, Kerzen, windet ihr den Brautkranz in's Haar, gebt des Tro ihr in die Hand ein Crucifix oder eine heilige Hoſtie. der Him
Laßt ſie ausruhen von ihrer Sorge, ausruhen von floh, kel ihrer Mühe— denn ihre letzte Hoffnung ankert imn„A dem Himmel.“ 3 T „So ſpricht die jüngſt verlobte Fürſtenbraut? Du den Vergeßt den Bildner,“ murmelte Fiorenza. der Go „Hol' Deine Harfe, Fiorenza, vielleicht verſcheucht Muſik den Schmerz meiner Seele,“ ſprach Annunziata. Fioranz Fiorenza nahm die Harfe, ſetzte ſich neben ihre Deinen Herrin und ſprach folgende Worte, die ſie mit ſchwung⸗ 5 vollen Accorden begleitete: n ai „Verbann' die Thräne! Wenn Dein Herz Dir bricht, nir 1 So ſchau Dein gläub'ger Blick getroſt nach oboen. 6 7* Mit dem Geſchick des Himmels hadre nicht! Gotl i Gott ſelber hat die Thräne Dir gewoben. ch mon Und biſt Du dann mit Deinem Schmerz allein,— doc So wiegt Geſang und Spiel die Trübſal ein!— wandle Und wenn im Schmerze eine Thrän' entſpringt, mich, h So laſſe ſie vor keinem Menſchen ſehen, mich lo Denn jede Größe, die nach Großem ringt, aum T Kann nie im Schmerz, im tiefen Leid vergehen. Altar Den Staubgebornen Gottes Gnad' erhält,. Geſang und Spiel giebt wieder ihn der Welt!— in 3 Flieht Dich der Schlaf, iſt Deine Zukunft Nacht, kene Und drücken ſchwer Dein armes Herz die Sünden 4 Und quält Dich Reue, daß Du ſie vollbracht, A So wirſt Du Troſt und Frieden wieder finden, iata,, Denn im Geſang und in der Saite Spiel vorüber Liegt Troſt und Ruh für den, der ſündhaft fiel! 2 angethe „Laſſe den Ton verhallen, Mädchen,“ rief Annun⸗ Staube ziata,„mir klang er wie der Sterbeſeufzer einer Vaterg gramerfüllten Seele, die ins ungetrübte Jenſeits eilte, Frieder um dort im Strahle des Ewigen den verlornen Frieden Nind 7


