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812 Novellen⸗Zeitung.
Sprang erbittert aus dem Schloß,
Zog hervor ſein braunes Roß.
Hildebrand ſprach:„Wirſt Du es wagen, Mich auf dieſem Ritt zu tragen?“
„Gern thu ich den Willen Dir,
Rede nur kein Wort mit mir.“
Fort ging's über Meer und Land Pfeilſchnell, da rief Hildebrand:
„Niemals noch in allen Reichen
Sah ich, Rößlein, deines Gleichen!“
Und tiefer ſank es und tiefer da,
Doch war der rettende Strand ſchon nah. „Willkommen, Hildebrand, Schwager mein, In meiner Halle koſte den Wein.“
„Nicht begehr' ich Deinen Wein;
Wo iſt Tjodbjörg, mein Schweſterlein?“ „Tjodbjörg ſitzt im Frauenſaal,
Ein Söhnlein gebar ſie mir, dem Gemahl.“ „Und wären es zwei und wären es drei, Sehn will ich, wo meine Schweſter ſei!“ „Seit wann denn wär' es Männerſitte, Zur Wochenſtube zu lenken die Schritte?“ Doch Hildebrand pocht' an die Saalthür hell:
„Schließ' auf, o Schweſter Tjodbjörg, ſchnell!“ „Wie kann ich die Thür erſchließen Dir,
Sind doch die Hände gefeſſelt mir!“
Da braucht' er Liſt und brauchte Gewalt, Und Schloß und Riegel ſprangen bald.
Er hieb ihr ab die eiſerne Bande,
Daß weit es ſcholl hin über die Lande.
Da heiſchte zum Zweikampf er den Grafen, Den ſeine Streiche tödtlich trafen.
Und kluckend kam der Rabe geſprungen,
Ein Feſtmahl ward ihm an Leber und Lungen. Zum Thinge dann ſprengte das Roß hinan, Zertrat und zerriß manchen edlen Mann.
So fuhr es ſchnaubend und ſchäumend umher, Erſchlug wohl hundert Helden und mehr. Tjodbjörg neigte zum Roſſe ſich:
„Wirſt Du es wagen zu tragen mich?“ „Gerne, wie gerne trag' ich Dich fort,
Rede nur, rede mit mir kein Wort!“
Sie neigte ſich tiefer und küßt' es zum Lohn— — In die Lande, die weiten—
Da ward es zum ſchönſten Königsſohn. — Fort muß der Herr aus Dänemark reiten.
Zeuilleton.
Charlotte Corday.*) Die Poeſie iſt nicht immer eine Fiction. Während ein Theil der Girondiſten nach Calvados floh,
erwartete ein junges Mädchen von edler Geburt, Fräulein von Armont, dieſelben in Caen. Familiärer nannte man ſie
Marie oder Charlotte Corday. Enkelin einer Nichte des großen
Corneille, ſchien ſie eine der Schöpfungen des Dichters zu ſein, welche durch die Revolution verwirklicht worden war. Große verſchleierte Augen, eine Adlernaſe, eine breite gewölbte Stirn, ein glänzender Teint, eine klangreiche, bezaubernde, kindliche Stimme, ein engelhaſter Blick, eine hohe Geſtalt, der Kopf ein wenig nach vorn gebeugt, ſo wird ſie von denen beſchrieben, die ſich ihrer intimen Bekanntſchaft erfreuten. Ihre Schönheit entzückte ſie.
Gewöhnlich ſchweigſam, trat ſie zuweilen aus ihren Träumereien durch einen plötzlichen Ausbruch der Heiterkeit heraus, der diejenigen ganz irre machte, welche tiefer in ihre Seele einzudringen wünſchten. Die Anmuth, die Heiterkeit, welche ſie in Alles miſchte, geboten der Unbeſcheidenheit Halt. Ueberdies kannte ſie ſich ſelbſt nicht; ihrem Charakter hatte ſich nur eine Gelegenheit geboten, ſich zu zeigen. Bei einem Familiendiner, bei dem ein Toaſt auf den König ausgebracht wurde, dem zu Ehren ſich Alle erhoben, ſah man mit Be⸗ ſtürzung, daß die ſchöne Charlotte unbeweglich, mit geſenktem Kopfe ſitzen blieb und verweigerte, ihre Wünſche mit denen ihrer Familie zu vereinigen.„Du biſt alſo eine Republi⸗ canerin?“ ſagte Eine ihrer Freundinnen zu ihr.—„Ja, wenn die Franzoſen der Republik würdig wären.“ Als ſie
*) Aus Edgar Quinet's eben jetzt erſchienenem neuen Werke „la Révolutione entnommen, das bei Lacroix, Verboeckhoven und Co. in Brüſſel erſchienen iſt.
indeſſen die Hinrichtung des Königs erfuhr, verzweifelte ſie und ſie ſah die Republik nur noch in den Wolken, jenſeits des Wirklichen.
Ihr Vater, Herr von Armont, ein Edelmann, theilte
keine ihrer Meinungen. Ihre beiden Brüder waren emigrin, und ſie lebte bei einer Tante, der Frau von Breteville, welche nur durch die Furcht verhindert wurde, ſich eine Royaliſtin zu nennen. In der Wirklichkeit lebte Marie oder Charlotte Corday blos in der Geſellſchaft der Heldinnen ihres Groſ⸗ onkels. Gezwungen ſich mit dieſen ſtolzen Seelen zu beſchäftigen, fand ſie ſchließlich in denſelben nach dem Herzen und Blute ihre wahrhafte Familie wieder. Sie ſelbſt nannte ſich die Tochter der Aemilia und des Cinna. Man füge nun dieſer römiſchen Grundlage die plötzlichen Flammen der frän⸗ zöſiſchen Revolution hinzu; man vermenge mit den Horatiern die Girondiſten, mit der Camilla Madame Roland, mit
Cinna, Maximus und Sertorius Barbaroux, Buzot, Guadez
mit dem Uebergang über den Rubicon verbinde man den
31. Mai: ſo wird das, was bei dem Vorfahr Erfindung, Dichtung war, bei der Enkelin ſeiner Nichte Leben, Wirklich⸗ keit; die Poeſie des Familienhauptes geht in das Blut und
die Adern Charlottens über und wird bei ihr Glauben, Pflicht, Religion, Fanatismus; man ſehe, was geſchieht. Wir glauben allzuleicht, daß die Dichtkunſt immer eine Lüge ſei. Zuweilen verwirklicht ſie ſich; der Blitz begnügt ſich nicht immer damit, in den Wolken zu murmeln, er ſtürgt ſich auf die Erde herab und die Welt bleibt davon betäubt. Während einiger Tage war Charlotte Corday nicht in Caen und eben ſo wenig in dem Hotel der Intendantur geſehen worden. Konnte ſich irgend Jemand darüber verwundern? Ein kleiner Dienſt, den ſie einer Freundin, dem Fräulein von Forbin, leiſten ſoll, ruft ſie nach Paris; denn mitten unter den großen Gedanken, welche ſie beſchäftigen, nimmt die
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