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810 Novellen⸗
daß er auf dem Althing, der Volksverſammlung, ſtets mit einem Gefolge von mehreren hundert Bewaffneten erſchien und zwei Mal Präſident der Republik ward, zuletzt zehn Jahre lang, von 1222— 1231. Mit norwegiſchen Fürſten befreundet, gerieth er in den Verdacht, ſeiner Heimath das Joch der Fremdherrſchaft aufbürden zu wollen, machte ſich durch Ehrgeiz, Herrſch⸗ ſucht, Treuloſigkeit in der Politik und Geldgier überall Feinde und ward am 22. September 1241 auf ſeinem Gute Reykholt durch den eigenen Schwiegerſohn er⸗ mordet. Alles, was er zu Arne Beiſk ſagte, der das Mordbeil gegen ihn ſchwang, war:„Wag's nicht zu hauen! Wag's nicht!“ ſo daß eine gewiſſe Hoheit, ein gewiſſer Stolz ihn noch im letzten Augenblick nicht verlaſſen zu haben ſcheint.— So wenig ſein Privatleben muſterhaft war, ſo unübertrefflich ſind ſeine Werke, von denen ich nur zwei nennen will: die„neuere Edda“ und die„Heimskringla⸗Saga,“ die Chronik der norwegiſchen Könige, die ihren Namen nach den Anfangsworten hat.
Grimm ſagt in der Einleitung zu ſeinen alt⸗ däniſchen Heldenliedern und Balladen:„Was wir überhaupt in all' dieſen Liedern lieben, das iſt die Luſt des Herzens, die darin ſpricht, die trauert oder ſich freut. Wir müſſen ſie als das Höchſte achten, was aus ihr allein entſpringt, was man durch Leben, Wahrheit, Schönheit, Poeſie oder ſonſt ausdrücken will. Das iſt der große Unterſchied der Volksdichtung von der Kunſt, daß ſie keine Wüſten kennt, ſondern die ganze Welt grün, friſch und entzündet glaubt von Poeſie, daß ſie weiß, es werde doch Alles vom Him— mel umfaßt und nichts ſei ungezählt, auch kein Haar auf dem Haupt. Darum ſagt ſie nichts, als was nothwendig, was wirklich bezeichnet, und verſchmäht allen äußeren Glanz(wie die ſingenden Vögel ein⸗ farbig ſind); darum iſt ſie auch unbekümmert um den Zuſammenhang, abgebrochen, und fällt doch nie heraus. Mit der Kunſt aber iſt es anders; ſie hat zu beſor⸗ gen, man möge den Zuſammenhang nicht erkennen, weil ſie an eine Leere und Unpoeſie glaubt; darum will ſie Alles ſagen, nicht blos andeuten und faſt mehr ſein, als ihr Gegenſtand, vor dem ſich die Volks⸗ dichtung immer demüthigt; darum quält ſie ſich in der Beſchreibung und Umſchreibung des Kreiſes, den ſie nicht ausfüllen kann und der immer wieder von einander fällt. So konnte, nach der indiſchen Mythe, die Göttin Mariatale das Waſſer ohne Gefäß in eine Kugel zuſammengeballt tragen, aber es zerfloß, als ſie die Unſchuld ihrer Gedanken verlor.“
Ja, ich gehe noch weiter als Grimm, ſagt Wil⸗ latzen, und behaupte, daß das Geſagte in weit höhe⸗ rem Grade auf die isländiſche als auf die däniſche
Zeitung.
Volkspoeſie anwendbar iſt, und daß Grimm, wenn er jene gekannt hätte, ihr den Vorrang vor dieſer eingeräumt oder ſie ihr an die Seite geſtellt haben würde. Denn die größere Einfachheit und Keuſch⸗ heit in Behandlung und Ausdrucksweiſe iſt ohne allen
heit, die zuweilen auf die Naturen, welche an ſinn⸗ lichen Reiz gewöhnt und durch Ueberreizung verwöhnt ſind, erkältend und abſtoßend einwirken muß. Das iſt aber ein Hauptvorzug, wenn es vielleicht auch nur von Wenigen dafür anerkannt werden ſollte. Die isländiſche Volkspoeſie verſchmäht in ihrer harmloſen Jungfräulichkeit all' und jeden Flitter; ſie giebt ſich einfach, ſchlicht und natürlich wie ein Kind, weiß ſelbſt nicht, wie ſchön ſie iſt.
Ein Vergleich der Volksballaden, die beide Na⸗ tionen, Isländer und Dänen, mit einander gemein haben, wird faſt ohne Ausnahme zeigen, daß die isländiſche Verſion die knappere iſt, meiſt die urſprüng⸗ lichere. Die däniſchen Balladen ſind oft unleidlich in die Länge gezogen und mit unnöthigen Nebendingen ausgeſtattet, die nicht ſelten offenbare Auswüchſe einer gequälten Phantaſie ſind, welcher die rechte Spann⸗ kraft fehlt, die nur in's Breite geht, ohne eigentliche Schöpferkraft zu beſitzen. Daß die Dänen einen größern Reichthum an derartigen Volksdichtungen haben, iſt etwas Selbſtverſtändliches, da ſie um ihrer Exiſtenz willen nicht mit Himmel und Erde, Luft, Feuer und Waſſer zu kämpfen haben. Wenn denn alſo ein Vergleich angeſtellt werden ſoll, möchte er leicht zu Gunſten der Isländer ausfallen. Dänen dürften allerdings nicht darüber zu Gericht ſitzen.
Wenige europäiſche Völkerſchaften ſind übrigens ſo emſig bemüht geweſen, ihre alten literariſchen Schätze aus dem Staube hervorzuziehen und der ver⸗ geſſenheit zu entreißen, als die ſkandinaviſchen. Vor Allen muß den Dänen dies Lob ertheilt werden. Sie können auf ihre Literatur im Ganzen ſtolz ſein und auf die Stufe, welche Kunſt und Viſſeenſchaft bei ihnen erreicht haben. Das größere Publicum in Deutſchland iſt nur zu unbekannt mit der geiſtigen Rührigkeit, welche im Norden herrſcht; die argen politiſchen Zerwürfniſſe der letzten Jahrzehnte trugen auch das Ihrige dazu bei, daß man auf beiden Seiten zu einer gerechten Würdigung der Tüchtigkeit, die auf jeder ohne alle Frage ſich geltend macht, nicht ge⸗ langen konnte.
Die Energie, welche die Dänen auf dem Felde der Politik kennzeichnet, bewähren ſie bei jeder Ge⸗ legenheit, wo es ſich um nationale Beſtrebungen handelt. Dieſer Charakterzug iſt namentlich ihrer Literatur außerordentlich günſtig geweſen. Schon ſehr
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unge Zweifel der isländiſchen Volkspoeſie eigen, eine Keuſch⸗
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