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noch dringendern. Abends halb 8 Uhr kehrt ſie an die näm⸗ liche Thür zurück, deren Schwelle ſie des Morgens nicht über⸗ ſteigen konnte. Da aber die Hitze ſehr groß war, ſo hatte ſie ihren Fächer nicht vergeſſen, den ſie im Gehen bewegte. Dieſelbe Weigerung wird ihr entgegengeſetzt, aber diesmal mit einer ſtolzen und ungeduldigen Stimme. Charlotte ant⸗ wortet in demſelben Tone. Die Stimmen der Catherine und der Simonne Evrard dringen bis zu den Ohren Marat's, der ſich eben im Bade befand. Charlotte tritt ein und ſetzt ſich neben der Badewanne nieder. Es vergehen zehn Minu⸗ ten, die erforderliche Zeit, um die Namen der in Caen anwe⸗ ſenden Girondiſten zu geben, welche Marat niederſchrieb, indem er ſich auf ein kleines Bret ſtützt, das quer über die Badewanne gelegt war.„Ich werde ſie Alle guillotiniren laſſen,“ ſagte er mit jener Ekſtaſe von Wildheit, welche der beſtändigſte Zug ſeiner Phyſiognomie geworden war. Bei dieſen Worten erhebt ſich das junge Mädchen, zieht ein langes Meſſer hervor und bohrt es ihm bis an den Stiel in die Bruſt. Der Stoß war mit einer ſo ſichern Hand geführt, daß einer ihrer Finger bis an die Lunge in die Wunde ein⸗ drang. Als Marat den Stoß erhielt, konnte er noch rufen: A moi, ma chère amie! Sein Blut quoll in Strömen her⸗ vor, ſein kupferfarbiges Geſicht fiel auf den Rand der Bade⸗ wanne.
Auf Marat's Ruf waren die Schweſtern Evrard und ein Arbeiter, der in der Hausflur Journale falzte, herbei⸗ geeilt. Sie ſehen Marat, deſſen Augen ſtarr ſind und deſſen Zunge ſich noch bewegte, ohne daß er einen Laut hervorbrin⸗ gen konnte, und die Fremde, welche unbeweglich an den Vor⸗ hängen ſtand. Der Arbeiter verſetzt ihr mit einem Stuhl einen Schlag auf den Kopf, von dem ſie zu Boden ſtürzt. Simonne Evrard tritt ſie mit Füßen. Sie ſteht kaltblütig auf, ſetzt ſich und ſcheint ihren Tod und den Marat's zu erwarten. Während man Marat forttrug und ſein Haus ſich mit Leuten füllte, die ihm zur Hülfe eilen oder ihn rächen wollten, bleibt ſie unbeweglich wie die Jungfrau von Tauris nach dem Opfer; ſie fühlte den Frieden wieder in ihr Herz eintreten, dann wunderte ſie ſich, daß ſie noch lebte. Muthige Männer vertheidigen ſie und ziehen ſie nach einem Fiaker, welcher den Weg nach der Abtei einſchlägt. Gleich bei den erſten Schritten beginnt das Wuthgebrüll der Menge; Char⸗ lotte Corday erwartet in Stücke geriſſen zu werden; ein Augenzeuge fügt hinzu, ſie habe es gewünſcht. Ihre Augen ſchloſſen ſich; ſie ſchien ſich den Stößen überlaſſen zu wollen. Die Municipalbeamten aber redeten das Volk an und erlang⸗ ten von ihm, daß es das Werk des Schaffots nicht im voraus that. Die Autorität, welche die Beamten ausübten, erfüllte ſie mit Bewunderung. Als ſie in die Abtei eintrat, ohne mit irgend einer Beſchimpfung empfangen zu werden, erreichte ihr Erſtaunen den höchſten Grad, daß ſie ſich noch lebend befand und ſich beſchützt ſah.
Bald verändern die Schmähworte Chabot's und Legen⸗ dre's, welche dem nächtlichen Verhör beiwohnen, dieſen Ein⸗ druck. Die Schamloſigkeit Chahot's, welcher ſie mit ſeiner Hand berührte, verurſachte ihr Abſcheu. Er kündigt ihr die Guillotine an; ſie antwortet ihm mit einem verächtlichen Lächeln, mit dem ſie ſich von dieſem Augenblick bis zu ihrem letzten Athemzuge bewaffnete. Der Capuciner Chabot erſchien ihr wie ein Wahnſinniger; er war es in der That aus Furcht. Er fühlte ſich durch dieſen Blick und dieſe Mar⸗ morhand im voraus getödtet und eilte in den Convent, um ſeine paniſche Furcht dahin zu bringen. Er erzählt, er habe ein Weſen geſehen, das über die menſchliche Natur erhaben
Novellen⸗Jeitung.
ſei, und dieſes Geſpenſt mit einer prächtigen Taille und Hal tung habe es auf den ganzen Berg abgeſehen. Legendre häl ſich ſchon für imeuchleriſch ermordet. Eine Atmoſphäne der Furcht verbreitet ſich um die eherne Jungfrau herum.
(Schluß folgt.)
Vom Gebiete der Nilquellen.
Wie vor zwei Jahren durch die Nachricht Speke's „daß der Nil in Ordnung ſei,“ ſo iſt auch jetzt wieder die ganze Genoſſenſchaft der Geographen durch die Botſchaſ daß S. W. Baker am 6. Mai 1865 gliücklich wieder in Chartum angelangt fei, in Spannung und freudige Erregum verſetzt. Bekanntlich war es Speke und Grant nicht möglich den Lauf des Nil von ſeinem Austritt aus dem Nyanzaſe bis Gondokoro ganz zu verfolgen. Deshalb unternahm es da engliſche Ingenieur Baker, der ſeiner Zeit auf eigene Koſten den Nil hinaufgegangen war, um jene kühnen Reiſenden, von denen lange Zeit alle Nachrichten fehlten, aufzuſuchen um ihnen Hülfe zu bringen, den Theil des Nillaufes, welchen Speke und Grant nicht geſehen hatten, genauer zu erforſchen⸗ Baker verſuchte, von Gondokoro aus ſo weit als möglich zu Waſſer weiter zu kommen, aber ſeine in Chartum gemietheten Leute revoltirten und zwangen ihn zur Umkehr. Auch eime zweite von ihm engagirte Escorte weigerte ſich, nach Süden vorzudringen, und ſo entſchloß ſich Baker mit den Soldaten und Geſchäftsführern des Händlers Churſchud⸗Agha öſtlich nach dem Sobat zu gehen. Bis zum 12, April 1863 hatte man aber von Baker keine Nachricht. Erſt Ende Mai 1864 kehrten einige von Churſchud-Agha's Leuten nach Chartum zurück und berichteten, daß Baker doch wieder ſeinen urſprüng⸗ lichen Plan aufgenommen habe und nach den Quellſeen des Nil gegangen ſei; ſie hätten ihn bis Kamreſi's Reſidenz in Unjoro begleitet.
Da nun aber wiederum weitere Nachrichten von Baler ganz ausblieben, fing man an, die Ausſage von Churſchud's Leuten für falſch zu halten und ernſtliche Beſorgniß für den kühnen Reiſenden zu hegen, bis endlich, wie bereits im Ein⸗ gange erwähnt, der Telegraph die frohe Kunde von der Rück⸗ kehr des ſchon halb Aufgegebenen brachte.
In der in Kairo erſcheinenden Zeitung Il Commerein vom 25. Juni 1865 wird über Baker's Entdeckungen aus Chartum Folgendes berichtet:„Nicht zufrieden damit, daß er den Nil gefunden, der aus dem See Victoria Nyanza herauskommt, hat er ſeinen Lauf bis zur Einmündung in den Albert Nyanza, nordweſtlich von dem erſteren, verfolgt. Die⸗ ſem entſtrömen aus ſeinem Nordende mittelſt einer enormen Cascade von mehr als 120 Fuß Höhe alle die Waſſermaſſen der beiden großen Seen und von Katarakt zu Katarakt bies Gondokoro, dem äußerſten Punkte, bis wohin die Barken bisher dieſen merkwürdigen Strom hinauffahren konnten⸗ Sie können ſich denken, wie ſich unſere Colonie freute, den wackern Reiſenden aufzunehmen, der trotz Entbehrungen, Mühen, Strapazen und Gefahren aller Art 2 ½ Jahre hin⸗ durch, begleitet von ſeinen muthigen Gefährten, ſtets ungewiß über den morgenden Tag, das große wiſſenſchaftliche Pro⸗ blem: ‚Wo befinden ſich die Quellen des Nil?“ mit uner⸗
ſchütterlichem kaltem Blute und ungewöhnlicher Ausdauer
gelöſt hat. Die Karte Baker's, die er bald nach ſeiner An⸗ kunft in London publiciren wird, iſt ſo glaubwürdig, daß damit keine der zahlreichen nach falſchen Nachrichten copirten verglichen werden kann, und ſie wird rechtzeitig eintreffen, um dem Signor Miani eine ſolche Reiſe zu erſparen.
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